5:1 gegen Ghana und 1:0 gegen Südkorea – also zwei Siege in zwei Testspielen. Auf diese simple Erkenntnis lässt sich das Länderspiel-Doppel im Happel-Stadion schnell herunterbrechen. Dabei würde man aber auslassen, dass die Mannschaft von Ralf Rangnick damit den seit 1975 währenden Rekord in (ungeschlagenen) Heimspielen, gehalten von Teamchef Leopold Stastny, überboten hat. Oder dass Rangnick viel gewechselt, mit Paul Wanner und Carney Chukwuemeka (nimmt ab sofort Deutschkurse in Dortmund wahr) neue Spieler getestet und damit den Konkurrenzkampf erhöht hat. In sieben Wochen will er den möglichst finalen ÖFB-Kader für die WM benennen. 26 Spieler, davon drei Torhüter, sollen es sein. Casting wolle er keines mehr betreiben, sagt der Deutsche, 67. Wer fährt also zur WM in den USA, Mexiko, Kanada? Wer spielt gegen Jordanien (2:2 im Test gegen Nigeria), Argentinien und Algerien (0:0 gegen Uruguay)? Eine exklusive „Presse“-Schau:
Alexander Schlager und Patrick Pentz haben ihre WM-Tickets sicher, daran besteht absolut kein Zweifel. Rangnick streut beiden Rosen, sie hätten ihre Sache gut gemacht. Ob gefordert oder nicht, Pentz ragte im Vergleich der beiden Spiele hervor. Die Parade im Finish gegen Südkorea kann ebenso nicht in Vergessenheit geraten wie manch Fehlgriff Schlagers in der Bundesliga.
Patrick Pentz überzeugte im Tor gegen Südkorea. GEPA pictures / Armin Rauthner
Dritter Goalie sollte Florian Wiegele sein, der 2,05-m-Keeper von Viktoria Pilsen wäre das körperliche Gegenteil von Pentz und Schlager. Fangsicher, im Strafraum bei Flanken oder Ecken ob seiner Größe definitiv im Vorteil gegenüber allen anderen Ersatzleuten.
APA / Walter Lomgauer
Die Viererkette ist Rangnick um den Hals gewachsen, daran dürfte es auch bei der WM kein Rütteln geben. Außer im Test am 1. Juni in Wien gegen Tunesien werden Lücken offenkundig oder die Verletztenliste drängt zum Wandel. Weil er „jede Feldposition doppelt besetzt“ wissen will, lassen sich folgende Muster herauslesen: Posch, Danso, Friedl (Linksfuß), Mwene, Laimer, Lienhart, Affengruber, Svoboda, Prass (Linksfuß) und Alaba sind für die WM bereits gesetzt. Wöber fiel verletzt aus.
David Alaba gab gegen Südkorea sein Comeback im ÖFB-Trikot. Imago / Imago
Letzten Endes hängt die Abwehr von der Fitness von David Alaba ab. Gegen Südkorea gab der ÖFB-Kapitän nach seiner jüngsten Wadenverletzung ein 30-minütiges Comeback.
Weil Rangnick gerne auf die 4-2-3-1-Variante setzt, ergibt sich folgende Bestandsaufnahme: Seiwald, Grillitsch, Wanner und Xaver Schlager dürfen für die WM buchen. Auch Schmid, Wimmer, Baumgartner, Chukwuemeka, Sabitzer, Kalajdzic und Posch. Hier hängt Österreichs Gedeih vor allem an den Ideen von Baumgartner, Laufspielen mit Sabitzer, die Zusammenarbeit mit Schlager – und gegen Ghana imponierten die Vorlagen Wanners.
Paul Wanner stellte sich im ÖFB-Team vor und setzte sich durch. GEPA pictures / Armin Rauthner
Es mag angesichts von fünf Toren gegen Ghana unglaubwürdig anmuten, doch der Angriff bleibt die Schwachstelle im ÖFB-Team. Es fehlt weiterhin ein zwingender Strafraumstürmer, der mit Form, Körper, Verve, zur Not auch der nötigen Eloquenz jeden Gegner bindet respektive „wegdrängt“. Rangnick hat hier wenig Spielraum, an Gregoritsch oder Arnautovic gibt es keine Zweifel. Kalajdzic könnte auch an vorderster Stelle stehen. Wäre es aber nicht auch ratsam, einen kleineren, schnelleren Stürmer mitzunehmen für explizites Umschaltspiel (Konter)? Da fiel zuletzt der Name Andreas Weimann.
Ist Michael Gregoritsch Österreichs beste, also treffsicherste Strafraum-Lösung für die Fußball-WM? APA / AFP / Joe Klamar
Damit wären 24 Plätze vergeben für Spieler, die zuletzt laufend von Rangnick eingesetzt oder eingewechselt worden sind, alle auch „aufgezeigt haben“, so der Trainer. Alessandro Schöpf (WAC) wäre eine Option, nicht übersehen werden sollte Matthias Seidl (Rapid). Was ist mit Leopold Querfeld (Union Berlin) oder Kevin Stöger (Gladbach)?
Rangnick will also bis 18. Mai Klarheit schaffen, und auch in diesem Punkt hat der Teamchef väterlichen Weitblick. Österreich ist zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder bei einer Fußball-WM dabei, es sind also sehr viele Fußballer-Generationen ohne WM-Start abgetreten. Damit ist die Enttäuschung derer, die nicht nominiert werden, umso größer. „Ich möchte sowohl mir als auch den Spielern ersparen, dass sie dann nach vier oder fünf Tagen Campus nach Hause geschickt werden. Ich glaube, das braucht keiner.“