Rund 600 Flugzeuge aus aller Welt landen täglich am Frankfurter Flughafen. Ein Großteil davon entfällt auf die Lufthansa-Gruppe, für die Frankfurt das wichtigste Drehkreuz ist. Künftig könnten es jedoch weniger werden. In der Konzernzentrale wird darüber nachgedacht, Teile der Flotte vorübergehend stillzulegen, da die Kerosinpreise aufgrund des Iran-Kriegs drastisch angestiegen sind. Die Rede ist von Szenarien mit 20 bis 40 Flugzeugen, die am Boden bleiben könnten. Diese Linie gab Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei einer internen Mitarbeiterveranstaltung diese Woche vor.

Offiziell will sich der Konzern auf Anfrage der „Presse“ dazu nicht äußern. Die Informationen stammen aus internen Kreisen. Auf Anfrage verweist die Lufthansa-Gruppe lediglich darauf, laufende Planungen grundsätzlich nicht zu kommentieren. Insidern zufolge ist jedoch klar: Spohr hat den Auftrag erteilt, Notfallpläne zu erarbeiten – inklusive konkreter Stilllegungsszenarien. Betroffen wären vor allem ältere Maschinen, die viel Treibstoff verbrauchen.

Weniger Flugzeuge hätten zwangsläufig auch Auswirkungen auf das Streckennetz: Der Flugplan dürfte ausgedünnt werden. Welche Verbindungen von Österreich aus konkret betroffen sein könnten, lässt Austrian Airlines derzeit offen. Eine Sprecherin verweist auf Anfrage darauf, dass entsprechende Entscheidungen noch nicht getroffen seien. Im Fokus stehen aber wohl vor allem Europastrecken mit geringer Profitabilität. Gleichzeitig bereitet der Konzern seine Belegschaft bereits vorsorglich auf mögliche Kurzarbeit vor.

Dem Weltluftfahrtverband IATA zufolge stammen rund 25 bis 30 Prozent des europäischen Kerosinbedarfs aus dem Persischen Golf. Aktuell kostet Kerosin etwa 195 US-Dollar pro Barrel – mehr als doppelt so viel wie in normalen Marktphasen. Historisch bewegt sich der Preis meist in einer Bandbreite von 80 bis 120 Dollar. Ein Barrel entspricht rund 159 Litern; der Kerosinpreis ist eng an die Entwicklung des Rohölpreises gekoppelt.

Europäische und asiatische Airlines setzen beim Kerosinkauf üblicherweise auf sogenanntes Hedging. Das bedeutet, dass sie sich fixe Treibstoffmengen im Voraus zu fixen Preisen sichern und sich so gegen kurzfristige Preissprünge schützen. Die Lufthansa zählt zu jenen Fluggesellschaften, die sich besonders umfassend gegen Schwankungen auf dem Energiemarkt absichern. Rund 80 Prozent des Kerosinbedarfs für 2026 sind abgesichert, für 2027 liegt die Quote bei etwa 40 Prozent.

Lufthansa ist nicht die erste Airline, die über eine Ausdünnung ihres Flugplans nachdenkt. Andere Fluggesellschaften – insbesondere jene, die stärker von den aktuellen variablen Energiepreisen am Spotmarkt abhängig sind und geringere Absicherungen haben –, reagieren bereits konkreter. So strich die skandinavische Fluggesellschaft Scandinavian Airlines (SAS) allein für den Monat April 1000 Flüge. Auch United Airlines hat Kürzungen angekündigt. Zusammen mit bereits ausgesetzten Verbindungen in den Nahen Osten summieren sich die Absagen dort auf rund drei Prozent des Angebots. Laut United-Chef Scott Kirby würde das aktuelle Preisniveau bei Kerosin für die Airline Mehrkosten in Höhe von rund elf Milliarden Euro verursachen. US-Airlines setzen grundsätzlich weniger auf Hedging.

Doch können Fluggesellschaften ihre Flugpläne einfach beliebig ausdünnen? Ganz so einfach ist es nicht. In der Europäischen Union gelten klare Vorgaben, die für fairen Wettbewerb sorgen sollen. Dabei geht es um die „Use-it-or-lose-it“-Regel: Airlines müssen mindestens 80 Prozent ihrer zugewiesenen Start- und Landerechte nutzen, um diese Slots auch in der nächsten Flugplanperiode zu behalten. Vor diesem Hintergrund sind Flugstreichungen für viele Airlines ein Balance-Akt. Einerseits gilt es, Kosten zu senken. Andererseits dürfen wertvolle Slots nicht verloren gehen.

Zusätzlichen Druck baut die unsichere Versorgungslage auf. Michael O’Leary, Chef von Ryanair, warnte am Mittwoch vor möglichen Störungen bei der Kerosinversorgung in Europa ab Mai, sollte der Konflikt weiter andauern. Die irische Fluggesellschaft, die nach Passagierzahlen größte in Europa, habe zwar noch keine Flüge gestrichen, da die Versorgung derzeit gesichert sei. Es bestehe jedoch das Risiko „deutlich höherer“ Ticketpreise im April, Mai und Juni.

Die IATA warnte bereits, dass Flugtickets im Schnitt um rund neun Prozent teurer werden könnten, sollte der Iran-Krieg weiter anhalten. Ein Grund dafür sind einerseits längere Flugrouten: Da der Luftraum über der Golfregion in der Regel gemieden wird, verlängern sich Flugzeiten und damit auch der Treibstoffverbrauch. So dauerte etwa die Strecke Wien – Malediven zuletzt fast 30 Minuten länger, so eine Sprecherin von Austrian Airlines zur „Presse“. Diese Verbindung gibt es aber ohnehin nur im Winterflugplan.

Dazu kommen aber noch sogenannte Treibstoffzuschläge. Bei der Lufthansa werden diese „International Surcharge“ genannt und auf den regulären Ticketpreis aufgeschlagen. Es handelt sich dabei um eine variable Preiskomponente, deren Höhe jede Airline selbst festlegt. Entsprechend komplex ist das System: Die Zuschläge unterscheiden sich je nach Strecke, Reiseklasse und teils sogar nach Flugrichtung. Für Kunden sind die Zuschläge nicht ganz transparent und auf der Buchungsbestätigung meist unter YQ oder YR (Carrier Imposed Surcharge) zu finden.

Zuletzt gaben mehrere Fluglinien offiziell bekannt, diese Zuschläge zu erhöhen. Die People’s Air Group in Altenrhein erhöhte per 30. März den Zuschlag für Flüge um elf Schweizer Franken bzw. Euro (hier gilt ein Einheitspreis) pro Fluggast und Strecke. Auch Air France und KLM verlangen mittels Treibstoffzuschlägen nun 50 Euro mehr für Hin- und Rückflüge in der Economy Class. In der Branche haben speziell die Lufthansa-Gruppe und British Airways den Ruf, hohe Zuschläge zu verlangen. Wer mit Lufthansa beispielsweise von München nach Denver fliegt, zahlt über 600 Euro an Steuern und Gebühren. Davon entfallen 460 Euro auf Airline-Zuschläge, so das Fachportal „Meilenoptimieren“.