Irans Revolutionsgarden bereiten sich penibel vor. Sie verstecken Sprengfallen, legen Minen, verstärken ihre Bunker. Sie warten auf den Tag, an dem der erste US-Soldat seinen Fuß auf die strategisch wichtige Insel setzt. Und Irans Militärplaner denken, dass er bald kommen könnte. Dann wollen sie alles tun, um den Amerikanern möglichst hohe Verluste zuzufügen.
Es ist ein ganzes System hintereinander gestaffelter Abwehrstellungen, das die Iraner auf der Insel Kharg angelegt haben. Nun hat Teheran zusätzliche Truppen dorthin verlegt, darunter Einheiten, die mit tragbaren Flugabwehr-Lenkwaffen ausgerüstet sind. Das berichten US-Militärquellen dem Nachrichtensender CNN. Diese tragbaren Lenkwaffen können Soldaten meist direkt von ihrer Schulter aus abfeuern und dienen vor allem zur Bekämpfung von Hubschraubern und tiefer fliegenden Flugzeugen.
Die Vorbereitungen der Iraner sind ihre Antwort auf die verstärkten Drohungen aus den USA. Präsident Donald Trump hat angekündigt, er könne die iranische Insel Kharg einnehmen lassen. Gleichzeitig werden weitere US-Kampftruppen in den Nahen Osten verlegt. Das US-Verteidigungsministerium bereite Pläne für einen massiven „finalen Schlag“ gegen Irans Regime vor, berichtete am Donnerstag das Nachrichtenportal „Axios“. Dieser Schlag könnte noch massivere Luftangriffe und den Einsatz von Bodentruppen beinhalten, meldete „Axios“ unter Berufung auf US-Quellen. Und er könnte dann erfolgen, wenn die Verhandlungsversuche der USA mit dem Iran nichts fruchten.
Bei den US-Plänen steht Kharg ganz oben auf der Liste der Ziele. Die Insel, auf der sich Irans Soldaten auf einen Angriff vorbereiten, ist weniger als 23 Quadratkilometer groß. Sie liegt im nördlichen Teil des Golfs, etwa 30 Kilometer vom iranischen Festland entfernt. Die Insel hat große strategische Bedeutung. Sie ist Teil des Systems von Militärbasen, mit denen Teheran den Schiffsverkehr im Golf überwachen – und unterbinden – kann. Und sie ist sehr wichtig für Irans Erdölindustrie. Rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte erfolgten bisher über Kharg. Auf die Insel führen Pipelines vom iranischen Festland. Von hier legen auch Irans Tankschiffe ab. Sollte es den USA gelingen, Teheran die Kontrolle über die Insel zu entreißen, wäre das ein schwerer Schlag für das iranische Regime.
Laut dem Nachrichtenportal „Axios“ ist nicht nur die Eroberung von Kharg ein Teil der Optionen, die nun im Pentagon angedacht werden. Es gebe auch Pläne, die Inseln Larak und Abu Musa in der Straße von Hormus zu besetzen, heißt es unter Berufung auf die US-Regierungsquellen. Auf Larak hat der Iran Angriffsschiffe stationiert, die Öltanker attackieren könnten. Und die Insel ist mit Bunkersystemen befestigt. Auch Abu Musa ist ein wichtiger Außenposten des Iran. Die Insel liegt weiter südlich im Golf, bereits auf Höhe der Vereinigten Arabischen Emirate.
Um Inseln erobern zu können, brauchen die USA Soldaten am Boden. Landungseinheiten des Marine Corps sind bereits in die Region unterwegs. Zudem gibt es Berichte, dass demnächst auch Fallschirmjäger der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten verlegt werden. Insgesamt hat die Division rund 14.000 Soldaten.
Jetzt sollen – je nach Bericht – 1000 bis 3000 ihrer Soldaten in Richtung Iran in Marsch gesetzt werden. Aber unter ihnen soll sich auch der Kommandant der gesamten Division, Generalmajor Brandon Tegtmeier, und Teile seines Stabs befinden. Die Elitesoldaten der 82. könnten mit Fallschirmen über den Inseln abgesetzt werden oder mit Hubschraubern landen.
Zugleich könnten Marineinfanteristen losschlagen. Das US-Militär hat zwei sogenannte Marine Expeditionary Units in die Region entsandt. Insgesamt sind es rund 5000 Soldaten. Die Infanteristen des Marine Corps sind auf Amphibischen Angriffsschiffen unterwegs. Von dort starten Marines mit Landungsschiffen, Hubschraubern oder senkrecht startenden Kipprotor-Flugzeugen in den Einsatz. Zudem sind auf diesen Schiffen Kampfflugzeuge stationiert.
Die Fallschirmjäger und Marines, die die USA nun zusammenziehen, sind für einen Kampf gegen einen konventionell starken Gegner wie den Iran nur eine sehr kleine Bodentruppe. Sie könnten zwar mit massiver Luftunterstützung iranische Inseln einnehmen. Es könnte aber gerade bei Inseln, die nahe am iranischen Festland liegen, wie Larak oder Kharg, schwer werden, sie auf Dauer zu halten. Auch US-Militärexperten warnen bereits davor, dass ein solcher Einsatz am Boden riskant sei und wohl zu eigenen Verlusten führen würde.
Zugleich übt allein die Möglichkeit eines solchen Angriffs Druck auf Irans Regime aus. Das antwortet ebenfalls mit psychologischer Kriegsführung: Indem es mit seinen militärischen Vorbereitungen klar macht, dass eine Landung auf Kharg für die USA einen hohen Preis haben würde.