Stand: 31.03.2026 16:29 Uhr
Siri Hustvedt ist eine der prägenden Stimmen der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur. Sie las am 25. März in Hamburg aus ihrem Buch „Ghost Stories“. Für die NDR Koproduktion „Dance Around The Self – Siri Hustvedt“, ein Glücksfall fürs Kino, hat Sabine Lidl die Autorin porträtiert.
Der Dokumentarfilm startet diese Woche bundesweit am 2. April. Seit dem 31. März ist die Produktion beim Deutschen Filmpreis nominiert für eine Lola als bester Dokumentarfilm.
Bei der Berlinale hat Siri Hustvedt, seit Februar 71 Jahre alt, bewiesen, dass sie ein umwerfendes Lachen, viel Humor und Charisma hat. Beim Festival feierte Sabine Lidls Dokumentarfilm „Dance Around The Self“ über Hustvedt Weltpremiere. Das ausverkaufte Kino lag der anwesenden Autorin zu Füßen – und freute sich über ihre große Freude und späte Genugtuung, die der Film ihr geschenkt hat.
Von der Idylle in Minnesota zum Schreiben nach New York
Denn Sabine Lidl hat nicht nur Hustvedts Werdegang als Tochter norwegischer Migranten in Minnesota zur gefeierten Schriftstellerin in New York porträtiert. Sie hat auch deren frühe Zeichnungen für ihren Dokumentarfilm genutzt und als Animationssequenzen eingebaut.
Im Film tanzt nun mehrfach eine langbeinige Comicfrau durch das Bild. „Niemals hat jemand von der Presse in deren Rezensionen meine eigenen Zeichnungen gewürdigt oder gar bemerkt. Endlich kommen meine Bilder zur Geltung! Danke, liebe Sabine!“ freute sich die US-Autorin.
Weltweit bekannt geworden ist Siri Hustvedt mit preisgekrönten Büchern und Essays wie „Die unsichtbare Frau“, „Die Leiden eines Amerikaners“ und „Die zitternde Frau“. Am 13. März erschien ihr neues: „Ghost Stories“ mit dem Untertitel „Ein Buch der Erinnerung“.
Erinnerungen an Paul Auster im Buch „Ghost Stories“

„Ghost Stories“ erscheint Mitte März bei Rowohlt. Uli Aumüller und Grete Osterwald haben es übersetzt.
Darin geht es vor allem um ihre langjährige Ehe mit dem 2024 verstorbenen US-Schriftsteller Paul Auster. Alle diese Geschichten hat Regisseurin Sabine Lidl für ihr Kinoporträt eingefangen – begleitet von zahlreichen Fotos aus dem Familienarchiv – ein Glücksfall fürs Kino. Das Publikum erlebt Hustvedt immer wieder beim Schreiben im lichtdurchfluteten Schreibzimmer – und im Gespräch mit Paul Auster.
Kennengelernt hat die deutsche Regisseurin das Künstlerehepaar in deren Küche in New York – vermittelt durch einen simplen Anruf von Lidls Ehemann Dani Levy. „Paul Auster war der wohl letzte Mensch in New York, der im Telefonbuch stand und den man einfach spontan anrufen konnte“, erzählte Lidl bei der Premiere.

Sabine Lidl (links) hat für den Film in Brooklyn, Minnesota und Oslo gedreht. Hustvedt sagt: „Der Film ist eine Teamleistung.“
Sabine Lidl dokumentiert über Jahre die Liebesgeschichte des legendären Autorenpaares aus Brooklyn und lässt auch Hustvedts drei Schwestern zu Wort kommen. Doch während der Dreharbeiten erkrankt Paul Auster schwer – und stirbt 2024. Die Autorin lässt Lidl daran teilhaben, wie die Trauernde beginnt, das Buch „Ghost Stories“ über ihren „Lebensmenschen“ Auster zu schreiben. Und was sie alles aus dem Buch wieder herausstreichen musste.
Dokumentarfilm in Hannover koproduziert
Der 115-minütige Dokumentarfilm erhielt Mittel der Nordmedia Filmförderung Niedersachsen, wurde von Medea Film Factory aus Hannover als Koproduktion mit dem NDR hergestellt und in Niedersachsen geschnitten. Zu sehen sind unter anderem auch Hustvedts und Austers Tochter Sophie Auster und Wim Wenders.
Siri Hustvedt geht mit „Ghost Stories“ im März auf Lesereise. Am 25. März ist sie etwa zu Gast in Hamburg in der Kampnagel-Fabrik. Der Termin ist ausverkauft.

Die US-Schriftstellerin hat ihr Buch „Ghost Stories“ am Mittwochabend auf Kampnagel vorgestellt. Die Lesung war ausverkauft.

Die Autorin erzählt in ihrem neuen Buch Geistergeschichten – und ist vor allem einem Geist auf der Spur: ihrem verstorbenen Ehemann.

Der Präsident der Deutschen Hirnstiftung erklärt im Interview mit NDR Kultur, wie das Gehirn mit Tod und Trauer umgeht.

Fotograf Bert Strebe zeigt in Hannover Trauermomente von Hinterbliebenen und will so die Toten sichtbar machen.

Bei Madeleines und Ostfriesentee geht es in den Wald aus der Artussage. Außerdem: eine drohende Dämonen-Apokalypse. Und Siri Hustvedt kommt ins Schwärmen.

Auf diese 26 Bücher freut sich die NDR Kultur Literaturredaktion: Neues gibt es etwa von Leïla Slimani und Bodo Kirchhoff. Eine Vorschau.