
AUDIO: Crash Pipe von Holzinger und mehr beim Kunstverein Hannover (4 Min)
Stand: 27.03.2026 14:13 Uhr
Am Sonnabend eröffnet der Kunstverein Hannover eine befahrbare Halfpipe-Skulptur der Österreicherin Florentina Holzinger. Im Haus loten Werke weiterer Künstlerinnen und Künstler aus, wem der öffentliche Raum gehört.
Vor dem Kunstverein ist eine acht Tonnen schwere Halfpipe aus Metall aufgebaut – flankiert von zerbeulten Autos, die sich wie bei einem Massen-Unfall übereinander schieben. „Crash Pipe“ heißt das Werk von Performancekünstlerin Florentina Holzinger. Es wirft die Frage auf, wem der öffentliche Raum gehört.
Befahrbare Halfpipe von Florentina Holzinger in Hannover
Die befahrbare Skulptur knüpfe an eine hannoversche Tradition an, sagt der Direktor des Kunstvereins Hannover Christoph Platz-Gallus. „Hannover hat die höchste Dichte von Kunst im öffentlichen Raum in ganz Deutschland. Natürlich sind diese Arbeiten häufig Skulpturen. Objekte, mit denen man wenig interagiert“, erklärt Platz-Gallus. Das Werk von Holzinger sei eine Art benutzbare Skulptur.

Die Inszenierung der Performance-Künstlerin beim Sommerfestival auf Kampnagel ist spektakulär, wirft aber auch viele Fragen auf.
„Stufen zur Kunst“ von Jenny Brosinski aus Celle
Wer die Inliner auszieht, kann mit Treppensteigen weitermachen. „Stufen zur Kunst“ heißt die Reihe im Treppenhaus des Kunstvereins, die Jenny Brosinski präsentiert. Die Wände hat die aus Celle stammende Malerin streichen lassen und darauf punktuell Farbfelder gesetzt. In der Mitte hängt eine Mobilé-Skulptur aus Metallstreben, die an ein lächelndes Gesicht denken lässts, wenn sie aus oberen Stockwerken betrachtet wird. Wer von weiter unten schaut, wird an den Kopf eines Tieres erinnert.
Die Skulptur ist aus verschiedenen Arten von dreidimensionalen Linien zusammengesetzt. Sie eröffne und beeinflusse Blickachsen, sagt der Direktor. „Die Gesamtarbeit hier ist mit viel Wandmalerei konzipiert. Man geht um diese Linien-Skulptur herum. Wir sehen deswegen einige gelbe, blaue, pinke, orangefarbene Flecken und Linien, die sich dann wiederum leicht verändern.“

Kunstkritikerin Larissa Kikol darüber, wie Mutterschaft in der Kunstwelt gesehen wird und was Mütter ausbremst – ein Gespräch.
Postvandalistische Kunst in „Under the Milky Way“
Vom Treppenhaus geht es in die neue Ausstellung „Under the Milky Way“. 19 künstlerische Positionen thematisieren den Postvandalismus. Die Kunstströmung lotet die Grenze zwischen Kunst im öffentlichen Raum und etablierter Kunst aus, zwischen Graffiti und abstrakter Malerei etwa.
Die meisten der Ausstellenden haben sehr lange auf der Straße gearbeitet und gemalt, erzählt die Kuratorin Larissa Kikol. „Wir haben das so kuratiert, dass wir verschiedene Szenen und künstlerische Haltungen haben. Viele gehen in die abstrakte Malerei und lösen sich von den Buchstaben. Andere behalten Spuren aus dem Graffiti oder von der Straße bei“, erklärt Kikol.
Mischen, was nicht zusammen passt
Christoph und Sebastian Mügge aus Schweden plakatieren gerade eine Wand. Wie ein riesiges Mosaik setzen sie die Reste abgerissener Aufkleber aus verschiedenen Ländern zusammen. Überschriften und Symbole kommentieren die aktuelle Politik oder weisen auf Veranstaltungen hin. Der Fußballverein Hannover 96, die Chaostage oder das Schützenfest sind dabei in Hannover immer wieder Thema, sagt Christoph Mügge.
„Schützen, Punks und auch Fußballfans haben alle ihre starren Regeln: Sie sind sich eigentlich ähnlich. Nur, dass es andere Regeln sind. Wir fanden es lustig, etwas miteinander zu mischen, was man so sonst nie vermischen würde“, betont er.
Die neuen Arbeiten vor und im Kunstverein Hannover schärfen den Blick der Betrachtenden für den öffentlichen Raum – für seine Ästhetik, seine Nutzbarkeit. Und sie zeigen, wie Graffiti und Street-Art zu neuen Kunstrichtungen führen.

Höhepunkte des Festivals in Hannover sind im Juni Theaterwanderungen sowie das neue Stück von Florentina Holzinger.

Die Hüllen fallen. Auf der Theaterbühne, sogar im Museum weiß man Nacktheit längstens zu nutzen. Claudia Christophersen hat dazu eine klare Meinung.

Der Sprayer wird von Unternehmen gebucht. Für den Energieanbieter EWS ist Jonathan Sachau in Bad Segeberg unterwegs.

In „Sancta“ widmet sich Choreografin Florentina Holzinger dem Spannungsfeld Frau, Sex und katholische Kirche.

Das Publikum feierte im Mai 2025 die Uraufführung der Oper von Florentina Holzinger. Nun hat ein Kunstmagazin die Choreografin zur einflussreichsten Künstlerin 2024 gekürt.

Florentina Holzinger: Acht Tonnen „Crash Pipe“ in Hannover
Die befahrbare Skulptur der Österreicherin und Werke anderer Künstler im Kunstverein loten die Frage aus: Wem gehört der öffentliche Raum?
Datum:
28.03.2026, 12:00 Uhr
Ende:
31.05.2026
Ort:
Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
30159
Hannover
Hinweis zum Termin:
Ein Teil der Ausstellung ist bis 31.12.2026 zu sehen.