Mit Lynk & Co kommt der neunte chinesische Autohersteller nach Österreich. Europachef Appelgren im Interview über die Positionierung, die Lektionen, die man bisher gelernt hat, und darüber, was der Name eigentlich bedeutet.

Ein neuer Monat, eine neue chinesische Automarke, die nach Österreich kommt. Nach unter anderem BYD, Omoda, Jaeccoo und Leapmotor ist es jetzt Lynk & Co. Hinter der Marke steht der Hersteller Geely, zu dem auch die schwedische Marke Volvo und der Elektroauto-Hersteller Polestar gehören.

Lynk, 2016 gegründet, kommt mit drei Pkw-Modellen nach Österreich: dem 01 (ein Plug-in-Hybrid), dem vollelektrischen 02 und dem Flaggschiff der Marke, dem Lynk 08 (ebenfalls ein Plug-in-Hybrid; mehr zu den Autos im Auto-Motor-Teil der „Presse“ in der Freitag-Ausgabe).

Begonnen hat der chinesische Autobauer in ausgesuchten Ländern in Europa im Jahr 2021 mit einem reinen Abo-Modell, kaufen konnte man die Autos nicht. Im vergangenen Jahr beendete der Hersteller die Abomöglichkeit, man konzentriert sich nun auf den Einzelhandel.

Im Interview erklärt Europa-Chef Nicolas Lopez Appelgren, was man aus den Fehlern beim Abomodell gelernt hat, er erklärt die Marke und die Strategie.

Die Presse: Wenn ich richtig gerechnet habe, ist Lynk & Co mittlerweile die neunte chinesische Automarke, die nach Österreich kommt. Was unterscheidet sie von den acht anderen?

Nicolas Lopez Appelgren: Das ist eine berechtigte Frage. Der entscheidende Punkt ist: Wir sind kein klassischer China-Import, wir sind keine Marke, die in China entwickelt wurde und dann einfach nach Europa exportiert wird. Wir verstehen uns als globales Gemeinschaftsprojekt. Unsere Fahrzeuge werden in Göteborg designt und entwickelt. Wir haben ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum, das Software und Hardware für den europäischen Markt anpasst. 

Trotzdem: Die Autos werden in China gebaut.

Ja, die Produktion findet in China statt – aber Entwicklung und Design erfolgen zu großen Teilen in Europa. Viele andere chinesische Marken werden primär für den chinesischen Markt konzipiert und dann nach Europa gebracht. Wir hingegen verstehen uns von Beginn an als internationale Marke.

Sie gehören gemeinsam mit Volvo und Zeekr zum gleichen Konzernumfeld, zu Geely. Warum sollte sich ein Kunde für Link & Co entscheiden und nicht für Volvo, Polestar oder Zeekr?

Wir besetzen ein ganz anderes Segment. Volvo und Polestar sind Premiummarken mit deutlich höheren Preisen. Wir haben nicht den Anspruch, preislich mit Audi zu konkurrieren. Wir sehen uns eher auf Augenhöhe mit Marken wie Cupra oder Kia. Unsere Zielgruppe ist jünger und progressiver.

Und warum sollte ein Kunde einen Lynk kaufen und nicht einen Cupra oder Kia?

Wir bringen Innovationen, die es dort so nicht gibt. Nehmen Sie unser Plug-in-Hybrid-Modell 08: Er schafft eine elektrische Reichweite von 200 Kilometern. Das ist ein echter Gamechanger.

Die 200 Kilometer sind doch mehr ein Marketinggag. Von Studien wissen wir, dass PHEV nur selten aufgeladen werden.

Wir sehen bei unserem Modell 01, dass die Menschen überwiegend elektrisch fahren. Gerade in Nordeuropa wird das Auto regelmäßig geladen. Mit einer elektrischen Reichweite von 200 Kilometern wird der Anreiz deutlich größer, das verändert das Nutzungsverhalten.

Apropos 01: Chinesische Marken werden mit dem Adjektiv günstig assoziiert. Das Kompakt-SUV kostet fast 40.000 Euro. Das ist eine ambitionierte Preisansage.

Wenn man die Ausstattung vergleicht, bekommt man bei uns für 39.000 Euro ein sehr hochwertig ausgestattetes Fahrzeug. Ein vergleichbar ausgestatteter Cupra oder Kia liegt preislich deutlich höher. 

Lynk & Co haben in Europa mit einem Abomodell begonnen, jetzt wird man eine klassische Kaufmarke. Hat das Abo nicht funktioniert?

Das Abomodell war gut für den Marktstart, damit wir bekannt und sichtbar werden. Aber operativ war es komplex. Wir haben beispielsweise unterschätzt, wie wichtig Ersatzteilversorgung und Service sind. Deshalb gehen wir in Österreich von Beginn an über Händler und sind vollständig in die Volvo-Teilelogistik und -Werkstätten integriert.

Lynk bietet aktuell sowohl Elektro- als auch Plug-in-Hybridmodelle an. Wie wird man sich künftig ausrichten?

Wir beobachten den Markt sehr genau. Rahmenbedingungen ändern sich schnell – Regulierungen, Zölle, Nachfrage. Den 08 mit dem großen Akku verstehen wir als Brücke zwischen zwei Welten. Der 02 ist vollelektrisch. Neue Batterietechnologien kommen. Unser Ziel ist es, jedes Jahr ein Modell neu einzuführen oder deutlich zu überarbeiten.

Was ist heuer Ihr Verkaufsziel in Österreich und Europa?

In Österreich peilen wir mittelfristig 1000 Modelle an, in Europa rechnen wir heuer mit 20.000 bis 30.000 Neuzulassungen.

Was bedeutet eigentlich der Name Lynk & Co?

Ganz ehrlich: Am Anfang klang es einfach cool, so ähnlich wie Abercrombie & Fitch. Natürlich kann man Lynk als den Link, die Verbindung zwischen Ost und West interpretieren. Und das Co steht einfach für die Kooperation, für die Zusammenarbeit auch mit den Kunden. 

Zur Person

 Kevin Peng

Nicolas Lopez Appelgren ist seit Jänner 2024 CEO von Lynk & Co in Europa. Er ist seit 30 Jahren in der Autoindustrie tätig und arbeitet zuvor als Head of Retail Operations bei Volvo Cars.

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