Man kann leicht den Überblick verlieren, wenn man die chinesischen Marken durchzählt, die es aktuell in Österreich gibt. Gefühlt jedes Quartal kommt eine neue dazu. Aktuell sind es neun Hersteller, die ihre Modelle in Österreich anbieten. Einer der jüngsten Anbieter ist Leapmotor, das erst 2025 begonnen hat, Modelle in Europa auszuliefern.
Das Joint Venture mit Stellantis (der Vielmarkenkonzern hält 51 Prozent an Leapmotor International) baut noch all seine Fahrzeuge in China. Der Absatz ist dabei exponentiell gestiegen: 2020 verkaufte Leapmotor gerade einmal 8050 Stück, im vergangenen Jahr waren es fast 600.000.
Ähnlich beeindruckend sind die Exportsteigerungen. 2025 setzte Leapmotor International etwa 48.000 Modelle über das Joint Venture mit Stellantis außerhalb Chinas ab (davon 35.000 in Europa). Heuer plant man, die Produktion auf insgesamt eine Million Fahrzeuge zu steigern. In den Export sollen dabei über 100.000 Modelle gehen, mehr als eine Verdopplung im Vergleich zu 2025. „Wir sind sehr zuversichtlich, das zu erreichen“, meinte Tianshu Xin, Chef von Leapmotor International, im Gespräch mit Journalisten.
Heuer sei man sehr gut in das neue Jahr gestartet. In Italien habe man bei den batterieelektrischen Fahrzeugen im Februar einen Marktanteil von 40 Prozent errungen, erklärte Xin. Geschafft hat man das mit nur drei Modellen: Dem Kleinwagen T03 und den beiden SUVs B10 und C10.
Die Fahrzeuge werden sowohl als vollelektrische Modelle (BEV) als auch als Hybridfahrzeuge angeboten. Wobei Leapmotor eine eigene Hybridtechnik verwendet, nämlich einen Range Extender. Das Fahrzeug fährt dabei elektrisch, aber nicht emissionsfrei. Ein 1,5 Liter Verbrennungsmotor fungiert als Generator, der bei Bedarf während der Fahrt einen kleinen Akku auflädt. Die Technik sei vielversprechend, weil es den Kunden ein elektrisches Fahrgefühl gebe, ohne Reichweitenangst, betonte der Leapmotor-International-Chef.
Auf die aus China importierten BEV fallen aktuell in Europa Zölle in Höhe von etwa 30 Prozent an. Dennoch kostet ein vollelektrischer B10 in Österreich weniger als 30.000 Euro. Um die Zölle zu umgehen, soll noch heuer mit der Fertigung des ersten Modells, vermutlich des B10, in Spanien begonnen werden. Im vergangenen Jahr baute man für kurze Zeit den Kleinwagen T03 in Polen, stellte die Produktion dann aber wieder ein.
Vom B10 hofft man, derart viele Modelle zu verkaufen, dass die höheren Kosten durch den Bau in Europa ausgeglichen werden. Xin will dabei nicht in den großen Teiletopf von Stellantis greifen, in dem sich bereits Marken wie Opel, Fiat oder Peugeot bedienen. Die Fahrzeuge sollen ihre Eigenständigkeit bewahren.
Leapmotor muss laut EU-Vorschriften aber 40 Prozent der in den Fahrzeugen verbauten Teile lokal fertigen. Man prüfe gerade, welche Teile das sein könnten, betonte der Firmenchef.
Auf die aktuell drei Modelle folgt im Herbst der B05, ein eher kompaktes E-Auto (bei Stellantis spricht man von einem Sportcoupé). Mit dem vollelektrischen City-SUV B03X (Länge: 4,2 Meter), das demnächst vorgestellt wird, macht Leapmotor einen Technologiewechsel. Es ist das erste Modell auf einer völlig neuen globalen Plattform. Parallel zum Modellportfolio wächst auch die Vertriebsstruktur. In Österreich gibt es aktuell 30 Partnerbetriebe.
Dass Leapmotor mit seinem Angebot die Produkte von Stellantis konkurrenziert, glaubt Tianshu Xin nicht. „Leapmotor ist ein komplementäres Angebot für die anderen Marken der Gruppe und keine Kannibalisierung. 70 bis 80 Prozent der Käufer kommen nicht von anderen Marken des Konzerns, in Großbritannien sind sogar 95 Prozent unserer Kunden neue Kunden.“
Die wirtschaftlichen Überlebenschancen von Leapmotor beurteilt Xin naheliegenderweise hoch. Andere chinesische Marken seien gekommen und gegangen. Leapmotor sei hier, „um zu bleiben“.