Nach der Absage der Art&Antique wurde auf Wunsch der Händler in Windeseile eine neue Ostermesse in Salzburg auf die Beine gestellt. Das Ergebnis ist eine Miniboutiquemesse mit teils hohem Niveau.
Es war ein Kraftakt. Nach der Absage der traditionellen Kunst- und Antiquitätenmesse Art&Antique in der Salzburger Residenz glaubte kaum jemand, dass nur sieben Wochen später die Salzburg International Fine Art Fair (SIFAF) ihr Debüt geben wird (bis 6. April). Doch wenn der Hut brennt, wird vieles möglich. Die Salzburger Festspiele mit ihrem internationalen, betuchten und vor allem an Kunst und Kultur interessierten Publikum bietet einzigartige Verkaufsmöglichkeiten für den heimischen Kunsthandel. Es brauchte also dringend eine Lösung und so wandte sich die Wiener Kunsthändlerin Sylvia Kovacek an Messemacher Wolfgang Pelz.
Die Location war rasch gefunden, das Haus Koller am Waagplatz unweit der Residenz. Ein altes Bürgerhaus aus dem 12. Jahrhundert hat zwar Charme, aber ist für eine Messe nicht leicht zu bespielen. Pelz musste sämtliche Räume mit Messewänden auskleiden und ein eigenes Beleuchtungssystem an diesen Wänden installieren, denn das Haus steht unter Denkmalschutz. Dazu beauftragte er einen Salzburger Tischler, der kurzfristig alle anderen Aufträge liegen und stehen ließ und die Wände maßanfertigte, denn ein altes Haus wie dieses hat keine Standardmaße. Das war für Pelz eine große finanzielle Investition, die sich mit der Ostermesse nicht rechnet zumal nur 20 Aussteller bei der SIFAF Platz fanden, Keller inklusive. „Wir müssen hier mindestens zwei bis drei weitere Projekte machen damit es für mich wirtschaftlich Sinn macht“, gibt Pelz zu. Diese Projekte hat er schon geplant. So wird es zu den Pfingstfestspielen vom 22. bis 25. Mai und während der Sommerfestspiele vom 7. bis 16. August wieder eine SIFAF im Haus Koller geben. Zusätzlich setzt Pelz auf die Ausfälle der zeitgenössischen Kunstmessen in Wien und möchte vom 29. Juli bis 2. August eine Salzburg Contemporary aus der Taufe heben. „Einige namhafte Salzburger und Wiener Galerien sind interessiert“, sagt Pelz.
Ob es zu diesen Messen kommen wird, hängt wohl davon ab, wie gut die erste SIFAF für die Händler funktioniert. Es gab einige Unstimmigkeiten vor Beginn. Das zusätzliche Zelt vor dem Haus wurde nicht bewilligt. Susanne Bauer musste improvisieren und stellt jetzt am Gang aus. Sie sieht es pragmatisch: „Der Vorteil ist, jeder muss hier durch.“ Und sie hat auch bei der Preview, die rammelvoll mit Besuchern war, verkauft. Schwab & Patzl Kunsthandel logiert in der Fischerstube. Der Raum ist klein und etwas überladen. Verkauft haben sie gleich zu Beginn sehr gut, darunter zwei Gartenskulpturen aus Sandstein, ein Service mit Hundemotiv und eine Papagenofigur von Vally Wieselthier. Ihr Angebot reicht von Fauteuils von Gio Ponti um 12.600 Euro bis zu einem Tiffany Armband mit Diamanten aus den 1960ern für 64.000 Euro. Kolhammer&Mahringer, die ebenfalls einen Gang nützen, haben dort eine regionale Wand gehängt, unter anderem mit einem Josef Stoitzner „Sommertag im Oberpinzgau“ für 48.000 Euro. Rechtzeitig zur Eröffnung wurde vom Restaurator eine thronende Madonna im weichen Stil aus Salzburg um 1410 geliefert, erzählt Alfred Kolhammer. Verkauft hat er zwei Aquarelle von Kokoschka, eine Radierung von Picasso und eine Arbeit von Herbert Brandl. Bruder Nikolaus Kolhammer bietet Arbeiten der Werkstatt Hagenauer und einen Arnulf Rainer für 165.000 Euro, den er noch rechtzeitig zur Messe bekommen hat.

Sylvia Kovacek hat ein seltenes Aquarell von Egon Schiele für 350.000 Euro im Programm beigestellt
Einen bezaubernden Wiener Werkstätte-Raum hat Wolfgang Bauer von Bel Etage eingerichtet. Höhepunkt ist eine Uhr von Josef Hoffmann für 320.000 Euro. Die Galerie Hieke hat wieder Kunst von Malerinnen dabei, darunter ein „Stillleben mit Pfingstrosen, Lilien und Zitronen“ von Broncia Koller-Pinell für 52.000 Euro und einen in Frankreich wiederentdeckten Akt von Helene Funke für 75.000 Euro. Im obersten Geschoß mit Glasdach samt Blick auf die Festung Salzburg haben sich Wienerroither&Kohlbacher und Sylvia Kovacek eingerichtet. Letztere hat ein seltenes Aquarell, eine Studie für ein nicht ausgeführtes Gemälde von Egon Schiele zum Verkauf für 350.000 Euro. W&K, die bereits einen Max Weiler verkauft haben, trauen sich auf der Messe „Schwertlilien“ vom umstrittenen Otto Muehl zu hängen. Preis: 115.000 Euro.
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