Bei der Safe Democracy Convention 2026 im beeindruckenden Vienna City Hall ging es nicht um ferne Zukunftsvisionen oder abstrakte Theorien. Im Mittelpunkt stand eine ganz konkrete Frage: Wer kontrolliert heute das Digitale in Europa – und wer sollte es künftig tun?
Politik, Expert:innen und Vertreter:innen der öffentlichen Hand einte eine gemeinsame Sorge: Europa ist in hohem Maße von externen Technologien abhängig, insbesondere von großen Unternehmen außerhalb des Kontinents. Diese Abhängigkeit wird zunehmend nicht nur als wirtschaftliches, sondern auch als demokratiepolitisches Problem wahrgenommen.
Im Talk „Digitale Souveränität: von der Vision zur Praxis“ mit Staatssekretär Alexander Pröll und Minister Dirk Schrödter wurde rasch klar: Europa muss seine digitale Abhängigkeit reduzieren – ähnlich wie bereits in der Energie- oder Sicherheitspolitik diskutiert wird.
„Sich aus Abhängigkeiten zu lösen ist teuer, aber langfristig abhängig zu bleiben ist noch teurer“, betonte Pröll.
Während vielerorts noch diskutiert wird, setzt Schleswig-Holstein bereits konkrete Schritte. Schrödter schilderte, wie die Verwaltung schrittweise auf Open-Source-Lösungen umstellt.
Dabei geht es nicht um einen radikalen Bruch, sondern um eine konsequente Modernisierungsstrategie: mehr Kontrolle, mehr Transparenz und weniger Abhängigkeit. Digitale Souveränität wird damit nicht nur zu einer technischen, sondern auch zu einer staatspolitischen Frage.
Safe Democracy Convention 2026 im Wiener Rathaus. Im Rahmen der Veranstaltung wurden zahlreiche Panels und Workshops zu digitaler Souveränität, demokratischer Resilienz und der Rolle der Technologie abgehalten. Foto: CulturaLatina
Ein zentrales Thema des Nachmittags war zudem, dass digitale Souveränität weit über technische Fragen hinausgeht. Sie ist eine strategische Aufgabe. Investitionen in europäische Technologien können Innovation fördern, Unternehmen stärken und neue Wachstumsimpulse setzen.
Gleichzeitig wurde die demokratische Dimension betont. Pröll warnte davor, dass Algorithmen und Desinformation Einfluss auf Meinungsbildung und Wahlverhalten nehmen können. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen kann dies demokratische Strukturen schwächen.
In diesem Zusammenhang hob er die Bedeutung digitaler Bildung hervor: Sie ist eine zentrale Voraussetzung für eine widerstandsfähige Demokratie.
Sowohl Österreich als auch Deutschland waren sich einig: Kein Staat kann digitale Souveränität allein erreichen. Es braucht europäische Zusammenarbeit – gemeinsame Standards, interoperable Systeme und klare strategische Ziele.
Europa verfügt über die notwendigen Voraussetzungen: Marktgröße, Fachkräfte und Innovationskraft. Entscheidend wird sein, schneller zu handeln und Prioritäten klarer zu setzen.
Mit Blick auf die Zukunft konzentrierte sich die Diskussion auf zwei zentrale Aspekte: die digitale Infrastruktur – einschließlich Rechenzentren, eigener Systeme und Künstlicher Intelligenz – sowie die dafür notwendige Energieversorgung. Ohne diese Grundlagen bleiben Fortschritte in Richtung digitaler Souveränität begrenzt.
Schrödter brachte es auf den Punkt: Digitale Souveränität lässt sich weder mit einem starren Plan noch in kurzer Zeit erreichen. Sie ist ein fortlaufender Prozess, der den Ersatz bestehender Systeme, strukturelle Anpassungen und die Entwicklung eigener Alternativen erfordert.
Ein schrittweiser Weg, der Ausdauer und konsequente Entscheidungen verlangt. Doch wie in Wien deutlich wurde, hat dieser Weg bereits begonnen.
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Safe Democracy Convention 2026
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