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26.03.2026 13:26

(Akt. 26.03.2026 14:10)

Radweg statt Nebenfahrbahn gibt es künftig auf dem Wiener Ring.

Radweg statt Nebenfahrbahn gibt es künftig auf dem Wiener Ring.
©APA/ZOOMVP/MOBILITÄTSAGENTUR

In Wien wurden Pläne zur Umgestaltung der Wiener Ringstraße vorgestellt. Bis 2030 soll der Fußgänger- und Radverkehr größtenteils getrennt werden. Nebenfahrbahnen werden in Radwege umgewandelt und sandgelb markiert. Der Umbau erfolgt abschnittsweise, beginnend im Herbst am Schottenring. Die Anzahl der Fahrspuren auf der Hauptfahrbahn bleibt unverändert.

Das neue Konzept für den Wiener Ring, das als eines der zentralen Projekte von Rot-Pink betrachtet wird, wurde gemeinsam von der Planungs- und Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ), NEOS-Klubchefin Selma Arapovic und dem Bezirksvorsteher des ersten Bezirks, Markus Figl (ÖVP), präsentiert. Zukünftig sollen Fußgänger und Radfahrer weniger häufig in Konflikt geraten. Derzeit ist der Radweg am Ring eng an die Fußgängerzonen angebunden. An unübersichtlichen Abschnitten treten immer wieder Probleme auf.

Umgestaltung von Wiener Ring in Etappen

Das soll in Zukunft der Vergangenheit angehören, wenn auch nicht auf beiden Seiten des Prachtboulevards. Die sukzessive Umgestaltung sieht vor, dass jeweils ein Bereich an der Innen- oder der Außenseite gestaltet wird – was sich nach der Intensität der Nutzung richtet. Beim Schottenring bedeutet dies, dass man sich dem inneren Teil widmet. Dort wird die Nebenfahrbahn weitgehend zur 4,50 Meter breiten Bike-Zone, die in beide Richtungen befahren werden kann. Für Autos werden aber Zufahrtsbereiche etwa bei Hotels oder beim Ringturm geschaffen.

Umbau des Wiener Rings ab Herbst

Farblich lehnt man sich an die ursprüngliche Gestaltung der Straße an. An den Seitenbereichen des Rings gab es einst Reitzonen, wie der Historiker Harald Stühlinger von der Technischen Universität Wien erläuterte. Der helle Braunton, der an den damals verwendeten Schotter erinnern soll, wird dabei nicht aufgepinselt, sondern in den Asphalt eingearbeitet, wie Sima erklärte. Das soll die Haltbarkeit erhöhen.

Kennzeichnung bei Querungen auf dem Wiener Ring

Die Allee zwischen Haupt- und Nebenfahrbahn sowie die Gehsteige an den Häuserfronten werden den Fußgängerinnen und Fußgängern gehören. Um das Überqueren des Radwegs zu erleichtern, wird es linsenartige Pflasterungen geben, die dem Radverkehr signalisieren sollen, dass hier mit Fußgängern zu rechnen ist. Die Einbauten werden allerdings nicht erhaben ausgeführt, können also nicht versehentlich gerammt werden.

Karte, Umgestaltung der Nebenfahrbahnen in vier Bauphasen.

Die Fertigstellung des ersten Teils ist laut Sima für Mitte 2027 geplant. Die Kosten dafür sollen bei einem einstelligen Millionenbetrag im „mittleren Bereich“ liegen. Nach den Arbeiten am Schottenring folgen vier weitere Phasen. Die zweite wird Universitätsring und Schubert-, Stuben- und Parkring umfassen. Vorerst nicht geplant ist eine Neugestaltung im Bereich des Kais am Donaukanal. Dass eine solche in der nächsten Legislaturperiode stattfindet, ist laut Sima aber durchaus möglich.

An der Entwicklung des Projekts war unter anderem das Planungsbüro Gehl Architects aus Kopenhagen beteiligt. Direktorin Liselott Stefeldt zeigte sich heute zuversichtlich, dass die Zahl der Fußgänger und Radfahrer in dem Bereich steigen wird. Zugleich dürften Unfälle zurückgehen, prophezeite sie.

Jedenfalls weniger werden die Parkplätze, da die Nebenfahrbahnen für Autos großteils gesperrt werden. Die Spuren auf der Hauptfahrbahn bleiben hingegen unverändert bestehen. Laut Sima hätte eine Verlegung des Radwegs dorthin im Vergleich zum gewählten Konzept Nachteile. Würde ein Fahrstreifen umfunktioniert werden, müssten die Straßenbahnschienen überquert werden, um ihn zu erreichen, gab sie zu bedenken. Die Fahrspuren seien auch schmäler als die Nebenfahrbahnen.

Mobilitätsclubs mit Neugestaltung von Wiener Ring prinzipiell zufrieden

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßte die Modernisierungspläne. Der Ringradweg sei eine der am stärksten befahrenen Radrouten Wiens, auf der im Jahr 2024 etwa am Opernring 1,77 Millionen Radfahrerinnen und Radfahrer gezählt worden seien. Derzeit weise der Ringradweg aber „zahlreiche Problemstellen“ auf, hieß es.

Der ÖAMTC zeigte sich erfreut, dass der Fußgänger- und Radverkehr entflochten wird und die Kfz-Fahrspuren auf der Hauptfahrbahn beibehalten werden. Bedenken äußerte man allerdings in Bezug auf die Nutzung der Nebenfahrbahnen. Diese seien gerade als Zu- und Abfahrt für Taxis und Lieferanten besonders wichtig. Die kürzlich präsentierten ÖAMTC-Vorschläge hätten den Wirtschaftsverkehr stärker berücksichtigt, ist man überzeugt.

Die Grünen sahen einen „Schritt in die richtige Richtung“. Sie übten in einer Aussendung jedoch Kritik daran, dass die jeweils gegenüberliegenden Seiten des Rings nicht verändert werden – und dort auch die Parkplätze wie bisher bestehen bleiben.

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