Nikosia. Der Iran will Verhandlungen mit den USA nutzen, um den Nahen Osten nach seinen Vorstellungen neu zu ordnen. Teheran beansprucht die dauerhafte Kontrolle über die Straße von Hormus, will keine Einschnitte des iranischen Raketenprogramms hinnehmen und fordert einen Abbau der US-Militärpräsenz in der Region. Der Iran werde den Krieg beenden, wenn seine Forderungen erfüllt seien, sagen Regierungsvertreter. Die Führung der Islamischen Republik pokert hoch, weil sie überzeugt ist, den Krieg fortsetzen zu können, wenn es keine Einigung gibt. Sie setzt zudem darauf, dass US-Präsident Donald Trump ein schnelles Ende des Konfliktes will.

„Teheran sieht sich nicht als Verlierer“, sagt der Nahost-Experte Simon Waldman vom King’s College in London. Deshalb werde der Iran in den Verhandlungen mit Trumps Regierung US-Forderungen wie die nach einer Begrenzung des Raketenprogramms ablehnen, sagte Waldman der „Presse“. Mit seinen Raketen und Drohnen hat sich das Regime die Fähigkeit zu wirksamen Gegenschlägen erhalten. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass Teheran strikten Obergrenzen für diese Waffen zustimmen wird.

Auch in der Frage des Tankerverkehrs durch die Meerenge von Hormus dürfte der Iran in den Verhandlungen selbstbewusst auftreten. Die Sperrung der Wasserstraße hat sich als wirksamster Hebel der Islamischen Republik gegen ihre Gegner erwiesen. Iranische Politiker machen sich über Trumps Versuche lustig, die Blockade zu durchbrechen. „Der dumme und böse US-Präsident bettelt andere Staaten an, sie sollen Kriegsschiffe schicken“, sagte Justizchef Gholam-Hossein Mohseni Ejei laut iranischer Nachrichtenagentur Tasnim.

Teheran deutet schon jetzt an, dass das Regime auch künftig entscheiden will, welche Tanker die Meerenge von Hormus durchqueren dürfen und welche nicht. Der Iran teilte der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO mit, Schiffe aus Staaten, die nicht mit dem Iran verfeindet seien, hätten freie Fahrt, solange sie sich bei den iranischen Behörden melden. Seit einigen Tagen verlangt der Iran laut Medienberichten zwei Millionen Dollar als Mautgebühr für Tanker in der Straße von Hormus.

Das Regime betrachtet die Kontrolle über die Meerenge nicht nur als Einnahmequelle, sondern als Grundlage künftiger Macht über die Region. „Die Straße von Hormus ist die Trumpfkarte des Iran für die Nachkriegsordnung“, kommentierte die Zeitung „Dschawan“, die der Revolutionsgarde nahe steht. Sollte sich der Iran durchsetzen, wären die Öl- und Gasnationen am Golf für ihre Exporte vom Wohlwollen Teherans abhängig.

Auf mindestens ebenso weitreichende Folgen zielt die Forderung iranischer Politiker, US-Militärstützpunkte in der Region zu schließen. Ein Abzug der Amerikaner würde die Golf-Staaten schwächen und ist ein lang gehegtes Ziel der iranischen Nahost-Politik. Kompromisse Teherans beim iranischen Atomprogramm sind zwar denkbar, doch das Regime will sich ein Mindestmaß an Atomtechnologie sichern.

Zu den iranischen Forderungen an Trump gehören auch Reparationszahlungen für die Kriegsschäden und ein rechtlich bindender Verzicht von USA und Israel auf neue Angriffe. Den 15-Punkte-Plan der USA, zu dem ein völliger Verzicht auf die Urananreicherung im Iran und die Zerstörung iranischer Atomanlagen gehören, wird von Teheran als „exzessiv“ abgelehnt. Trumps Unterhändler dürften wiederum die iranischen Maximalforderungen abweisen.

Unter Vermittlung Pakistans hat Israel den iranischen Außenminister Abbas Araqchi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf von der „Abschussliste“ genommen. Den Chef der iranischen Marine hat Israel indessen am Donnerstag zur Strecke gebracht.

Äußerungen iranischer Politiker und Militärs legen nahe, dass das Regime ein Scheitern der Verhandlungen und eine Fortsetzung des Konflikts einkalkuliert. Das Leid der eigenen Bevölkerung spielt dabei keine Rolle: Die theokratische Diktatur bewies mit der Niederschlagung des Volksaufstands, dass sie bereit ist, für ihr Überleben einen hohen Preis zu zahlen. Die gezielte Tötung führender Köpfe hat die Kampfbereitschaft des Regimes bisher nicht geschmälert.

Fast vier Wochen Krieg haben die militärischen Kapazitäten des Iran zwar dezimiert, doch Teheran hat immer noch mehr als tausend weitreichende Raketen sowie mehrere tausend Drohnen in den Arsenalen. Die USA wollten ihre Niederlage bemänteln, indem sie eine Vereinbarung mit dem Iran anstrebten, sagte ein iranischer Armeesprecher, Aber: „Leute wie wir werden sich niemals mit Leuten wie euch einigen.“

»Die Straße von Hormus ist die Trumpfkarte des Iran für die Nachkriegsordnung. «

Dschawan

Iranische Zeitung