Die Tech-Werte korrigieren bereits seit Oktober, der Gesamtmarkt seit Februar. Doch manchen Werten konnte das gar nichts anhaben.

Es war nicht erst der Iran-Krieg, der den Höhenflug an den Börsen beendet hat. Die Rallye hatte schon Monate vorher Risse bekommen. Die Rekorde des Nasdaq 100 sowie des Tech-Riesen-Index Nyse FANG+ sind bereits fünf Monate alt. Dann führte die Sorge, dass sich die KI-Ausgaben der großen Konzerne möglicherweise gar nicht so stark rechnen und dass man nicht weiß, wer in Zukunft vom KI-Durchbruch profitiert, zu einem merklichen Abflauen der Anlegerbegeisterung. Der Nasdaq hat seitdem um zehn Prozent nachgegeben, der Nyse FANG+ um 19 Prozent.

Doch wie sieht es mit dem Gesamtmarkt aus? Und gibt es Aktien, die sich völlig unbeeindruckt zeigen?

Wer gehofft hatte, dass die Korrektur sich auf den Technologiesektor beschränken würde, wurde im Februar eines Besseren belehrt, als Zollsorgen den Rückgang des Gesamtmarkts einleiteten – zuerst in den USA und dann mit stärkerer Heftigkeit in Europa.

Im Wiener Leitindex ATX, der seit seinem Rekordhoch Mitte Februar um acht Prozent nachgegeben hat, finden sich jedoch drei Werte, die seitdem weitersteigen konnten: die OMV, die als Ölwert von der Krise profitiert, der Verbund und der Leiterplattenhersteller AT&S. Unter den Eurostoxx-50-Werten gibt es sechs Titel, die trotz Indexrückgangs weiter angestiegen sind. Zwei davon schafften gar ein zweistelliges Plus: die beiden Energieunternehmen Eni und Totalenergies. Der gesamte Eurostoxx 50 Index notiert inzwischen neun Prozent unter seinem Rekordhoch.

Beim S&P 500 beläuft sich das Minus auf acht Prozent. Doch sechs Werte konnten sogar um mehr als 50 Prozent zulegen. Drei davon kommen aus dem Ölsektor – der Ölforderer APA, der Kunststoffkonzern Lyondell und das Immobilienunternehmen Texas Pacific Land. Drei kommen aus dem KI-Infrastrukturbereich: Dell baut Server und Speicher, Lumentum stellt Laser und Glasfaserkomponenten her, und Ciena bietet Netzwerksysteme und Software für die Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung an. All das zeigt: Der KI-Rallye konnte der Krieg nicht viel anhaben, sie schwappt lediglich von den großen Technologiefirmen auf die Infrastrukturanbieter über.

Auch den großen Technologiekonzernen hat der Kriegsausbruch selbst nicht mehr besonders stark geschadet. Sie haben schon vorher deutlich verloren. Am schlimmsten unter den zehn Nyse-FANG+-Werten hat Microsoft gelitten, welches seit dem Indexrekordstand vom Oktober mehr als 31 Prozent verloren hat. Auch Meta, Palantir, Broadcom, Nvidia und Netflix haben zweistellig verloren, bei Amazon und Apple blieb der Rückgang im einstelligen Prozentbereich. Dass es den Index nicht viel schlimmer erwischt hat, ist der Tatsache geschuldet, dass der Chipkonzern Micron neu aufgenommen wurde, dessen Aktie seit Oktober um 60 Prozent gestiegen ist. Unter den „Magnificent Seven“ schaffte nur Google-Mutter Alphabet ein Plus.

Dennoch: Von großer Besorgnis oder allzu schlechter Stimmung kann noch keine Rede sein. Der Krieg hat bisher nur verstärkt, was sich vorher schon gezeigt hat: Anleger erwarten von Unternehmen jetzt mehr als nur spektakuläres Wachstum. Sie wollen Firmen, die unverzichtbare Infrastruktur bereitstellen und Preissetzungsmacht haben, was sich in Zeiten hoher Inflation rechnet. Und sie diversifizieren wieder etwas mehr. Damit könnten sie im Fall einer etwaigen Krise besser gerüstet sein als nur mit hoch bewerteten Technologieaktien.

E-Mail: beate.lammer@diepresse.obfuscationcom

»Wer gehofft hatte, dass die Korrektur sich auf den Technologiesektor beschränken würde, wurde Anfang Februar eines Besseren belehrt, als neue Zollsorgen den Rückgang des Gesamtmarkts einleiteten.«

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