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Tel Aviv/Teheran – Sirenen statt Feststimmung: Ausgerechnet kurz vor Beginn des jüdischen Pessach-Fests hat der Iran Israel mit der größten Raketenwelle seit Kriegsbeginn angegriffen. Am Mittwochabend feuerten iranische Streitkräfte nach Angaben der israelischen Armee mindestens zehn Langstreckenraketen auf Zentralisrael. Fast zeitgleich griff auch die Hisbollah vom Libanon aus mit Raketen an. In weiten Teilen Israels heulten die Sirenen – die Menschen mussten in Schutzräume und Bunker flüchten, während Familien eigentlich gerade ihr festliches Abendessen vorbereiteten.

In den Städten Rosh Haayin und Petah Tikva kam es zu Einschlägen. Häuser und Autos wurden beschädigt, auch ein Spielplatz wurde getroffen. Besonders brutal: Eine der Raketen soll mit Streumunition bestückt gewesen sein, deren Sprengkörper sich über einem größeren Gebiet verteilten. Streumunition ist seit 2010 durch die völkerrechtlich bindende „Oslo-Konvention“ in über 100 Staaten verboten. Der Iran hat das Abkommen nicht unterzeichnet. Auch Israel und die USA haben den Vertrag nicht unterschrieben.

Keine Verletzten in Israel gemeldet

Nach ersten Informationen soll bei den Angriffen niemand verletzt worden sein. Während die Raketen auf Israel niedergingen, setzte die israelische Armee ihre Angriffe auf Ziele im Iran fort. Allein in Teheran seien rund 15 Produktionsstätten für Waffen getroffen worden. Insgesamt habe das Militär in den vergangenen zwei Tagen mehr als 400 Ziele angegriffen.

Der Priestersegen wird zweimal jährlich an der Klagemauer in Jerusalem vor tausenden Gläubigen gespendet. Dieses Jahr dürfen nur rund 50 Menschen teilnehmen

Der Priestersegen wird zweimal jährlich an der Klagemauer in Jerusalem vor tausenden Gläubigen gespendet. Dieses Jahr dürfen nur rund 50 Menschen teilnehmen

Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

Der Krieg überschattet damit auch das religiöse Leben im Land. Große Versammlungen sind aus Sicherheitsgründen stark eingeschränkt. Die traditionelle Segnung an der Klagemauer in Jerusalem, zu der sonst zehntausende Gläubige kommen, wird in diesem Jahr nur mit rund 50 Teilnehmern stattfinden.

Was ist das Pessach-Fest?

Das Pessach-Fest feiert die Befreiung der Jüdinnen und Juden aus der Sklaverei der Pharaonen in Ägypten. Das Fest findet im Frühling statt und beginnt mit dem Seder-Abend. Dabei kommen Familie und Freunde zusammen, lesen aus der Haggada (jüdisches Geschichtsbuch, Leitfaden für den Abend), singen und essen gemeinsam. So erinnern sie an den Auszug aus Ägypten. Pessach wird auch „Fest der ungesäuerten Brote“ genannt. Weil die Israeliten aus Ägypten seinerzeit (13. oder 15. Jahrhundert vor Christus) in Eile aufbrachen, sind für sieben Tage alle gegärten Speisen und Getränke verboten.