Die Abenteuer des Herrn Tau

Wie viele andere Kinderfilme und -serien aus der ČSSR überbrückten auch „Die Abenteuer des Herrn Tau“ mühelos die innerdeutsche Grenze. Der freundliche Herr im Stresemann-Anzug und mit Melone, Regenschirm und weißer Nelke im Knopfloch war bei Kindern in Ost und West über Jahrzehnte gleichermaßen beliebt. Von einem fremden Planeten reist er auf die Erde, um Kindern mit seiner Zauberkraft als nur für sie sichtbarer Freund zur Seite zu stehen. Dabei verständigt er sich ohne Worte (nur in den letzten fünf von insgesamt 33 Folgen spricht Herr Tau) und zaubert mit seiner typischen Handbewegung: kurzes Fingertrommeln auf der Melone, eine Handbewegung rund um den Hut und noch einmal ein Streichen an der Hutkrempe.

Durch sein Wirken führt er die Fantasiewelt der Kinder und die Realität der Erwachsenen zusammen und sorgt dafür, dass Eltern und Großeltern ihren Nachwuchs besser verstehen. Regisseur Jindrich Polak wurde für seine Kinderproduktionen, zu denen auch „Clown Ferdinand“ und „Luzie, der Schrecken der Straße“ gehören, mehrfach ausgezeichnet.

Adolars phantastische Abenteuer / Heißer Draht ins Jenseits

Diese ungarische Zeichentrickserie um den hochbegabten zwölfjährigen Adolar, seinen Hund Schnuffi und die leicht durchgeknallte Familie Mézga war auch in der DDR ein echter Renner. In den ersten Folgen, die unter dem Titel „Heißer Draht ins Jenseits“ liefen, gelingt Adolar die Kontaktaufnahme mit den Nachkommen der Mézgas im 30. Jahrhundert. Die zweite Staffel nahm die Zuschauer mit auf „Adolars phantastische Abenteuer“, die er und Schnuffi auf fremden Planeten erlebten.

Unterwegs in fremde Galaxien waren sie mit einer aufblasbaren Weltraumrakete, die Adolar in einem Geigenkasten unter seinem Bett versteckt. Die Animationen sind herrlich comic-artig, den Titelsong „Spiel doch mal verrückt!“ konnte jeder Lausbub auf dem Schulhof mitsingen.

Der kleine Maulwurf

Der tschechische Zeichner Zdeněk Miler schuf mit „Der kleine Maulwurf“ eine geradezu ikonische Zeichentrickfigur, die „Micky Maus“ in ihrer Bekanntheit wohl um nichts nachsteht. In insgesamt 63 Episoden erlebt der putzige schwarze Höhlenbewohner spannende Abenteuer mit seinen tierischen Freunden, die auch Teil der „Sendung mit der Maus“ waren.

Immer wieder stehen Freundschaft und der Schutz der Natur im Mittelpunkt des Geschehens, das der kleine Maulwurf mit seiner umwerfend-niedlichen Mischung aus Tollpatschigkeit und Lebensklugheit meistert. In über 80 Ländern wurde die Serie zum Erfolg, Plüsch-Maulwürfe flogen mit einem Space Shuttle und wenig später mit einer Sojus-Kapsel ins Weltall. Viel mehr zur Völkerverständigung kann eine kleine Zeichenfigur eigentlich nicht beitragen.

Spuk unterm Riesenrad / Spuk im Hochhaus / Spuk von draußen

Spuk unterm Riesenrad“ war so beliebt, dass zwei Fortsetzungen realisiert wurden und im Jahr 2024 sogar ein Remake ins Kino kam. Drei Figuren aus der Geisterbahn im Berliner Plänterwald erwachen zum Leben, als sie von den Kindern der Schausteller in der Spree gebadet werden. Der Riese Otto, die Hexe Emma und das Rumpelstilzchen verbreiten ihren Spuk von da an in der realen Welt.

Die Kinder Keks, Umbo und Tammi wollen ihren Fehler wieder gutmachen und verfolgen die drei gespenstischen Ausreißer bis zum Hexentanzplatz im Harz, wo alles ein versöhnliches Ende nimmt. Riese Otto und Hexe Emma bleiben Menschen und schwören der Spukerei ab, nur Rumpelstilzchen … Die Fortsetzungen „Spuk im Hochhaus“ und „Spuk von draußen“ erzählen eigene Geschichten mit anderen Darstellern, nur die Mischung aus Komik und kindlichem Grusel bleibt.

Filme mit Gojko Mitić

Im Bereich des Genres Western gelang der DDR beinahe, was Walter Ulbricht einst als sozialistische Losung herausgab: „Überholen, ohne einzuholen“. Die Filme der DEFA konnten mit den Karl-May-Verfilmungen aus dem Westen unbedingt mithalten, und mit Häuptling Gojko Mitić hatten sie sogar einen gleichermaßen beliebten Hauptdarsteller wie Pierre Briece als Winnetou. Im DDR-Fernsehen wurden sie oft und gern gezeigt, sehr zur Freude der jugendlichen Zuschauer.

„Die Söhne der großen Bärin“, „Chingachgook, die große Schlange“ oder „Osceola“ waren Kassenschlager in den Kinos der DDR. Wer als Junge in der DDR aufwuchs, der wollte sein wie Tokei-ihto, Weitspähender Falke oder Tecumseh: stark, mutig, gerecht im Angesicht eines übermächtigen Feindes. Und natürlich so athletisch und so gut aussehend, wie der aus Jugoslawien stammende Gojko Mitić, Held in insgesamt 12 Spielfilmen, die zwischen 1966 und 1983 von der DEFA produziert wurden.

Lolek & Bolek 

Im Jahr 1964 flimmerten die beiden Zeichentrick-Brüder Lolek und Bolek erstmals über die polnischen Bildschirme. Dem ersten Kurzabenteuer „Die Armbrust“ folgten über 150 weitere, die bis 1986 produziert wurden und sich auch in der DDR großer Beliebtheit erfreuten.

Die einzelnen Staffeln der Serie widmeten sich zum Teil bestimmten Themen, so erlebten die beiden Abenteuer bei den Bergleuten oder im Märchenland. Aus den Episoden der Staffeln „Lolek und Bolek bei der Olympiade“ und „Lolek und Bolek im Wilden Westen“ entstanden sogar abendfüllende Spielfilme. Im sorbischen Domowina-Verlag in Bautzen wurden auch zehn Comic-Hefte mit den beiden Helden aus dem Nachbarland verlegt.

Hase und Wolf

„Nu sajaz, nu pogodi!“ Dieser Ausruf oder seine Kurzform „Nu pogodi!“ war in der DDR durchaus ein geflügeltes Wort, wenn jemand scherzhaft ein „Na warte, du!“ zurufen wollte. Beredtes Zeugnis der Beliebtheit der Zeichentrickserie „Hase und Wolf“, deren 16 Folgen zwischen 1969 und 1986 in Moskau produziert wurden. In jeder Episode versucht der Wolf, den Hasen zu fangen, was natürlich nie gelingt.

Der schlaue Hase ist dem Papyrosi rauchenden Raufbold stets eine Nasenlänge voraus und hat die Lacher stets auf seiner Seite. Am Ende jedes Abenteuers, wenn der Hase seinem Verfolger wieder einmal entwischt ist, schickt ihm der unterlegene Wolf sein „Nun Hase, na warte!“ hinterher: „Nu sajaz, nu pogodi!“