BAP-Sänger wird 75 Jahre
Kölsch-Rocker Wolfgang Niedecken blickt auf sein Leben zurück
29.03.2026 – 11:40 UhrLesedauer: 5 Min.
Wolfgang Niedecken (Archivbild): 1976 gründete er die Kölschrock-Band BAP. (Quelle: Oliver Berg)
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1xArtikel teilen
Der BAP-Sänger Wolfgang Niedecken steht kurz vor seinem 75. Geburtstag. Er blickt zurück auf sein Leben als Musiker und Kölner in seiner Heimatstadt.
Die Severinstraße ist Wolfgang Niedeckens Penny Lane. So wie die Liverpooler Straße ein zentraler Treffpunkt in der Jugend von John Lennon und Paul McCartney gewesen ist, so drehte sich bei dem späteren BAP-Sänger alles um die zentrale Ader der Kölner Südstadt.
Wenn man jetzt mit ihm hier hergeht, dann sieht er immer auch eine untergegangene Welt, die in der Realität nicht mehr existiert, aber in seinem Kopf noch sehr präsent ist. Und in diesen Tagen gibt es einen aktuellen Anlass für einen Blick in den Rückspiegel: Am Montag (30. März) wird Wolfgang Niedecken 75 Jahre alt.
So verbrachte der Kölner Musiker Wolfgang Niedecken seine Kindheit
Hier war früher das und das, hier wohnte der und der, sagt er in einem fort. Er hat sogar noch die Gerüche von damals in der Nase. Zum Beispiel den merkwürdigen Mix, der aus der süß-herben Maische der Reissdorf-Brauerei und dem bitteren Rohkakao der Schokoladenfabrik Stollwerck entstand.
Seine Kindheit spielte sich in zwei bis drei Häuserblöcken ab. Er zeigt auf eine Bäckerei: „Da arbeitete meine Mutter, bevor sie meinem Vater übern Weg lief.“
Gleich im allerersten Haus der Straße ist er aufgewachsen. Die Fassade des Gründerzeithauses ist – typisch für Köln – bis zum ersten Stock verkachelt. „1973 bin ich in der Türkei gewesen, ziemlich lang, und da haben meine Eltern die Gelegenheit genutzt und unten den erhaltenen Stuck abgeschlagen“, erzählt er der Deutschen Presse-Agentur. „Sobald ich wieder da war, hab‘ ich natürlich gesagt: Hört mal, seid ihr wahnsinnig geworden?“ Doch seine Eltern hielten ihm auf Kölsch entgegen: „Ja, du muss jo och nit dofür sorjen, datt dä Jievel sauber blieht.“ (Du bist ja auch nicht derjenige, der dafür sorgen muss, dass der Giebel sauber bleibt.)
Niedeckens Zuhause ist heute ein Reisebüro
In dem Ladenlokal ist heute ein Reisebüro. Doch wenn Niedecken hineinschaut, sieht er etwas anderes: zwei im rechten Winkel zueinander stehende Tiefkühltruhen. Eine rote Wurstschneidemaschine. Eine elektrische Kaffeemühle. Keksdosen, Zuckersäcke, Sauerkraut-Fässer. Und dazwischen ein kleiner Mann im grauen Kittel: Josef Niedecken, Inhaber des gleichnamigen Lebensmittel- und Feinkostgeschäfts. Sein Vater.
Wenn er nicht zur Schule musste, fuhr er morgens mit ihm in die Markthalle. Das Größte aber war, ihn zum Hafen zu begleiten. Das war die ganz große Welt. „Mein Reisefieber überkam mich damals schon.“ Wer ihm heute auf Instagram folgt, bekommt den Eindruck, dass er fast jeden Tag in einer anderen Stadt ist.
Kölsch-Rocker packte schon früh das Reisefieber
Der Rhein war für ihn das Symbol der Ferne. Die Poller Wiesen auf der anderen Seite, die Schiffe. Stundenlang stand er mit seinen Freunden auf der Südbrücke und schaute den tuckernden Frachtern nach. In die eine Richtung fuhren sie auf die Berge zu, in die andere zum Meer. Wenn die Züge über die Brücke rollten, träumte er davon, auf die Bremserhäuschen aufzuspringen und irgendwo in China oder Indien wieder wach zu werden.
