rbb: 1976 wurde Ihr Ziehvater Wolf Biermann, der Lebensgefährte Ihrer Mutter Eva-Maria Hagen, ausgebürgert. Auf Wikipedia steht, Sie hätten die Chance genutzt und wären in den Westen geflohen. Aber ich dachte, Sie sind gegen Ihren Willen zwangsumgesiedelt worden?

Nina Hagen: Nein, beides stimmt nicht. Fakt ist, dass ich in Leipzig bei den Proben zu dem Musical „Cabaret“ war. Als Wolf nach einem Konzert nicht mehr heimgekommen und ausgebürgert worden ist, haben wir erst versucht, ihn wieder zurück zu erkämpfen. Das hat nicht geklappt, weshalb ich einen Ausreiseantrag gestellt und eingereicht habe.

Viele Menschen in der DDR haben versucht, mich davon abzubringen. Der Chef des DDR-Fernsehfunks, Heinz Adameck, hat mich noch in seine Chefetage eingeladen und mir eine eigene TV -Show angeboten. Ich wollte aber die Welt sehen. Ich wollte in den Westen. Ich sage immer, das Projekt des demokratische Sozialismus hätte vielleicht funktionieren können, wenn das Volk nicht wie in einen Vogelkäfig eingeschlossen worden wäre, sondern wenn es Reisefreiheit gehabt hätte.