Die Regierung in Syrien hat das berüchtigte Gefangenenlager Al-Hol
im Nordosten des Landes geschlossen. „Die syrischen und nicht syrischen Familien wurden umgesiedelt“, teilte ein von der syrischen Regierung mit
der Verwaltung des Lagers beauftragter Beamter, Fadi al-Kassem, mit. Der letzte Konvoi habe das Lager am Sonntagmorgen verlassen.
Entlassene, die „Hilfe für ihre
Wiedereingliederung“ in die Gesellschaft benötigten, seien laut Al-Kassem in
ein Lager in Achtarin im Norden der Provinz Aleppo und an andere Orte gebracht
worden. Sicherheitskräfte führten derzeit letzte Kontrollen der Zelte im Lager
durch.
Aus Kreisen einer Menschenrechtsorganisation verlautete, alle in Al-Hol
arbeitenden Teams hätten das Lager verlassen; die Ausrüstung sei abgebaut
worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, eine unbestimmte Zahl von Bewohnern habe das Lager verlassen, ohne auf die organisierten Konvois zu warten. Die UN-Flüchtlingshilfe teilte mit, sie habe am Donnerstag bei der
Rückführung von 191 Irakern aus Al-Hol in den Irak
geholfen.
In den vergangenen Jahren waren Tausende ehemalige Mitglieder der Terrormiliz „Islamischer
Staat“ (IS) und deren Angehörige in Gefängnissen und Lagern im Nordosten Syriens
festgehalten worden, wo kurdische Milizen eine autonome Verwaltung
aufgebaut hatten. Al-Hol in der syrischen Provinz Hassaka war bislang das
größte Lager für IS-Familienmitglieder in der Region. Zuletzt lebten dort etwa 24.000 Menschen,
hauptsächlich Frauen und Kinder. Zu den Insassen zählten etwa 15.000 Syrer,
mehrere Tausend Iraker und mehr als 6.000 Menschen aus rund 40 anderen Ländern. Den meisten Menschen in Al-Hol wurden keine Straftaten zur Last gelegt.
IS-Kämpfer in den Irak verlegt
Die syrische Regierung hatte
nach einer Offensive im Nordosten Syriens im Januar die Kontrolle über Al-Hol
übernommen. Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ordnete vergangene
Woche per Dekret eine Generalamnestie für Inhaftierte an. Dabei kündigte die Regierung auch die Schließung von Al-Hol an. Begründet wurde dies mit der abgelegenen Lage, die den Behörden die Kontrolle über das Lager erschwere.
In den vergangenen Wochen hatten die USA bereits Tausende
inhaftierte Ex-IS-Kämpfer aus Syrien in den Irak verlegt. Dies sollte laut US-Militär sicherstellen, dass die gefangenen Islamisten „in sicheren Haftanstalten bleiben“. Hintergrund der
Aktion waren Spannungen zwischen der syrischen Übergangsregierung und der von
Kurden dominierten Miliz SDF, die als US-Verbündeter eine bedeutende Rolle im
militärischen Kampf gegen den IS gespielt hatte.
Syrien
Syrien:
IS kündigt weitere Anschläge auf syrische Führung an
Syrien:
USA planen offenbar vollständigen Abzug ihrer Truppen aus Syrien
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
Rafik Schami:
„Die schönsten Erinnerungen trösten ein Leben lang“