Ab und zu, sagt Margit König, wird sie schon untreu: Da reist sie dann beispielsweise nach Frankfurt oder wie zuletzt nach Zürich, um die dortigen Tiergärten zu besuchen. Ausgerüstet mit Papier, Stiften, Pinseln, Tusche, Wachspastell- und Aquarellfarben sucht sie dann in anderen europäischen Zoos nach richtig guten Momenten, in denen sie die Zootiere malerisch festhalten kann. Wie die Gorillas im Zoo in Zürich, die es in Wien nicht gibt.
Ihre Homebase aber ist zweifellos und immer schon der Tiergarten Schönbrunn, in dem man sie jahrein, jahraus fast jeden Tag – nur an den Wochenenden ist ihr zu viel los – antreffen kann. Häufig sieht man sie, wie sie ihren Klappsessel und ihre schwarze Zeichenmappe auf einem kleinen Wagerl hinter sich herzieht. Oder sie sitzt, über ein Blatt Papier gebeugt, konzentriert vor einem Gehege, und malt. „Was ich male und mit welcher Technik“, sagt sie, „weiß ich vorher nie. Das entscheide ich immer spontan.“
35 Jahre schon ist die Malerin in Schönbrunn unterwegs, inspiriert von den Pflicht-Exkursionen in den Tiergarten während des Kunststudiums, die bei ihren Kolleginnen und Kollegen wegen der eher nicht geduldig still sitzenden Tiere nicht übertrieben beliebt waren. König aber blieb hier hängen und sagt heute: „Ein schöneres Atelier als den Zoo gibt es für mich nicht.“

Die südamerikanischen Wasserschweine aus dem Schönbrunner Tiergarten, eines der Bilder in der Ausstellung von Margit König, die im Elefantenhaus noch bis 8. April zu sehen ist. Margit König
Zum 35-Jahr-Jubiläum ihrer malerischen Tätigkeit im Tiergarten ist derzeit eine Jubiläumsausstellung im Elefantenhaus zu sehen. „Das ist aber keine Retrospektive“, sagt sie, ausgewählt hat sie für die Schau, die noch bis 8. April läuft, eher jüngere Bilder, auf denen sie etwa aktuelle Jungtiere wie die Geparden-Babys („Da hatte ich Glück, zwei haben neben der Mutter geschlafen“), den Nachwuchs bei den Wasserschweinen oder auch brütende Pelikane festgehalten hat. Oft verwendet sie, wie sie erzählt, „Mischtechniken“; kombiniert also etwa Federzeichnung mit Aquarellmalerei.
Dass König längst eine Institution im Zoo ist, merkt man, wenn man mit ihr durch den Zoo spaziert und sie an jeder Ecke einen Tierpfleger grüßt. König ist aber auch im Tiergarten-Wimmelbuch verewigt. Immer wieder begegnet sie erstaunten Kindern, die die „Malerin Margit“ aus dem Wimmelbuch kennen und sie dann plötzlich im echten Leben im Zoo sehen.
Überhaupt mag sie den Austausch mit den Zoobesuchern, besonders mit den Kindern. „Es sind ja auch viele Touristen da, da entstehen oft interessante Gespräche“, sagt sie. „Wenn ich den Menschen erzähle, dass ich wirklich alles direkt im Zoo male, interessiert sie das sehr.“ Tatsächlich entstehen alle Bilder direkt beim jeweiligen Gehege, „alles immer direkt und live“, wie die Künstlerin es formuliert. Oft malt sie auch gleich mehrere Bilder von einem Tier, „bis ich eines habe, zu dem ich stehe“. Nachbearbeitet werden die Malereien später dann nicht mehr, Tiere von Fotos abzumalen würde ihr sowieso nie in den Sinn kommen.
Die beste Zeit, um im Tiergarten zu malen? „Ganz in der Früh ist es natürlich am besten“, sagt König, die sogar vor der offiziellen Öffnung um 9 Uhr schon in den Zoo darf. Am Morgen, wenn noch wenige Besucher unterwegs sind, kann sie oft ganz besondere Momente einfangen, die Tiere in Ruhe beobachten. Setzt sich etwa vor die Glasscheibe bei den Amur-Leoparden, um das sehr aktive Jungtier zu beobachten. „Gerade im Frühling“, wenn es viel Nachwuchs gibt, sei es im Zoo interessant, „ich mag aber jede Jahreszeit“. Im Winter malt sie eher in den Innenbereichen. Und: Tricks kennt sie natürlich auch, um zu guten Motiven zu kommen: Die Wölfe etwa werden um 11 Uhr gefüttert, wenn sie da etwas davor kommt, sind sie besonders neugierig, weil sie schon auf ihre Fütterung warten.

Margit König bei den Hauswasserbüffeln im Tiergarten Schönbrunn, die sie auch immer wieder gern malt. Clemens Fabry
Andere Tiere malt sie eher selten: Die Sikahirsche und Hirschziegenantilopen etwa – dass vor Kurzem ein Antilopen-Jungtier von einem Unbekannten erschossen wurde, hat König von einem Besucher ihrer Ausstellung erfahren – leben in einem weitläufigen Gehege und halten sich meist in einiger Entfernung zu den Besuchern auf: Zu weit weg also, sagt König, um den Gesichtsausdruck der Tiere einfangen zu können.
Malt sie eigentlich jemals auch Menschen? Schon, sagt König. Wenn sie in einen anderen Zoo reist „habe ich immer meinen Block mit und male die Menschen im Zug“. Ab und zu ist sie auch bei Mal-Matineen, „da sind wir fünf Frauen, und wir laden verschiedene interessante Leute ein“, die sich malen lassen. Aber auch, wenn Menschen geduldig stillhalten und sich daher leichter malen lassen: Die große Leidenschaft von König bleiben die Tiere.
Info
Margit König ist außer am Wochenende fast täglich im Tiergarten Schönbrunn unterwegs, um die Zootiere zu malen.
Im Elefantenhaus im Tiergarten ist derzeit ihre Jubiläumsausstellung „35 Jahre Malen im Tiergarten Schönbrunn“ zu sehen, ihre Bilder können auch gekauft werden. Noch bis inklusive 8.4. zu den Zoo-Öffnungszeiten (9 bis 18.30 Uhr). Infos: zoovienna.at