Opernkritiken
bestehen in der Regel darin, dass viel über die Inszenierung geschrieben wird
und wenig über die Musik. Wenn die Sängerinnen und Sänger Glück haben, werden
sie mit mehr bedacht als mit schütterer Namensnennung und einem Adjektiv, und
was so gut wie nie vorkommt (neben dem Chor, aber der gehört zur Musik), ist
das Kostümbild. Was tragen die Figuren auf der Bühne und warum? Naziuniformen,
Alltagsklamotten, Fantasyfummel?
Auf den
diesjährigen Salzburger Osterfestspielen muss über die Kostüme gesprochen
werden, denn sie erzählen alles über diese wahrhaft Augen öffnende
Neuinterpretation von Richard Wagners Rheingold. Dem so umfangreichen wie verwirrenden
Besetzungszettel nach ist zwar nicht ganz klar, wer all die irren Masken,
Kopfputze und Körperskulpturen entworfen hat – Kirill Serebrennikow, der
Regisseur, hat definitiv überall seine Finger mit drin, daneben gibt es mit
Slavna Martinovic eine Co-Kostümbildnerin, und für Loge, den Feuergott, und
seine Behausung ist Shalva Nikvashvili verantwortlich –, aber vielleicht kann
einem das auch egal sein. Am Ende kommt ein stofflich-mythisches
Gesamtkunstwerk dabei heraus, ganz wie bei Wagner, und da macht immer
einer alles (nämlich er selbst), und viele machen vieles.