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New York (USA) – Lady Gaga ist nicht nur einfach eine verdammt gute Sängerin. Sie ist seit den 2000er-Jahren die Hohepriesterin des Pop, eine Ikone. Aktuell ist sie auf Welttournee, jedes Konzert ausverkauft. Das war nicht immer so: Bei Lady Gagas erstem Auftritt außerhalb Amerikas gingen die Leute in Scharen raus – ausgerechnet in Berlin.
Einer erinnert sich ganz besonders daran: Star-Designer Michael Michalsky (59). Er entdeckte Lady Gaga und ihre Musik 2007 in New York und war sofort fasziniert von ihr. So sehr, dass er sie als Musik-Act für seine Fashion-Show buchte. Kurz danach begann ihre Weltkarriere.

Aus seinem Privatarchiv: Designer Michael Michalsky (heute 59) mit Lady Gaga bei einer Party in Los Angeles
Foto: Privat
Unglaublich, dass Stefani Germanotta, wie Lady Gaga eigentlich heißt, erst 40 Jahre alt wird, wenn man bedenkt: Es fühlt sich an, als wäre sie schon immer da gewesen. Natürlich ist das eine gewagte Zeitdefinition für eine Karriere, die gerade mal seit 18 Jahren jenseits der US-Grenzen wahrgenommen wird. Doch der Einfluss, den die Sängerin seither auf Menschen weltweit hat, wird auch noch viele Generationen überdauern.
Beim ersten Auftritt in Berlin lief die Hälfte raus
Dass Michael Michalsky Anteil an Gagas Weltkarriere hat, will er nicht hören. „Ich habe sie nicht entdeckt“, sagt er zu BILD, „aber ich war vermutlich der Erste außerhalb der USA, der ihr eine Bühne gegeben hat.“ 2008, bei Michalskys Modenschau während der Berliner Fashion Week.

Die Sängerin und der Designer blieben all die Jahre in Kontakt und wurden Freunde. Hier feiern sie nach Gagas erstem Konzert in Berlin im Jahr 2009
Foto: Privat
Als sie dort über den Laufsteg schritt, hörten die Fotografen auf zu knipsen. Niemand wusste, wer sie war. Auf der After-Show-Party lief es ähnlich ab, so Michalsky weiter. „Als sie auf die Bühne kam, ging ungefähr die Hälfte der Gäste raus – es war ein warmer Sommerabend. Die andere Hälfte blieb. Das werde ich nie vergessen.“ Wenige Wochen später hatte Lady Gaga ihren ersten Welthit.

Jeder Auftritt von Lady Gaga ist eine Inszenierung, eine Premiere, ein epochales Ereignis. Hier zeigt sie sich 2019 auf dem roten Teppich der berühmten MET-Gala in New York
Foto: EPA
Lady Gaga wurde mit 19 vergewaltigt
Schon zu Beginn ihrer Laufbahn sang Lady Gaga in den verrauchten Nachtclubs New Yorks nicht für die Schönen und Reichen, sondern für die Randfiguren, die Versehrten, die Suchenden.

Als Lady Gaga noch Stefani Germanotta war: Bei ihrer Erstkommunion in New York
Foto: hgm-press
Vielleicht, weil sie selbst früh gelernt hatte, wie sich Ausgrenzung anfühlt. Das Mädchen mit der markanten Nase und dem übergroßen Ehrgeiz und den künstlerischen Sehnsüchten wurde verspottet, belächelt, an den Rand geschoben.
Lady Gaga wusste, wie es ist, nicht dazuzugehören; wie es ist, als zu viel oder zu wenig zu gelten: zu laut, zu seltsam, zu empfindlich, zu anders.
Ihr Weg zum Erwachsensein war zum Teil grausam gepflastert: Mit 18 zog sie von zu Hause aus, war Gogo-Tänzerin, nahm Drogen. Ihr Vater brach deshalb den Kontakt zeitweilig ab. Mit 19 Jahren wurde sie von einem Musikproduzenten vergewaltigt. „Er setzte mich schwanger an einer Ecke bei meinen Eltern ab“, erzählte sie vor einigen Jahren in einem Interview. Seinen Namen wollte sie nicht nennen. „Ich will dieser Person nie wieder begegnen“, stellte sie im Interview klar.

Ihre Wurzeln hat Stefani auch als Lady Gaga nie vergessen und lässt ihre Familie an ihrem Erfolg teilhaben. Bei der Oscar-Verleihung 2019 feiert sie ihre Auszeichnung für den besten Filmsong („Shallow“ in „A Star is Born“) zusammen mit ihren Liebsten: Mama Cynthia (l.), Papa Joseph und Schwester Natali Germanotta (r.)
Foto: Getty Images
Vielleicht wurde sie auch deshalb zur Schutzpatronin all jener, die im Sportunterricht zuletzt gewählt wurden und im Leben oft auch. Dass Lady Gaga längst Legenden-Status hat, liegt vermutlich auch in ihrer Art. Sie ist immer freundlich – ganz egal ob zu Fans, Behörden oder dem BILD-Reporter.

Lady Gaga mit BILD-Reporter Tobias Render 2019 bei der Musik-Konferenz „Universal Inside“ in Berlin
Foto: Privat
Ihre Musik spendet der ganzen Welt Trost
„Just Dance“, Gagas erster globaler Popsong, wird bis heute als Hymne verehrt. Die Tanzfläche wurde eröffnet als Ort der vorübergehenden Erlösung. Wer draußen nicht dazugehören durfte, wer sich im Alltag klein gemacht fühlte, durfte hier exzessiv werden. Gaga verstand früh, was große Popfiguren verstehen müssen: dass ein Refrain manchmal mehr Trost spendet als eine Predigt in der Kirche.
Längst wirkt sie auch weit über die Pop-Welt hinaus. Als sie in „A Star is Born“ ihr weltweit gefeiertes Kino-Debüt gab, stellte man verblüfft fest: Verdammt gut schauspielern kann sie also auch noch!

Szene aus „A Star is Born“: Lady Gaga mit Film-Partner Bradley Cooper (51)
Foto: imago/ZUMA Press

Lady Gaga mit ihrer großen Lebensliebe Michael Polansky (42). Gagas Mama hat die Künstlerin und den Unternehmer verkuppelt, noch 2026 soll geheiratet werden
Foto: Kevin Mazur/Getty Images for The Recording Academy
Während andere noch mit kalkulierter Provokation hantierten, war Gaga in ihrer sexuellen und ästhetischen Radikalität längst weiter. Wo Katy Perry ein Mädchen küsste und es gefällig fand, hatte Gaga den Mantel der konventionellen Eindeutigkeit schon an der Garderobe abgegeben. Ihr Pop war von Anfang an überbordend, pansexuell, schamlos im besten Sinne.
Vielleicht ist das das Schönste an dieser Karriere: Lady Gaga ist nicht die müde Verwalterin ihres eigenen Mythos geworden, sondern dessen immer neue Erfinderin.