Hermann Hauser: Nein. Wir haben ja auch Aleph Alpha und Mistral, also zwei europäische Firmen, die mitmischen. Sie haben im Augenblick nicht denselben Status wie ChatGPT oder Anthropic. Das sind derzeit die führenden Anbieter, dazu kommen DeepSeek und Qwen von Alibaba. Aber der große Vorteil bei künstlicher Intelligenz ist: Das Rennen ist noch nicht einmal zur Hälfte gelaufen. Es gibt noch viele Hürden, die zu überwinden sind. Eine der wichtigsten ist, dass diese Large-Language-Modelle und die dahinterliegenden sogenannten Scaling Laws im Augenblick einen klaren Trend zeigen: Sie arbeiten auf eine Asymptote zu, an der diese Scaling Laws einfach nicht mehr funktionieren. Was sind also die Ideen für den nächsten großen Schritt, den nächsten großen Durchbruch? Die meisten Leute erwarten eine Kombination von Modellen, also einen physikbewussten Ansatz. Wir haben durch die Wissenschaften sehr viel Wissen errungen, von dem wir genau wissen: Dafür brauche ich keine Wahrscheinlichkeit. Wenn ich mein iPhone loslasse, fällt es wegen der Gravitation hinunter. Dafür brauche ich kein probabilistisches Modell und auch nicht viele Beispiele, damit es lernt, dass Dinge hinunterfallen. Ich weiß das einfach. Wenn solche Ideen wie Newtons Gesetze eingebaut werden können, dann muss ich das nicht probabilistisch machen, sondern kann es über ein sogenanntes Weltmodell abbilden. Und da ist es natürlich besonders erfreulich, dass Yann LeCun jetzt nach Europa zurückkommt. Er ist einer der führenden Forscher der Welt auf diesem Gebiet. In diesem Sinn haben wir eine gute Chance, auch weil viele Spitzenforscher in der Welt Europäer sind: Demis Hassabis von Google-DeepMind, Yann LeCun oder Geoff Hinton, dem für seine Arbeiten zur KI 2024 der Nobelpreis verliehen wurde – und sie kommen eben auch nach Europa zurück.