Eigentlich hat er elf Tage zuvor ja schon seinen 51. Geburtstag gefeiert. Dabei feiert er noch immer seinen Fünfzigsten. Kool Savas nimmt sich eben Zeit. Zeit nimmt er sich auch am Samstagabend in der Porsche-Arena: Mehr als zwei Stunden steht er da auf der Bühne, spuckt hin und wieder auf den Boden, spuckt ständig Silben ins Publikum, und das Publikum spuckt Silben zurück. Manchmal auch leuchtet auf den Wänden der Schriftzug „50 Jahre Kool Savas“. Gäste hat er viele, auf der Bühne und vor ihr: Die Halle ist ausverkauft, 6000 Fans feiern.

Ganz zu Beginn ist da ein Vorhang und auf dem Vorhang Bilder: Hinterhöfe, mutmaßlich in Berlin, ein alter Mann, der Tee trinkt, Sprayer, immer wieder Kool Savas, auf der Straße, irgendwo, mit anderen Rappern. „Junge“, sagt einer zu ihm, „worauf wartest du?“ – „Ich bin bereit, Dicka, ich musste nur mal kurz zurückblicken.“

Vor kurzem ist Kool Savas 50 geworden. Foto: Lichtgut

Den Blick zurück zelebriert Kool Savas auf seiner Tour, mit einer langen Setlist, die durch die Dekaden seiner Rap-Karriere führt. Geboren wurde er in Aachen, bekannt wurde er in Berlin. Er lebte auch einmal in Stuttgart, davon erzählt er später. In den 1990er Jahren erschien er auf der Szene. Heute nennt er sich König des deutschen Raps und hat Gründe dafür. Kool Savas war einer der ersten Rapper, die in Deutschland kontroverse Themen aufgriffen – er reimte auch mal frauenfeindlich, er entschuldigte sich. Nicht jeden Moment seiner Vergangenheit lässt er Revue passieren.

Heute ist Kool Savas (eigentlich heißt er Savaş Yurderi) ein souveräner Entertainer mit viel Energie, längst erwachsen und Familienvater. Sein Sohn kommt zu ihm auf die Bühne am Samstagabend – ein ganz junger Rapper, der für wenige Stücke bleibt, das Mikrofon schon ganz so selbstbewusst bedient wie der Vater. Kool Savas umarmt ihn. Die Begeisterung, die ihm aus der Porsche-Arena entgegenschlägt, ist enorm.

Kool Savas sucht Nähe zum Publikum

Savas Bühne ist mit niederen Wänden abgegrenzt, voller zerrissener Plakate, Graffitis – Überreste der Berliner Mauer? Natürlich rappt er irgendwann: „Egal ob ich dich lieb oder hass‘… Dicka, ich bleib in Berlin.“ Über der Mauer die großen Bildwände, voller Szenen aus Gegenwart und Vergangenheit, Polaroids, die zu leben beginnen. Es gibt einen großen Tisch auf dieser Bühne, an dem Kool Savas‘ DJ steht. Es gibt einen kleinen Steg, der hinausführt ins Publikum, mit einem flachen Podest, auf dem Kool Savas den größten Teil des Abends verbringt: Ganz in Schwarz, silberne Kette, federt er auf und ab, wirft den Arm in die Luft, lässt seine Reime in schnellem Tempo aufeinanderfolgen. Und stets sind andere Rapper um ihn.

Mit seiner Tour feiert er die Dekaden seiner Rap-Karriere. Foto: Lichtgut

Eine famose Sängerin umkreist ihn, gibt vielen seiner kantigen Raps eine soulige Wendung, tritt mal in den Vordergrund, dann wieder zurück. Früh schon begrüßt Kool Savas seine „Homies“ aus Berlin. Olli Banjo, Moe Mitchell und die rothaarige Rapperin Badmómzjay stehen mit ihm auf der Bühne.

Kool Savas rappt „Alle schieben Optik“, er ruft: „Futur“ und die Porsche-Arena antwortet „Rama!“ Er rappt: „Sie wollen alle nur Krieg, obwohl es am Ende nur Verlierer gibt“, rappt „Das ist der Rhythmus meines Lebens“ und „Immer, wenn ich rhyme.“ Ganz zu Begin seines Konzertes sagte er: „Mein Rapleben ist wie ein Buch und jeder Song ist wie ein Kapitel oder eine Anekdote daraus.“

Und Stuttgart? Kool Savas erinnert sich gut an die neue Weinsteige. Dort wurde er geblitzt. Nur wegen Stuttgart, sagt er, verlor er seinen Führerschein, musste zur medizinisch psychologischen Untersuchung. Er hält keine schöne Vokabel bereit für das, was Stuttgart mit ihm tat, und er zog schließlich nach Berlin, ein guter Anwalt riet es ihm: „Dann wurde alles gut.“

Am Samstag will er dennoch ein wenig länger bleiben. In der Zugabe kommt Eko Fresh zu ihm auf die Bühne, und die Party geht noch einmal richtig los.