
AUDIO: Ein Klangepos der Erlösung: „Messias“ neu erblüht im Barockklang (4 Min)
Stand: 29.03.2026 06:00 Uhr
Schulden, Krankheit, schlechte Kritiken – für Georg Friedrich Händel lief es in London nicht rund, sodass er in den 1740er-Jahren gerne eine Einladung nach Dublin annahm. Dort schuf er seinen „Messias“. Das Irish Baroque Orchestra und der Irish Baroque Choir das Oratorium jetzt neu eingespielt.
Schlank, transparent und mit vielen schnellen Tempi – so präsentiert sich die Interpretation, ganz typisch für Aufführungen des 21. Jahrhunderts. Die historisch informierte Aufführungspraxis hat dieses monumentale Werk der Musikgeschichte längst von seinem einstigen Klangideal befreit. Auch mit dem Irish Baroque Orchestra und dem Irish Baroque Choir wirkt Händels „Messias“ frisch und lebendig.
Leiter Peter Whelan folgt dabei dem „Step-Out-Prinzip“, ein im Barockzeitalter durchaus üblicher Umgang mit Besetzungsfragen. Sängerinnen und Sänger treten aus dem Irish Baroque Choir hervor und überzeugen auch in den Solopartien. Nach ihrer Arie voller jubelnder Koloraturen kehrt die Sopranistin Hilary Cronin wieder ins Ensemble zurück.
Wie ein Gespräch in der Menge
In Händels „Messias“ wird die Erlösung durch Jesus Christus anhand von Bibeltexten reflektiert. „For unto us a child is born“ erscheint hier wie ein Gespräch in der Menge, da die individuell geführten Stimmen erkennbar bleiben. Im wahrscheinlich bekanntesten Satz dieses Werks verbinden sich die einzelnen Stimmen zu einem organisch austarierten Chorklang, der dennoch nicht glattpoliert wirkt.
Volksliedhafte Melodien voller Gefühl
Dadurch entsteht häufig der Eindruck einer Erzählung, obwohl dieses Oratorium keiner Handlung folgt. Händel verarbeitet große religiöse Themen in eingängigen, oft geradezu volksliedhaften Melodien. Seine Musik ist dabei zugleich kunstvoll und unmittelbar verständlich.
Die für diese Kompositionen so typischen Affekte setzt das Irish Baroque Orchestra stilsicher um. „He was despised“, er wurde verachtet, beginnt nicht mit einer dramatischen Geste, sondern eher zögerlich, und bereitet so die Stimmung der Alt-Arie vor, die Helen Charleston zu Beginn wie einen inneren Monolog gestaltet. Im weiteren Verlauf der Takte verändert sich die Stimmung: Mit spannungsgeladener Harmonik und unerbittlich scharf punktierenden Streichern illustriert Händel die Schläge der Geißelung.
Das Konzert von 1742: Ein Erlebnis für alle
In der Ankündigung zum Konzert im Jahr 1742, das wohltätigen Zwecken dienen sollte, baten die Veranstalter im „Faulkner’s Dublin Journal“ die Damen darum, auf Reifröcke zu verzichten, und die Herren, ihre Degen zuhause zu lassen. Möglichst viele sollten die Uraufführung von Händels „Messias“ miterleben. Rund 700 Menschen kamen und waren – das ist ebenfalls überliefert – überwiegend begeistert. Die Musik entfaltet bis heute ihre Wirkung – wie diese neue Aufnahme eindrucksvoll zeigt: mitreißend musiziert und ganz nah dran an dem, was dieses Werk seit jeher ausmacht.

Messias
Georg Friedrich Händel
Genre:
Klassik
Zusatzinfo:
Hilary Cronin, Helen Charlston, Alexander Chance, Nathan Mercieca, Irish Baroque Choir, Irish Baroque Orchestra, Peter Whelan
Label:
Linn
Bestellnummer:
0691062076128
Veröffentlichung:
27.03.2026
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