Stand: 28.03.2026 13:00 Uhr
Ein Stadtviertel bangt um ein Wandbild: Die Grindelkatzen in Hamburg-Harvestehude werden wegen einer Sanierung übermalt. Während Anwohner per Petition für den originalgetreuen Erhalt des Werks kämpfen, plant die SAGA eine Modernisierung des Motivs.
In Hamburg kennt die 20 Meter hohe Malerei an der Wand eines Mietshauses in Harvestehude wahrscheinlich fast jeder. Sie zeigt eine sitzende Katze, die einen direkt anguckt und eine schlafende. Im Hintergrund sieht man die Außenalster und die Silhouette Hamburgs.
Kunstwerk „Das Fenster“: 1993 neu gemalt
Mit „Das Fenster“, so der Titel des Kunstwerks, identifizieren sich viele Menschen im Viertel. Geschaffen hat es der Künstler Hans-Gustel Agné im Jahr 1982. 1993 wurde es mit einer neuen Fassung übermalt – und jetzt steht wieder eine Veränderung an. Das Bild wird eingerüstet, denn das Gebäude soll komplett saniert werden.

Letzter Blick auf das Original: Während das Gerüst wächst, plant die SAGA eine neue Version des Wandbildes.
Wenn man Anwohnerinnen und Anwohner auf die Arbeiten anspricht, reagieren viele emotional. „Ich hoffe, das Bild bleibt“, sagt eine Frau. „Denn immer, wenn man dran vorbeiläuft, weiß man: hier wohne ich, hier fühlen wir uns wohl.“ Ein Anwohner meint: „Das Kunstwerk ist eine Hamburgensie, ziert ganz ohne Text und in seiner vollen Schönheit diese eigentlich hässliche Brandmauer. Ich fände es sehr schade, wenn es nicht wiederhergestellt würde.“
„Ich liebe diese Katzen – ein Jammer, wenn sie wegkommen“
Ein Ladenbesitzer erzählt: „Man hat nur gehört, die Katzen kommen jetzt weg – und keiner wusste, wieso, weshalb, warum. Ich finde es absolut schade, dass man nicht öffentlich darüber spricht, was die Beweggründe dafür sind.“ Eine weitere Anwohnerin bringt es so auf den Punkt: „Ich liebe diese Katzen. Ich finde es einen Jammer, wenn die wegkommen.“
Um die Katzen zu retten, haben Anwohnerinnen und Anwohner die Petition „Rettet die Grindelkatzen!“ gestartet. Denn die Angst ist groß, dass die Katzen nach der Sanierung nicht wiederkommen – oder zumindest nicht in gleicher Form.
Hausbesitzer SAGA: Interview abgesagt
Viele sind misstrauisch, was die Pläne der SAGA angeht, der das Haus gehört. Weder das Gebäude noch das Bild sind denkmalgeschützt. Obwohl es Vorgespräche gab, sagte das städtische Wohnungsunternehmen einen lange geplanten Interviewtermin mit dem NDR kurzfristig ab. „Es ist wenig verständlich, warum sich der Bauherr, der hiermit mal etwas Positives in den Medien haben könnte, sich dazu nicht äußert“, sagt ein Anwohner zur Kommunikationsstrategie der SAGA.
Was die SAGA wissen ließ: Sobald das Gerüst steht, verschwinden die Katzen hinter einer Folie. Dann sollen sie übermalt werden, unter Anleitung des inzwischen 79-jährigen Künstlers. Hans-Gustel Agné ist Architekt und Schiffsdesigner, offenbar mit einem Faible für Katzenbilder. Bei der neuen Version soll das Motiv modernisiert werden, so dass auch die Silhouette Hamburgs leicht angepasst wird. Das neue Bild soll Anfang nächsten Jahres enthüllt werden – was die SAGA jetzt noch einmal bestätigt hat.

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