Eine schöne Nachricht aus dem Norden Deutschlands: Der vor Timmendorfer Strand auf einer Sandbank festsitzende Buckelwal hat sich in der Nacht zum Freitag befreit. Er konnte mithilfe einer Rinne, die ein Schwimmbagger ausgegraben hatte, ins tiefere Wasser schwimmen, wie der Biologe Robert Marc Lehmann am Morgen bestätigte. Der Wal sei weiter draußen in der Bucht gesichtet worden, sagte auch Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW).

Nun komme es darauf an, dass der 12 bis 15 Meter lange Meeressäuger im offenen Wasser bleibe und möglichst in die Nordsee schwimme, erklärte Lehmann, der am Tag zuvor zu dem Tier geschnorchelt war und versucht hatte, es durch die Rinne zu führen. Noch sei der Wal nicht in Sicherheit, betonte Lehmann. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.

Zuvor hatten Fotografen und Journalisten am Freitagmorgen das Wasser und den Horizont nach dem Meeressäuger abgesucht und das Tier nicht mehr entdecken können, sagte ein dpa-Reporter vor Ort. Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Tagelang wurde versucht, das Tier zu befreien. 

Bagger waren vor Timmendorfer Strand im Einsatz

Am Donnerstag hatte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zudem die Hilfe des Landes zugesagt. Sollte der Meeressäuger frei kommen – wie es inzwischen der Fall ist –, wolle Kiel etwa zwei Boote zur Verfügung stellen, um das Tier durch die Ostsee zu geleiten, berichtete ein dpa-Reporter vor Ort. Damit soll verhindert werden, dass er wieder strandet.

26.03.2026, Schleswig-Holstein, Timmendorfer Strand: Bagger arbeiten in der Nähe des gestrandeten Wals. Heute soll ein neuer Rettungsversuch für das Tier unternommen werden. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Zwischenzeitlich waren bis zu fünf Bagger im Einsatz, um den Großwal zu befreien.

© dpa/Daniel Bockwoldt

Bis in die Dunkelheit und bei Scheinwerferlicht hatten Einsatzkräfte noch am Donnerstag an der Rettung des Buckelwals gearbeitet. Doch auch dann musste der Einsatz erfolglos beendet werden. Dabei hatte es am Abend Momente der Hoffnung gegeben: Das Tier konnte immerhin ein Stück seine Position verändern, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Stundenlang waren zuvor Bagger im Einsatz, vom Wasser und vom Land aus. Ein schwimmender Schaufelbagger hob eine Rinne aus. Ein weiterer Bagger schuf sich vom Strand aus einen Damm, um dichter an das Tier zu gelangen.

Das ZDF hatte die Arbeiten und die Rettungsaktion im Livestream übertragen. In den Aufnahmen war zeitweise zu sehen, wie die Baggerschaufel dem Kopf des Tiers sehr nahe kam. Die meiste Zeit war Biologe Lehmann in einem Tauchanzug im Wasser, um den Großwahl zu beruhigen und dem Baggerteam Anweisungen zu geben.

Ein schwimmender Schaufelbagger trug direkt um das Tier herum Sand ab, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. In dem Livestream-Video waren zwischenzeitlich fünf unterschiedlich große Bagger zu sehen sowie auch Schlauchboote der Hilfskräfte und das Seenotretter-Schiff „Felix Sand“, das weit hinter dem festsitzenden Säuger die Seeseite absicherte.

In den Livestream-Aufnahmen war auch zu sehen, wie sich das Tier heftig bewegte. Bisweilen sah es so aus, als könnte sich der große Meeressäuger befreien.

Es ist noch Leben drinnen. Wenn ich ihn antippe, dann möchte er.

Meeresbiologe Robert Marc Lehmann über den Wal

Lehmann sagte der „Bild“-Zeitung am späten Donnerstagnachmittag, dass der Säuger mittlerweile Vertrauen zu ihm aufgebaut habe: „Der Wal vertraut mir jetzt, ist auch hoch motiviert, mitzumachen. Er hat jetzt auch die Angst vor mir verloren, was gut ist.“

Dem NDR bestätigte der Experte ebenfalls, dass der Meeressäuger motiviert, aber geschwächt sei: „Er reagiert, er hat beide Augen auf, er vokalisiert, aber er ist verdammt unsicher und er hat Angst. Aber: Es ist noch Leben drinnen. Wenn ich ihn antippe, dann möchte er.“

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Der Meeressäuger steckte im flachen Wasser fest. Die Begutachtung durch den Biologen am Donnerstagmorgen hatte ergeben, dass es um das Tier offenbar relativ gut stehe, sagte Walexpertin Groß.

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© imago/Susanne Hübner/IMAGO/Susanne Hübner, Susanne Huebner

Etwa jede Minute war zu sehen, wie der Wal atmete und eine kleine Fontäne von seinem Kopf in die Höhe spritzte. Gelegentlich ließen sich Seevögel nieder, die dem Wal etwas vom Rücken pickten. 

Nach Einschätzung der Organisation Sea Shepherd war der Wal zu schwach, um gezogen zu werden. Er hätte sich dabei verletzen können. Der Großwal wies demnach unter anderem starken Bewuchs in Folge einer Hautkrankheit auf.

Brummen des Großwals an der Ostseeküste weithin hörbar

Der Buckelwal war Montagmorgen auf der Sandbank vor Niendorf, einem Ortsteil von Timmendorfer Strand, entdeckt worden. Sein Rücken ragte aus dem Wasser und die brummenden Töne, die der Wal von sich gab, waren noch Hunderte Meter entfernt zu hören. 

25.03.2026, Schleswig-Holstein, Timmendorfer Strand: RECROP - Eine Möwe pickt mit ihrem Schnabel in die Haut des gestrandeten Wals im Wasser der Ostsee vor der Seebrücke am Hafen Niendorf. Die Polizei hat das Gelände abgesperrt, um das Tier nicht zu beunruhigen. Die Rettungsversuche dauern an. Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Immer wieder landen Möwen auf dem Rücken des Buckelwals – wie hier am Mittwoch.

© dpa/Marcus Brandt

Am Dienstag war ein Rettungsversuch mit einem kleineren Saugbagger gescheitert. „Leider hat sich herausgestellt, dass der Sand zu fest ist“, sagte Groß dazu. Bereits am Montag waren mehrere Rettungsversuche fehlgeschlagen.

Messungen hatten ergeben, dass der vor dem Ortsteil Niendorf liegende Buckelwal größer war, als zunächst angenommen: Er wiege geschätzt rund 15 Tonnen, sagte Joseph Schnitzler vom ITAW. Bei einem so massiven Tier sei es umso schwieriger, es wieder in tieferes Wasser zu bringen. Anders als in der Nordsee gibt es in der Ostsee auch keine deutliche Tide, die den Wal wieder in tieferes Wasser hätte spülen können.

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Möglicherweise handelte es sich bei dem gestrandeten Tier um denselben Wal, der sich vor zwei Wochen vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns bei Steinbeck in einem Fischernetz verfangen hatte. Eine Woche zuvor war im Hafen von Wismar ebenfalls ein größerer Wal gesichtet worden. (dpa, mira, lem)