Deutsche Konjunkturdaten enttäuschen, während Trumps Ultimatum zum Iran und steigende Energiepreise die Märkte vor dem Feiertag belasten. Die Börsen reagieren mit Risikoaversion.
Liebe Leserinnen und Leser,
am Dienstag schrieb ich Ihnen, die Börsen preisten bereits die Friedensdividende ein, während unter der makroökonomischen Oberfläche Europas eine weitaus zähere Realität lauere. Zwei Tage später hat diese Realität Zahlen bekommen – und sie sind ernüchternd.
Das KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer für den März gleicht einer Kapitulationserklärung. Der Geschäftsklimaindex stürzte um 3,6 Zähler auf minus 18,2 Punkte. Noch schwerer wiegt der Blick nach vorn: Die Geschäftserwartungen für das kommende Halbjahr sackten um 7,6 Zähler auf minus 19,2 Punkte – weit unter dem langfristigen Durchschnitt. Der deutsche Mittelstand, das Rückgrat dieser Volkswirtschaft, verschiebt Investitionen und fährt auf Sicht. Noch Ende Februar deuteten die Frühindikatoren auf einen sanften Aufschwung hin. Davon ist nichts geblieben.
Wenn der Lebensmitteleinkauf zum Stresstest wird
Parallel liefern die Einzelhandelsumsätze für Februar ein Bild, das die Stagflationsthese weiter untermauert. Minus 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat – das allein wäre verkraftbar. Ein Detail aber sollte in Berlin Alarm auslösen: Die Lebensmittelverkäufe brachen um 1,4 Prozent ein. Das ist keine strategische Konsumzurückhaltung mehr. Das ist Kaufkraftverlust, der am Kühlregal sichtbar wird.
Am Dienstag beschrieb ich, wie Aldi Nord und Aldi Süd jeweils rund einen Prozentpunkt Marktanteil gewinnen, während Rewe und Edeka Federn lassen. Die stille Abstimmung mit dem Geldbeutel geht weiter – und sie wird lauter.
Neue Regeln an der Zapfsäule, alte Gesetze am Ölmarkt
Wie dieser Kaufkraftverlust entsteht, lässt sich an jeder deutschen Tankstelle besichtigen. Gestern trat das neue Maßnahmenpaket des Bundestages in Kraft: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich um Punkt 12 Uhr erhöhen. Wer dagegen verstößt, riskiert bis zu 100.000 Euro Bußgeld. Preissenkungen bleiben jederzeit erlaubt.
Politische Regulierung schlägt jedoch keine Marktrealität. Der Dieselpreis durchbrach im bundesweiten Tagesdurchschnitt mit 2,327 Euro sein altes Rekordhoch aus dem März 2022. Super E10 kletterte auf einen neuen Jahreshöchststand von 2,129 Euro. Der Konflikt am Persischen Golf und die Blockade der Straße von Hormus fressen sich unerbittlich in die Bilanzen der Logistiker und die Portemonnaies der Verbraucher. Für Unternehmen bedeutet das explodierende Inputkosten – in einem konjunkturellen Umfeld, das kaum Spielraum lässt, sie weiterzureichen.
Ultimatum, NATO-Zweifel und eine Krisenkonferenz ohne Washington
Die Ursache für diesen Energiepreisschock sitzt in Washington und Teheran. US-Präsident Trump hat in seiner gestrigen Rede an die Nation unmissverständlich klargemacht: Am kommenden Ostermontag, dem 6. April, läuft sein Ultimatum ab. Öffnet der Iran die Straße von Hormus nicht, drohen massive Angriffe auf iranische Energieanlagen.
Die Börsen reagieren mit klassischer Risikoaversion vor dem langen Feiertagswochenende. Der DAX gab am Mittwoch 1,4 Prozent nach. Bemerkenswert: Die bisherigen Börsen-Lieblinge Rheinmetall, HENSOLDT, RENK und TKMS verbuchten deutliche Abschläge. Trumps erneute Gedankenspiele über einen US-Austritt aus der NATO verunsichern die Verteidigungswerte. Citi-Analyst Charles Armitage skizzierte umgehend vier Szenarien für Europas Verteidigungsbudgets – keines davon ist billig. Investoren preisen nun das Risiko ein, dass Europa die gigantischen Rüstungslasten künftig allein stemmen muss, ohne die fiskalische Kraft dafür aufgebaut zu haben. Am Dienstag berichtete ich über die 2,84 Billionen Euro Staatsschulden. Die Zahlen gewinnen in diesem Kontext eine neue Brisanz.
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Während Peking heute Morgen die Schuld für die Hormus-Blockade exklusiv den USA und Israel zuwies, versucht Europa diplomatisch zu retten, was zu retten ist. Die britische Außenministerin Yvette Cooper leitet heute Mittag eine virtuelle Krisenkonferenz mit 35 Staaten – darunter Deutschland, Frankreich und die VAE. Ziel: eine Koalition zur Wiedereröffnung der Seewege. Die USA sitzen demonstrativ nicht am Tisch.
Bremsspuren in Detroit, Aufbruch am Cape Canaveral
Auch abseits der Geopolitik knirscht es. BMW meldete für das erste Quartal einen Absatzrückgang von 3,9 Prozent auf dem US-Markt – 84.231 Fahrzeuge. Bei Mini waren es sogar minus 10,2 Prozent. Die anhaltende Schwäche bei Elektroautos zieht sich als roter Faden durch die gesamte Branche, von München bis Detroit.
Zum Schluss eine Nachricht, die über den Tag hinausreicht. Gestern startete vom Kennedy Space Center die Artemis-2-Mission. Erstmals seit 1972 sind wieder Menschen auf dem Weg, den Mond zu umrunden. An Bord des Orion-Raumschiffs: kritische Schlüsseltechnologien von Airbus, Thales und OHB. Ein Beweis dafür, dass langfristige, grenzüberschreitende Ingenieurskunst selbst in den chaotischsten Zeiten zu Ergebnissen fähig ist, die Schlagzeilen überdauern.
Quintessenz
Wir gehen in ein Osterwochenende, das an den Kapitalmärkten als Tail-Risk-Event eingepreist wird. Wenn am Dienstag die europäischen Börsen wieder öffnen, wird Trumps Ultimatum abgelaufen sein. Die Frage, ob die Friedenssignale, die am Dienstag noch für Euphorie sorgten, mehr waren als taktisches Kalkül – sie wird über Ostern beantwortet. Oder eben nicht.
Ich wünsche Ihnen, trotz der unruhigen Weltlage, erholsame und friedliche Osterfeiertage.
Herzlichst, Ihr
Eduard Altmann