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Wann nennt ein Museum schon seine eigene Ausstellung „Skandal!“? Die Alte Nationalgalerie in Berlin macht’s. Mit einem schaurigen Gemälde, das Kunst-Deutschland vor fast 140 Jahren schockierte. Titel: „Mors imperator“. Der Tod ist der Herrscher. Ein Skelett im Hermelin. Die Krone stürzt zu Boden, der Thron wackelt. Ein Knochenfuß steht auf der Weltkugel. Die Botschaft: Der Tod besiegt auch die Mächtigsten.
1887 lehnt es die Königliche Kunstakademie in Berlin ab, das Werk der in Darmstadt geborenen Hermione von Preuschen (1854 bis 1918) auszustellen. Begründung: Es sei eine bösartige Anspielung auf den baldigen Tod des damals 90 Jahre alten Kaiser Wilhelm I. und quasi Majestätsbeleidigung.
Hermione holt sich die Erlaubnis des greisen Wilhelm, der sich ein Foto des Gemäldes angeschaut hat. Der Geheime Cabinets-Sekretär schreibt am 27. Juli 1887, dass der Kaiser nichts gegen eine öffentliche Ausstellung habe. Die Akademie verweigert sie erneut. Jetzt wegen des „schiefen Gedankens“ des Bildes.
Die selbstbewusste Malerin mietet sich einen Geschäftsraum mitten in der Hauptstadt und nimmt 50 Pfennig Eintritt fürs Gruseln. Halb Berlin schaut vorbei. Der Kaiser stirbt ein Jahr später. Sein kranker Sohn Friedrich Wilhelm regiert nur 99 Tage und Wilhelm II. übernimmt.„Mors imperator“ wird 1892 an einen Schweizer Sammler verkauft und verschwindet in Privatbesitz – bis es jetzt in der Nationalgalerie (bis 15.11.) auftaucht.