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Die Mittagsstunde wurde von vielen Tankstellenbetreibern gezielt genutzt, um die Preise anzuheben. Autofahrer mussten zur Tagesmitte vielerorts tiefer in die Tasche greifen. Seit dem 1. April ist diese Erhöhung nur um 12 Uhr mittags erlaubt, so legt es die neue Spritpreis-Regel der schwarz-roten Regierungskoalition fest. Am Nachmittag sind die Preise zur Überraschung aber in vielen Städten wieder gesunken.
„Die Preiserhöhung vom Mittag um 12 Uhr ist vom Wettbewerb wieder weggedrückt worden. In Stuttgart sogar schon nach einer halben Stunde, das kann ich mir nicht erklären“, sagt Herbert W. Rabl vom Tankstellen-Interessenverband. „In Berlin, München und in Köln haben wir inzwischen fast überall Preise, die niedriger sind als heute Mittag. In Leipzig sind die Preise noch etwas höher.“
BILD-Reporter schauten bundesweit an den Zapfsäulen nach. Was sagen Autofahrer, die jetzt zum Tanken fuhren?
4 Cent für alle Sorten weniger in Berlin
Obwohl der Preis für Diesel von 2,36 auf 2,32 Euro, Super E10 von 2,18 auf 2,14 Euro und Super von 2,24 auf 2,20 Euro gesunken ist, ist die Shell-Tankstelle in dem Berliner Stadtteil Kreuzberg ziemlich leer.

Nick aus Berlin um kurz nach 17 Uhr zum Tanken
Foto: Privat
„Wir können bald einen Kredit aufnehmen, um den Sprit zu bezahlen. Man würgt den Wagen wirklich bis zum Letzten“, sagt Einzelhändler Nick (48) aus Berlin. „Dass ich jetzt etwas günstiger tanke als um 12 Uhr, ist reiner Zufall. Ich wusste, dass die nur noch einmal am Tag erhöhen dürfen, wusste aber nicht, wann.“

Projektmanagerin Sofie zahlte früher 22,43 Euro für eine Tankfüllung, heute zahlt sie 52,25 Euro
Foto: Privat
„Ich war richtig schockiert, als ich die Preise gesehen habe“, so Projektmanagerin Sofie (43) aus Berlin. Sie tankt ihren alten BMW mit Diesel voll, der jetzt besonders teuer ist, weil er aus der vom Iran-Krieg betroffenen Region kommt: „Ich benutze das Auto kaum noch, aber jetzt muss ich am Wochenende nach Süddeutschland fahren und bin darauf angewiesen.“

Manuela tankt 15 Liter Super E10
„Ich tanke immer kleine Beträge, damit es nicht ganz so reinhaut, bin auf das Auto angewiesen“, sagt Altenpflegerin Manuela (59) aus Berlin. „Ich gucke da nicht auf die Uhr, das ist eine Milchmädchenrechnung. Aber ganz ehrlich: Das Benzin ist ja nur ein Teil des Ganzen! Alles wird teurer. Ich habe zwei Jobs, um über die Runden zu kommen, gehe nach Feierabend noch putzen.“
17 Cent Preissenkung für Diesel in Stuttgart
An der Ran-Tankstelle in Kirchheim/Teck (Baden-Württemberg) pendelte sich der Benzinpreis um 18 Uhr bei allen Sorten wieder auf das Vormittagsniveau ein: Ein Liter Super E10 kostete am Morgen 2,07 Euro. Vom extremen Preissprung am Mittag bei Diesel (23 Cent Erhöhung auf 2,51 Euro) nahm der Betreiber bis zum Abend wieder 17 Cent zurück. Für einen Liter zahlte man aber immer noch stolze 2,34 Euro.

Arseni Kuschew pendelt täglich zur seiner Ausbildungssteleke
Foto: Hagen Stegmüller
„Ich fahre täglich 100 Kilometer zu meiner Ausbildungsstelle in Metzingen. Die Hälfte meines Azubi-Gehalts geht nur für Sprit drauf – etwa 400 Euro im Monat“, sagt Arseni Kuschew (20), Marketing-Azubi aus Ulm. „Ich kann mir das Autofahren nur noch leisten, weil mich meine Mutter finanziell unterstützt. Bei Tank-Apps vergleiche ich oft die Benzinpreise, habe aber das Gefühl, dass das alles nichts bringt. Es ist überall teuer!“

Bennu Kaya tankt jetzt nur noch Autogas
Foto: Hagen Stegmüller
„Man kann diese hohen Preise kaum noch bezahlen. Ich fahre nur noch das Allernötigste und arbeite so oft es geht im Homeoffice“, sagt Bennu Kaya (29), Ingenieurin aus Kirchheim/Teck. „Außerdem bin ich auf Autogas umgestiegen, das ist billiger. Zusätzlich haben mein Freund und ich uns ein E-Auto angeschafft. Langfristig wollen wir von hohen Kraftstoffpreisen unabhängig werden.“
5 Cent weniger in Bielefeld
An der Star-Tankstelle in Bielefeld (NRW) sind gegen 17 Uhr auch die Preise wieder gesunken. Aktuell liegt der Preis für den Liter Normal Super bei 2,12 Euro statt bei 2,17 Euro um 12 Uhr. Super E10 kostet 2,06 Euro statt 2,11, Diesel 2,20 Euro statt bei 2,28 Euro. Bei dem Liter Super Plus liegt der Preis um 17 Uhr bei 2,21 Euro statt bei 2,26 Euro.

