Die Umfragewerte vor den Wahlen in Ungarn sind für Orbán und seine Regierungspartei umso bedenklicher, da zum einen Fidesz bis vor einigen Monaten noch in Front lag und Tisza zum anderen erst vor zwei Jahren gegründet wurde. Seither hat die Partei von Herausforderer Péter Magyar allerdings einen beispiellosen Aufstieg hingelegt.

Der Umschwung, der laut den Wahlumfragen zu erwarten sein könnte, hat dabei mehrere Ursachen. Orbáns Partei könnte im Vergleich zur vorherigen Parlamentswahl in Ungarn bis zu 12,5 Prozent der Stimmen verlieren. Hinzu kommt, dass sich die Prognose aus der aktuellen Umfrage weniger auf mögliche Lagerwechsel stützt, sondern laut der Analyse von Medián vor allem auf eine veränderte Einschätzung unter Unentschlossenen und Anhängern kleinerer Parteien zurückzuführen ist.

Des Weiteren zeichnet sich ein deutlicher Trend in der Umfrage „hvg“ ab: Demnach halten 54 Prozent der Befragten nicht Orbán, sondern Magyar für geeignet, das Ministerpräsidentenamt auszuführen. Der derzeitige Staatschef erhält in der Befragung hingegen nur 45 Prozent.

Hinzu kommen diverse Skandale, die der Orbán-Partei bei der Ungarn-Wahl Stimmenverluste einbringen könnten. Derzeit steht vor allem das sogenannte „Orbán-Gate“ im Rampenlicht. Dabei will ein ehemaliger Ermittler der Polizei nach eigenen Angaben Hinweise darauf gefunden haben, dass der ungarische Inlandsgeheimdienst versucht hat, in die IT-Systeme der Tisza einzudringen. Szabo gibt an, dass der Befehl für die Aktion des Geheimdienstes nur von einem ranghohen Vertreter der amtierenden Regierung Orbán gekommen sein könne.

Für Aufsehen haben zudem auch die Enthüllungen auf dem Werksgelände von Samsung in Göd gesorgt. Im Inneren des Werks waren Arbeiter krebserregenden Substanzen ausgesetzt, die teils das Hundertfache der zulässigen Schadstoffwerte erreicht haben sollen. Dies soll offenkundig mit dem Wissen der Regierung geschehen sein.