Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
die Welt brennt zurzeit an mehreren Enden gleichzeitig. Unvermindert erbarmungslos attackiert Russland die Ukraine, die sich weiter tapfer zur Wehr setzt. Und nun hat US-Präsident Donald Trump mit dem Krieg gegen die Mullahs im Iran ausgerechnet dort die Fackel angesetzt, wo politisch und durch die enormen Vorkommen an Öl und Gas immer und jederzeit der Flächenbrand droht.
Die Ölversorgung der industrialisierten Welt hängt an der Meerenge von Hormus, die derzeit vom Iran blockiert wird. Hunderte Öltanker liegen dort schwer beladen vor Anker und kommen nicht vom Fleck. Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat bereits gesagt, was das im April bedeuten könnte, wenn es so bleibt. Aus den Zapfpistolen der deutschen Tankstellen flösse der Sprit nicht mehr, er tröpfelte nur noch.
Einen „Ausflug“ hatte Donald Trump angekündigt. Das sollte nach Spaziergang klingen. Jetzt steckt er dort fest. Hat sich der US-Präsident im Nahen Osten ebenso verrechnet wie Wladimir Putin vor vier Jahren in der Ukraine? Hat die amerikanische Administration überhaupt noch einen Plan, und wenn ja: welchen? Wie passen Trumps markige Worte mit den realen Vorgängen im Kriegsgebiet zusammen? Was bedeutet dieser Krieg für den Zusammenhalt der Nato und den Abwehrkampf der Ukraine?
Es gibt in Deutschland nur wenige Gesprächspartner, die solche militärstrategischen Fragen so kompetent, pointiert und reflektiert beantworten können wie die Politikwissenschaftlerin Claudia Major. Sie sortiert für uns, meine Kollegin Christin Brauer, mich und alle Hörerinnen und Hörer, das diffuse Geschehen am Persischen Golf und dessen geopolitische Auswirkungen. Beim Dechiffrieren und Ausdeuten des sprunghaften amerikanischen Präsidenten, so viel sei verraten, stößt jedoch selbst eine so messerscharfe Analytikerin wie die Sicherheits- und Verteidigungsexpertin Major an ihre Grenzen, wie sie im Gespräch einräumt.
Ich wünsche Ihnen trotz oder gerade wegen der derzeit turbulenten Weltläufte ein geruhsames und erholsames Wochenende. Nächste Woche ist Florian Harms an dieser Stelle wieder für Sie da.
Christoph Schwennicke, Politikchef t-online