Europas Wirtschaft leidet zunehmend an den Folgen des ausufernden Irankriegs. Die hohen Energiekosten hinterlassen allmählich Spuren, die Börsen haben seit Jahresbeginn an Wert verloren.

Dabei sei das Jahr für die Region durchaus positiv gestartet, konstatiert Armand Suchet, Fondsmanager Eleva Absolute Return Europe Fund, im Gespräch mit der „Presse“. Angesichts des Nahost-Konflikts hat Suchet sein Europa-Portfolio zuletzt aber angepasst. So stockte er bei Energietiteln und defensiven Aktien auf, wozu Unternehmen aus der Telekom- sowie der Versorgerbranche zählen. Aufgrund der oftmals stetigen und gut prognostizierbaren Cashflows gelten defensive Titel meist als weniger schwankungsanfällig an der Börse. Zu den Investments im Fonds zählen etwa der französische Mobilfunker Orange sowie die Deutsche Telekom.

Der deutsche Mobilfunker verdient zunehmend an künstlicher Intelligenz (KI). Erst vor wenigen Wochen beauftragte die Leibniz Universität Hannover den Konzern, Rechenkapazitäten für deren Forschungsprojekt SOOFI bereitzustellen. Bei dem Projekt geht es um die Entwicklung eines souveränen europäischen KI-Sprachmodells. Der Handynetzsparte der Deutschen Telekom soll künftig zudem ein KI-Assistent zur Seite stehen, um etwa Gespräche zusammenzufassen oder Simultanübersetzungen durchzuführen.

Suchet nennt weitere Beispiele: So stockte der Eleva-Experte auch bei Galp Energia SGPS auf. Der portugiesische Energiekonzern ist in der Exploration und Förderung von Erdgas und -öl tätig. 2025 sank der Umsatz im Jahresvergleich um fast neun Prozent auf 19 Milliarden Euro, der Nettogewinn legte hingegen um knapp acht Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu. Für heuer rechnet der Konzern mit weiterem Wachstum, insbesondere durch die Inbetriebnahme des Bacalhau-Projekts in Brasilien sowie neuer strategischer Partnerschaften etwa in Namibia.

Die größte Branchengewichtung entfällt im Fonds auf den Industriesektor, etwa mit Rolls-Royce Holdings. Der britische Konzern hat drei Geschäftssparten, zu denen allen voran die Verteidigung sowie der Bau von Triebwerken für die zivile Luftfahrt zählen. Während das Rüstungsgeschäft boomt, gibt sich Suchet ein wenig vorsichtig für die zivile Luftfahrt. „Aufgrund des Irankrieges hat sich das Angebot an Kerosin weltweit verknappt, das beeinträchtigt die internationale Luftfahrt.“ Dieser Umstand könnte auch die Nachfrage nach neuen Flugzeugen dämpfen.

Und dann gibt es noch eine dritte Sparte, die Suchet zuversichtlich stimmt, wenngleich sie nur einen geringen Anteil am Gesamtumsatz ausmacht: Die britische Firma entwickelt Mini-AKW, sogenannte Small Modular Reactors. Es handelt sich um eine relativ neue Technologie, die zunehmend nachgefragt wird, beispielsweise, um die wachsende Zahl an Rechenzentren mit Strom zu versorgen.

Auch im Bankensektor wird Suchet – selektiv – fündig. „Investmentbanken lassen wir derzeit außen vor“, relativiert er. Als Grund werden insbesondere die wachsenden Unsicherheiten rund um den Bereich Private Credit genannt, in diesem Geschäft mischen auch Investmenthäuser mit. In einigen Fällen wird jedoch die Rückzahlungsfähigkeit zunehmend angezweifelt, das macht Suchet Sorgen.

Stattdessen setzt der Eleva-Fonds auf ausgewählte Geschäftsbanken, etwa auf die italienische UniCredit, die spanische Caixa und die heimische Erste Bank. „Die Häuser verdienen nach wie vor an der Zinsspanne, die höher ist als noch vor einigen Jahren.“ Hinzu kommen besondere Entwicklungen am Markt. So hat etwa die UniCredit Mitte März ein freiwilliges Übernahmeangebot für die deutsche Commerzbank angekündigt. Derzeit ist die italienische Bank inklusive Finanzinstrumenten zu 29,9 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Bei der Erste Bank wiederum gefällt Suchet der jüngste Zukauf der polnischen Santander Bank Polska.

Zur Person

Armand Suchet ist seit 2015 Partner sowie leitender Portfoliomanager beim französischen Vermögensverwalter ELEVA Capital und managt den ELEVA Absolute Return Europe Fund (LU1920211973). 

Seine Karriere begann Suchet bei Rothschild & Cie in Paris. Weitere berufliche Stationen folgten bei CIBC und Sys & Co.

Damit der Sektor mit solchen Einzeltiteln nicht allzu hoch im Fonds gewichtet wird, verfolgt Suchet jedoch auch andere Ansätze. So setzt er mittels Derivaten ein wenig auf sinkende Kurse beim Euro-Stoxx-Banks-Index, auch da ihn einige Bankenaktien in Europa derzeit nicht überzeugen. Doch auch beim Euro-Stoxx-600 setzt der Eleva-Experte mit Derivaten auf mögliche Rücksetzer. Auf diese Weise sollen gröbere Schwankungen im Fonds ein wenig geglättet werden, im aktuellen Umfeld kann das durchaus sinnvoll sein. Verluste sind jedoch auch bei diesem Fonds möglich.