Stand: 31.03.2026 17:43 Uhr

DJ Gary Mangels ist ein Urgestein der Kieler Disco-Szene. Im September feiert er seinen 80. Geburtstag – aufhören will er aber noch lange nicht. Im Gespräch mit NDR SH blickt er auf seine Karriere zurück.

Als Mitte der 1970er Jahre die Disco-Welle Schleswig-Holstein erfasste, war ein musikverrückter Kieler ganz vorn mit dabei. Vor 50 Jahren eröffnete der gelernte Kaufmann Gerd Mangels seine erste Diskothek und wurde als DJ Gary überregional bekannt.

Ans Aufhören denkt er noch lange nicht, nach wie vor heizt er seinen Gästen in der Musikbar Zwack und bei der Kieler Woche ein. Im Spätsommer steht eine besondere Party an – dann feiert Gary Mangels seinen 80. Geburtstag.

NDR Schleswig-Holstein: Wann brach im Norden das Disco-Fieber aus?

Gary Mangels: 1976 haben wir das Joy aufgemacht. Wir waren der führende Laden in Schleswig-Holstein. Wir hatten jeden Tag auf. Um 20 Uhr, 21 Uhr war der Laden voll, bis morgens um drei, vier, manchmal bis halb sechs. Und dann haben wir Brötchen geholt am Alten Markt bei Bäckerei Lange, da schien schon die Sonne.

Wodurch hat sich das Joy von anderen Diskotheken unterschieden?

DJ Gary.

Zu Joy-Zeiten hat DJ Gary auch selbst Musik aufgenommen.

Mangels: Wir hatten Maxi-Singles, die gab es nicht in Kiel, nicht in Deutschland oder irgendwo anders. Die gab es auf Ibiza, da bin ich immer rübergeflogen, habe einen Stapel Platten geholt. Das waren Titel, die zwar irgendwann in Deutschland Hits geworden sind. Aber ich hatte die schon ein halbes, Dreivierteljahr vorher.

Wie bist du zu deinem Namen gekommen?

Mangels: Ich heiße Gerd Mangels. Und im Fördehochhaus in Kiel-Friedrichsort sollte ich als DJ anfangen. Aber damals hat der Chef gesagt, Gerd hört sich blöd an – Gary hört sich international an. Ich sag, na gut, dann heiß ich jetzt Gary. Ab dem Zeitpunkt heiß ich Gary. Ich find den auch gut, den Namen. Gerd ist nicht schlecht, aber kein Künstlername.

Zwei junge Männer und eine junge Frau stehen in einem Club und albern rum - die Männer umarmen sich und die Frau hält eine leere Colaflasche wie einen Knüppel in der Luft.

Wir haben dazu aufgerufen, Erinnerungen an Clubs und Diskotheken der 1980er- und 1990er-Jahre zu teilen. Hier eine Auswahl!

Dein Markenzeichen ist voller Körpereinsatz!

Mangels: Ich muss mittanzen oder mitsingen. Das nennt sich Entertainment! Ich könnte gar nicht anders. Wenn ich das nicht mehr machen würde, würde ich aufhören.

Du warst nicht nur DJ. Wie verlief deine Karriere als Künstler?

Mangels: In der Joy-Zeit habe ich drei oder vier Schallplatten gemacht. Mit den Scheiben, Italo-Sound, war ich auf Deutschlandtournee, in 150 Diskotheken live. Teilweise hatte ich auch einen Fanclub. Aber es hat nie gereicht bis ganz oben.

Im Joy und später in Garys Tanztreff und im Tanzpalast hast du für Menschen mit Behinderung aufgelegt und bist dafür mit vom Sozialverband Deutschland mit dem Integrationspreis ausgezeichnet worden.

Mangels: Einmal im Monat Behindertendisco mit 300 Leuten. Über 40 Jahre habe ich das gemacht. Wir haben so einen Spaß gehabt, das habe ich auch gerne gemacht.

Das Rentenalter hast du längst erreicht, wie lange willst du noch weitermachen?

Mangels: Ich arbeite für mein Leben gern, wenn ich Leute unterhalten kann. Wenn ich merke, mir tun die Knochen weh und ich bring das nicht mehr rüber, dann werde ich sofort aufhören.

Das Interview führte Carsten Prehn für NDR Schleswig-Holstein.

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Menschen tanzen in einem Club.

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Eine Discokugel hängt in einem Club über tanzenden Menschen.

Sie haben die Freizeit von Generationen geprägt und der Norden hat maßgeblich zum Erfolg der „Tanzschuppen“ beigetragen.