
Die Rhein-Neckar Löwen hängen im sportlichen Mittelmaß fest. Zudem belasteten Konflikte zwischen Trainer Maik Machulla und Sportchef Uwe Gensheimer die Situation im Club. Der hat nun Konsequenzen gezogen.
Die Rhein-Neckar Löwen geben die Hoffnung nicht auf. Den noch hat das Team von Trainer Maik Machulla, Kapitän Patrick Groetzki und Co. in der Handball-Bundesliga tatsächlich eine kleine Chance auf eine Europapokal-Teilnahme. „Wir wollen uns am Ende nichts vorwerfen lassen und irgendwie dranbleiben“, sagte Groetzki. Als Tabellensiebter liegt der Club momentan vier Punkte hinter dem TBV Lemgo Lippe auf Platz sechs. Zuletzt gab es jedoch allerhand Unruhe im Verein.
Immerhin konnten die Rhein-Neckar Löwen ein Damokles-Schwert über den eigenen Europapokal-Ambitionen abhängen: Wegen eines Formfehlers bei einer Anti-Doping-Schiedsvereinbarung drohte den Löwen ein Punkt-Abzug aus der eigentlich gewonnenen Partie gegen Lemgo. Die Löwen hatten einen Spieler eingesetzt, von dem kein unterschriebenes Dokument vorlag. Damit hätten die Löwen den internationalen Wettbewerb geradezu abhaken können. Doch an Gründonnerstag kam die erlösende Mitteilung vom DHB-Bundessportgericht: Dessen zweite Kammer hat dem Einspruch der Rhein-Neckar Löwen stattgegeben. Gegen das Urteil kann aber noch binnen zwei Wochen Revision eingelegt werden.
Machulla und Gensheimer bei den Rhein-Neckar Löwen im Fokus
Doch auch mit diesen Punkten haben die Rhein-Neckar Löwen ein Problem: Sie hängen weiterhin im Mittelmaß fest. In jenem Mittelmaß, aus dem Maik Machulla die Löwen eigentlich herausführen soll. Der Trainer war im Sommer 2025 angetreten, um die Löwen wieder zu einem Topclub zu machen. Und zwar gemeinsam mit Sportchef und Club-Ikone Uwe Gensheimer. Zwei große Namen. Und zwei starke Persönlichkeiten, zwischen denen es nach übereinstimmenden Medienberichten allerdings kriselt. Von einem „belasteten Verhältnis“ schreiben die „Rhein-Neckar-Zeitung“ und der „Mannheimer Morgen“.
Maik Machulla soll die Rhein-Neckar Löwen wieder zu einem Topclub zu machen.
Der Ex-Flensburger Machulla bezeichnete die Beziehung zuletzt zwar als „gut“. Der Coach räumte aber ebenso ein, dass es hin und wieder im Sinne der Sache auch „hitzige“ Diskussionen gebe. Sogar von einer Trennung war die Rede. Doch entgegen der Gerüchte der vergangenen Wochen wird Sportchef und Club-Ikone Uwe Gensheimer die Rhein-Neckar Löwen nicht verlassen. Wie die Rhein-Neckar Löwen an Karfreitag mitteilten, soll der langjährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft im Zuge einer Neuausrichtung ein Scouting-Netzwerk aufbauen und die Internationalisierung des Clubs vorantreiben.
Gensheimer nicht mehr Sportchef der Löwen
„Nicht jede Konstellation funktioniert so, wie man es sich vorstellt – das ist auch nichts Ungewöhnliches. Was zählt, ist, wie man damit umgeht. Wir haben das gemeinsam besprochen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir uns neu aufstellen wollen“, wird Geschäftsführer Holger Bachert in einer Pressemitteilung des Vereins zitiert. „Uwe ist das Gesicht der Löwen und seine Verbundenheit mit diesem Verein ist keine Frage der Funktion – die war und ist immer da.“
Gensheimer bezeichnete die vergangenen Wochen als schwierig. „Ich bin aber froh, dass wir offen miteinander geredet haben und zu dem Ergebnis gekommen sind, dass es für mich in einer anderen Funktion bei den Löwen weitergeht. Die Löwen sind ein Teil von mir. Das stand nie in Frage“, stellte der ehemalige Nationalspieler klar. Kommt nun Ruhe in den Verein?
Rhein-Neckar Löwen brauchen eine Siegesserie
Klar ist: Um sich noch die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb zu sichern, brauchen die Löwen nun eine Siegesserie und auch ein wenig Glück. „Da müssen andere Mannschaften mitspielen“, sagte Groetzki. Allerdings war den Mannheimern schon vor der Saison klar, dass es mit acht Neuzugängen schwer mit einer Topplatzierung werden würde. „Wir wussten von Anfang an, dass wir noch nicht so weit sind“, meinte Machulla, bei dem der Blick schon vorausgeht.
Der Trainer setzt zum Großteil auf die Spieler, die auch in der kommenden Saison noch da sind. Edwin Aspenbäck erhält beispielsweise mehr Einsatzzeit als Lukas Sandell, der den Verein verlässt. „Jede Minute, die Eddie in dieser Saison mehr spielt als Lukas, ist eine Minute, die wir in die Zukunft investieren“, sagte Machulla, der für diesen Kurs bislang belohnt wurde. Aspenbäck ist der Senkrechtstarter im Trikot der Mannheimer.
Spagat mit Club-Ikone Groetzki
Patrick Groetzki wird seine Karriere im Sommer bei den Rhein-Neckar Löwen beenden.
Etwas schwieriger ist die Lage auf der Rechtsaußenposition. Der 20-jährige Gino Steenaerts drängt ins Team und soll sich entwickeln. Gleichzeitig gibt es aber auch noch Vereinslegende Groetzki, der seit 2007 bei den Rhein-Neckar Löwen ist und im Sommer eine Aufgabe im Löwen-Management übernimmt. Steenaerts bekommt zwar mehr und mehr Spiel-Anteile, doch Machulla will ebenso einen Spagat meistern: „Patrick soll seine Karriere nicht als Spieler beenden, der von der Bank kommt.“
Mit Groetzki verlieren die Mannheimer im Sommer einen weiteren früheren Meisterhelden, ein anderer kommt dafür zurück. Marius Steinhauser wechselt von der TSV Hannover-Burgdorf zu den Löwen, die schon sehr früh ihre Personalplanungen abgeschlossen haben. Klar sind ebenfalls die Transfers von Jacob Lassen (HSV Hamburg), Aron Seesing (Bergischer HC) und Niclas Mierzwa (Pfadi Winterthur), was Machulla optimistisch in die Zukunft blicken lässt: „Mit diesem Kader können wir sehr, sehr happy sein“, sagt er.