Askanius B. hat gezielt nach den Preissenkungen geschaut
Foto: Christian Müller
„Ich habe heute Mittag schon auf der Arbeit die Preise gecheckt und gesehen, dass es um 12 Uhr deutlich hochgegangen ist“, sagt Askanius B. (21) aus Bielefeld. Er hat gerade sein Auto vollgetankt und rund 100 Euro bezahlt. „Ich habe seit dem Mittag die Entwicklung weiter beobachtet und bemerkt, dass die Preise wieder gesunken sind. Deshalb bin ich jetzt zur Tankstelle gefahren. Es ist kaum noch bezahlbar, überhaupt vollzutanken. Die Preissprünge – insbesondere die gezielte Erhöhung zur Mittagszeit – erhöhen den Druck, den richtigen Zeitpunkt zum Tanken zu erwischen.“

Lorina K. für den Heimweg ihr Auto voll
Foto: Christian Müller
„Ich bin hier vorbeigekommen und hatte gar keine Ahnung von den Preisen. Es kam mir nur relativ günstig vor“, sagt Lorina K. (21) aus Hannover, die nur zum Shoppen in Bielefeld war.Aber glücklich ist sie nicht über die Preise. „Ich schaue aktuell danach. Sobald sie unter 2,05 Euro sind, schaue ich, dass ich zum Tanken fahre.“

Bajrus K. steht an Säule 1 und tankt sein völlig leeres Auto voll
Foto: Christian Müller
„Ich habe zufällig gesehen, dass es hier vergleichsweise günstig ist“, erzählt Kranführer Bajrus K. (47), der von der Arbeit kommt und sein Auto volltankt. „Heute Morgen habe ich an einer Tankstelle gesehen, dass der Preis für Diesel bei 2,30 Euro lag. Das war erschreckend. Deswegen bin ich jetzt direkt hier draufgefahren, um zu tanken.“
22 Cent Rabatt in Burgwedel
An der HEM-Tankstelle Giesche in Burgwedel (Niedersachsen) kostet der Liter Diesel um 17 Uhr wieder nur 2,14 Euro statt wie um 12 Uhr 2,36 Euro. Bei Super Plus ist der Preis von 2,31 auf 2,27 Euro, Super von 2,22 auf 2,18 Euro und E10 von 2,16 auf 2,11 Euro gesunken.

Maren Rasing tankt ihr Auto wegen der Preise nicht voll
Foto: WWW.SCHEFFEN.DE
„Die neue Regelung hat aus meiner Sicht nicht viel gebracht. Als ich heute in der günstigsten Tankstelle Niedersachsens tanken wollte, war die Station schon nach zwei Stunden, gegen 14 Uhr dicht“, sagt Hotelangestellte Maren Rasing (59) aus Burgwedel (gehört zur Region Hannover). „Insgesamt wirkt das für mich nicht besonders verbraucherfreundlich, und wirklich günstiger ist es auch nicht geworden. Deshalb habe ich dieses Mal nicht vollgetankt, sondern erst einmal nur für 30 Euro.“

Ines Post schaut jeden Tag nach den Spritpreisen
Foto: WWW.SCHEFFEN.DE
„Wenn ich ehrlich bin, hat sich an den Preisen bisher nicht viel geändert, gefühlt wird es eher teurer“, so Reinigungskraft Ines Post (57) aus Burgdorf (gehört zur Region Hannover). „Deshalb nutze ich die App der HEM-Tankstellen, um günstiger zu tanken. Heute spare ich etwa 30 Cent pro Liter. Eine echte Spritpreisbremse kann ich aber nicht erkennen, das wirkt auf mich eher wie eine Regelung auf dem Papier.“
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Özan Cin findet Tanken kaum noch bezahlbar
Foto: WWW.SCHEFFEN.DE
„Von der aktuellen Spritregelung halte ich ehrlich gesagt nicht viel, weil es gefühlt sogar noch teurer geworden ist. Wirklich geändert hat sich aus meiner Sicht nichts“, ärgert sich der Sozialversicherungsangestellte Özan Cin (23) aus Burgdorf. „Gerade für Berufspendler, die auf das Auto angewiesen sind, ist das sehr ärgerlich. Insgesamt wird Tanken langsam kaum noch bezahlbar.“