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Schwere Infektionen können offenbar Jahre später das Risiko für Demenz erhöhen. Das zeigt eine große finnische Studie mit Daten von über 375.000 Menschen.

Studie untersucht Infektionen und Demenzrisiko

In der Studie wurden 62.555 Personen ab 65 Jahren, bei denen zwischen 2017 und 2020 erstmals eine Demenz festgestellt wurde, analysiert. Sie wurden mit 312.772 Menschen ohne Demenz verglichen. Alter, Geschlecht und Beobachtungszeitraum waren vergleichbar.

Erfasst wurden alle Krankenhausdiagnosen, die ein bis 21 Jahre vor der Demenzdiagnose gestellt wurden. Das letzte Jahr davor wurde ausgeschlossen, um Verzerrungen zu vermeiden. Zusätzlich berücksichtigten die Forscher Bildung, Familienstand, Erwerbsstatus und Wohnort.

Insgesamt identifizierten sie 29 Erkrankungen, die das Demenzrisiko deutlich erhöhten, wie FITBOOK berichtet. Zwei davon waren Infektionen, 27 weitere waren andere Erkrankungen – darunter Schlaganfälle, Diabetes und psychische Erkrankungen.

Blasenentzündung steigert Risiko um bis zu 22 Prozent

Besonders auffällig waren eine Blasenentzündung sowie bakterielle Infektionen ohne genau bestimmten Ort im Körper. Betroffene hatten ein um etwa 21 bis 22 Prozent erhöhtes Risiko, später an Demenz zu erkranken.

Auch nach Berücksichtigung anderer Erkrankungen blieb das Risiko um rund 19 Prozent erhöht. Nur etwa elf bis 14 Prozent des Zusammenhangs ließen sich durch weitere Krankheiten erklären.

47 Prozent der späteren Demenzpatienten hatten bereits mindestens eine dieser Erkrankungen, mehr als jeder Fünfte mehrere. Bei Männern war das Risiko nach schweren Infektionen etwas höher als bei Frauen. Bei Menschen mit höherer Bildung zeigte sich der Zusammenhang ebenfalls etwas stärker.

Infektionen oft Jahre vor der Diagnose

Im Durchschnitt lagen die schweren Infektionen fünf bis sechs Jahre vor der Demenzdiagnose. Als mögliche Erklärung nennen die Forscher starke Entzündungsreaktionen, die auch Prozesse im Gehirn beeinflussen können.

Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt Zusammenhänge, beweist aber keine Kausalität. Erfasst wurden nur Infektionen, die im Krankenhaus behandelt wurden. Angaben zu Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Ernährung oder Bewegung fehlten. Unterstützt wurde die Studie unter anderem vom Research Council of Finland und dem Wellcome Trust.