Irans Regime beschießt Öltanker, Fabriken und Firmensitze am Golf. Die USA und vor allem Israel nehmen Irans Stromversorgung ins Visier und drohen mit noch härteren Attacken.

 
31.03.2026 um 19:50

von
unserem Korrespondenten
Thomas Seibert

Nikosia/Teheran. Iranische Raketen schießen einen voll beladenen Öltanker vor Dubai in Brand, israelische Luftangriffe zielen auf Kraftwerke und Fabriken im Iran, US-Präsident Donald Trump droht mit Bombardement von iranischen Meerwasserentsalzungsanlagen: Der Iran-Konflikt wird zum Krieg gegen zivile Einrichtungen.

In der ersten Phase des Krieges konzentrierten sich die Konfliktparteien überwiegend auf Flugabwehrstellungen, Befehlszentralen, Raketenabschussrampen und Radaranlagen. Das ändert sich nun. Israels Luftwaffe habe im ersten Monat des Krieges mehr als 13.000 Bomben auf Einrichtungen von Militär und Behörden im Iran abgeworfen, meldete die „Jerusalem Post“. Nun werde die Wirtschaft im Iran angegriffen, um das Regime in Teheran zu stürzen. Vor zwei Wochen bombardierte Israel den iranischen Teil des Erdgasfeldes Pars im Golf.

Offenbar werden auch Kraftwerke und Stromleitungen im Iran getroffen. Der französische Sender France 24 berichtete, in Teilen Teherans sei mehrmals der Strom ausgefallen. Israelische Jets bombardierten iranische Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Der Iran nimmt seit Wochen die Öl- und Gaswirtschaft sowie Flughäfen in arabischen Golfstaaten unter Beschuss. Teheran will damit die Araber dazu bewegen, Trump zur Beendigung des Krieges zu drängen, und die weltweiten Energiepreise hochtreiben, um so innenpolitischen Druck auf Trump zu erzeugen.

Nun kommen immer häufiger iranische Angriffe auf Wirtschaftsunternehmen hinzu. Der Iran beschoss zwei Aluminiumfabriken in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten – Lieferanten für die US-Wirtschaft. Auch Niederlassungen von US-Tech-Konzernen am Golf kamen unter Beschuss. Nach dem israelischen Beschuss iranischer Hochschulen droht der Iran mit Angriffen auf israelische Universitäten und Ableger von US-Unis am Golf.

Die US-Streitkräfte haben nach Militärangaben über 10.000 Ziele im Iran bombardiert und damit 92 Prozent der iranischen Marine ausgeschaltet. „Israel greift stärker die Infrastruktur im Iran an“, beobachtet Danny Citrinowicz, ehemaliger Iran-Experte des israelischen Militärgeheimdienstes. Die Regierung in Jerusalem wolle verhindern, dass der Iran nach dem Krieg wieder zu einer Bedrohung werden könne, sagte Citrinowicz bei einer Veranstaltung der Denkfabrik International Crisis Group. Deshalb werde alles angegriffen, was potenziell militärische Bedeutung habe – auch die Stahl­industrie und Energieversorgung.

Trump wiederholte seine Drohung, Kraftwerke und sogar Anlagen zur Trinkwassergewinnung aus Meerwasser angreifen zu lassen, wenn der Iran sich nicht seinen Bedingungen für ein Ende des Krieges beuge. Vor allem aber will Trump den Iranern die Einnahmen aus dem Ölexport nehmen: Er erwägt die Besetzung der iranischen Insel Kharg. Über die Terminals auf Kharg laufen 90 Prozent der iranischen Ölexporte. Wenn Trump die Insel einnehmen lässt, könnte er die Ölausfuhren stoppen, um Teheran zu zwingen, die Meerenge von Hormus freizugeben und den Krieg zu beenden.

Teheran bereitet sich auf US-Vorstöße auf Kharg und Inseln nahe der Straße von Hormus vor. Kharg liegt 30 Kilometer vom Festland entfernt und damit in Reichweite iranischer Artillerie, Drohnen und Kurzstreckenraketen. Irans Armeesprecher Enrahim Solfakari sagte, bei einem Angriff auf iranisches Gebiet würden US-Soldaten zum „Futter für die Haie“ im Golf. Iranische Spitzenpolitiker drohen, dass nicht nur die US-Truppen, sondern auch Öl- und Gasanlagen in arabischen Staaten anzugreifen. Besonders eine 1200 Kilometer lange Pipeline quer durch Saudiarabien zum Roten Meer dürfte zum Ziel werden.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen: