Mit der Trennung von Pam Bondi macht Donald Trump deutlich, dass absolute Loyalität allein in seinem Kabinett nicht mehr ausreicht. Für die Gegner des Präsidenten bedeutet das nichts Gutes.

Noch am Mittwoch war Pam Bondi ganz nahe dran: Am Morgen hatte die Justizministerin Präsident Donald Trump noch zu einer Anhörung vor dem Supreme Court begleitet. Am Mittwochabend, als Trump seine Ansprache an die Nation hielt, war Bondi in der ersten Reihe dabei. Die Justizministerin saß im Publikum nur wenige Meter vom Präsidenten entfernt, direkt neben US-Finanzminister Scott Bessent und Trumps Sondergesandten Steve Witkoff.

Der Rauswurf von Bondi gibt erneut Aufschluss über das Rechtsverständnis des Präsidenten: Die Justiz ist in der Welt von Trump keine übergeordnete, unparteiische Instanz. Für ihn ist sie eine Waffe, die der Präsident für seine eigenen Interessen nutzen kann – und Pam Bondi war ihm offensichtlich trotz ihrer bedingungslosen Loyalität nicht willens genug, von dieser Waffe für Trump Gebrauch zu machen.

Hinter vorgehaltener Hand war schon länger Trumps Unmut gegenüber Bondi spürbar. Der Präsident sei vor allem über den Umgang mit den Epstein-Ermittlungsakten unzufrieden gewesen. Tatsächlich hat Bondi dabei viele Fehler begangen: Das Justizministerium hält weiter Millionen Papiere unter Verschluss, obwohl es gesetzlich zur Freigabe verpflichtet ist.

Zudem wurde Bondi wegen Schwärzungen in den Papieren kritisiert: Viele Namen von Opfern wurden nicht unkenntlich gemacht, während die Namen von mutmaßlichen Tätern ohne Angabe von Gründen geschwärzt wurden.

Die genannten Punkte waren für Trump aber gewiss kein Entlassungsgrund. Das Problem für den Präsidenten war und ist, dass es Bondi nicht gelungen war, eine Distanz zwischen dem Präsidenten und den Epstein-Ermittlungen zu schaffen. Noch immer wird Trump vorgeworfen, seine eigenen Verbindungen zu dem Menschenhändler vertuschen zu wollen. Diese Kritik wird längst nicht nur unter Gegnern des Präsidenten geteilt, sondern teilweise auch unter seinen treuesten Wählern aus der „Make America Great Again“-Bewegung.

Ebenso war Bondi im Umgang mit Trumps politischen Gegnern offenbar zu zaghaft vorgegangen. Die Ministerin, die in den USA gleichzeitig das Amt des Generalstaatsanwaltes innehat, sollte offenbar dafür sorgen, dass Trumps Gegner ins Gefängnis wandern. Trump hatte sich darüber sogar öffentlich beschwert: Fünf Mal sei er angeklagt worden. Zweimal wurde gegen ihn ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet, hieß es auf seiner Plattform Truth Social. Jetzt müsse Bondi gegen die Verantwortlichen vorgehen.