Eine neue Sonderausstellung zeigt verschiedenen Perspektiven der Kunst auf die Wolken.Sie werden etwa als Symbole von Wandel und Dynamik gedeutet. Neben Gemälden sind zum Beispiel Lichtinstallationen und ein Wandteppich einer Bauhaus-Künstlerin zu sehen.
Gleich am Eingang der Ausstellung führt die Ausstellung in ihr Thema ein: Ein mit Himmel und Wolken bedruckter Fransenvorhang ist da zu sehen, der von der Künstlerin Anna Grath stellenweise zusammengebunden wurde, so dass dahinter die weiße, kahle Wand zum Vorschein tritt. „Cumulus Virga“ heißt dieses Werk, erklärt Kurator Thomas von Taschitzki. Es sei „ein meteorologischer Fachbegriff für eine besondere Cumulus-Wolkenformation. Das kennen Sie alle, wenn Gewitterwolken so vorhangartig von weitem zu sehen sind.“
Fluffig leicht kommen diese und andere erste Wolkendarstellungen daher. Es sind weiße Gebilde vor babyblauem Hintergrund. Im Laufe der Jahrhunderte ändert sich die Farbgebung in den Werken. In romantischen Landschaftsstudien aus dem 19. Jahrhundert folgen auf helle, gelbstichige Wolken grau-schwere Gewittergebilde.
Wolken als Symbole des Wandels
Der Wandel, den Wolken vollziehen, mache die Bilder lebendig, erklärt Thomas von Taschitzki: „Wolken sind in diesen Landschaftsgemälden oft ein ganz wichtiges Mittel des Transitorischen, des Übergehenden.“ Sie zeigen Wetterzustände, die im Übergang begriffen seien, und die eine enorme Dynamik in sich trügen.
Auch Ölgemälde von Romantikern wie Carl Spitzweg oder Andreas Achenbach sind in der Schau versammelt. Sie hängen direkt neben zeitgenössischen LED-Lichtboxen von Hiroyuki Masuyama. Dieser Künstler greift Werke von Caspar David Friedrich auf und inszeniert sie neu mit fotografischen Mitteln.
Romantik neben zeitgenössischen LED-Installationen
Der japanische Künstler holt die Romantik so in die Gegenwart. Für die Leiterin der Erfurter Kunstmuseen, Elke-Anna Werner, ist diese Anordnung der Kunstwerke weitaus sinnvoller, als sie chronologisch zu sortieren: „Wir haben Themen, die gebündelt sind in den Räumen, die dann intensiv in bestimmte Fragestellungen hineinführen.“ Dies führe zu einem Wechselspiel zwischen angenehm-netten oder drängenden Themen – eine intensive Erfahrung.
„Erhabene“ Wolken wechseln sich ab mit „überirdischen“ Wolken. Nur wenige Schritte entfernt erwarten das Publikum „menschengemachte Wolken“. Schließlich können diese Ansammlungen von feinen Wassertröpfchen auch Unheil mit sich bringen.
Thomas von Taschitzki erklärt den Hintergrund der Arbeit „Dirty Minimal 70.1“ der Künstlerin Almut Linde. Die zeige in einem vier-minütigen Video das Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf bei Grevenbroich: „Man sieht wunderschöne Wolken vor blauem Himmel und denkt zuerst, was für ein schöner, dynamischer Himmel.“ Dann fahre die Kamera herunter und ein Schornstein werde sichtbar. Es werde klar: „Das sind alles Abgase und dieses Kraftwerk war zu dem Zeitpunkt, als der Film entstanden ist, jenes mit den höchsten Emissionen in Deutschland.“
Bauhaus-Teppich aus Erfurter Sammlung
Insgesamt 47 Werke sind in der Sonderausstellung zu sehen. Erdacht wurde sie von der Kunsthalle Emden und wird in Erfurt nun in abgeänderter Form fortgesetzt. So wurden einige Objekte aus der eigenen Sammlung integriert. Ein Beispiel: Ein großformatiger Wandteppich der Bauhaus-Künstlerin Margareta Reichhardt, auf dem schemenhaft ein Vogel vor einem sich auftürmenden Wolkengebilde zu erkennen ist.
Auch das Deckenbild – ein Ölgemälde von Jakob Samuel Beck – in der Ausstellungsfläche wurde neu entdeckt, erklärt Elke-Anna Werner: „Das ist ein klassischer Götterhimmel. Die sitzen da entspannt in den Wolken.“ Normalerweise würden die Besucherinnen und Besucher das Deckengemälde wahrnehmen, weil es oft auch nicht zum Ausstellungsthema passe. „Jetzt haben wir in der gleichen Form des Deckenbildes eine ovale Liegefläche drunter aufgebaut. Man kann sich also wie auf einer Sommerwiese dort hinlegen und sich dieses barocke Deckenbild ganz ausführlich anschauen.“
Am Ende lockt das einzige offene Fenster mit einem Blick nach draußen. Eine Postkarte hängt davor, mit einem Löchlein darin, um den Himmel zu sehen. Es ist ein Gruß von Yoko Ono aus dem Jahr 1971.