
AUDIO: Zwischen Heimweh und Weite: Johannes Oerdings Album „Hotel“ (6 Min)
Stand: 06.04.2026 10:45 Uhr
Das Hotel als Bild fürs Leben: Auf seinem neuen Album singt Johannes Oerding über das Unterwegs-Sein, flüchtige Begegnungen und Heimweh. Er musiziert dabei mit Peter Maffay und Michael Patrick Kelly.
„Wo wir sind, ist oben“ – so heißt einer der neuen Songs von Johannes Oerding, und er könnte auch als Motto für seine Karriere stehen. „Oben auf“ war der Sänger schon vor über einem Jahrzehnt. Mit „Für immer ab jetzt“ ging es erstmals in die Top 5, später ganz nach oben – ein Erfolg, den der Sänger hörbar zu schätzen weiß: „Mir ist schon klar, dass ich auch ziemlich viel Glück gehabt habe“, erzählt er. „Talent ist die eine Sache, auch Ehrgeiz und Fleiß. Aber zu so einem Lottogewinn, den ich hier leben darf, gehört eben auch Glück.“
„Hotel“: Ein Ort zwischen Ankommen und Weitergehen
„Hotel“ ist nun seine musikalische Spielfläche: ein Gasthaus als Metapher für Begegnung, Zwischenräume und flüchtige Nähe. Ein Ort zwischen Ankommen und Weitergehen. „Es ist für mich ein Bild für das Leben, wie ich es liebe: dieses Unterwegs-Sein, das Ein- und Auschecken, Koffer auf und zu“, erklärt Oerding. „Mal ist man allein in seinem Zimmer und fühlt sich einsam, dann steht man wieder unten an der Bar und begegnet Menschen.“
Neu ist das Motiv nicht: Von Moby über Stephan Eicher bis zu den Eagles – selbst Udo Lindenberg lebt im Hotel. Oerding fügt sich in diese Tradition, ohne sich darin zu verlieren. „Ich weiß noch, dass ich in den vergangenen Jahren immer gesagt habe: Ich kann mir auch gut vorstellen, ähnlich wie Udo, in einem Hotel zu leben. So weit gehe ich jetzt nicht mehr. Aber Udo ist immer eine Inspiration, ob er will oder nicht.“
Heimweh nach „Hamburger Regen“ in Neuseeland
Früher schrieb er gern in einer Herberge an der Nordsee – von Fans wurde sie „St. Peter Oerding“ getauft. Bei dieser Platte hat er es anders gemacht: „Ich habe ja so eine Art Pausenjahr eingelegt und sie dann unterwegs auf meiner kleinen Weltreise geschrieben. Den Song ‘Hamburger Regen’ zum Beispiel schrieb ich im warmen Regen Neuseelands, weil ich so ein Heimweh hatte, dass ich selbst den Regen in Hamburg vermisste.“

Die Bandbreite auf „Hotel“ ist beachtlich: Da sind das verspielte, augenzwinkernde „Hallelujah“, inklusive „Macarena“-Anleihen, der Song „Eiszeit 2.0“ mit Peter Maffay und das persönlich-nahbare Lied „Wolken“ mit Michael Patrick Kelly. „Sonntag“ erinnert in seiner Gelassenheit an ein deutsches „Easy“ von den Commodores. Zu Letzterem sagt Oerding: „Ich wollte einen im besten Sinne richtig schönen, smoothen, langweiligen Song ohne große Höhen und Tiefen machen, der durchläuft wie bei Fleetwood Mac, fast schon leicht hypnotisch.“
Hauch von Weite zwischen Nashville und Norddeutschland
Oerding gönnt sich auch einen sanften Ausflug ins Country-Fach und erweitert seine Sound-Palette. Das sorgt für einen Hauch von Weite zwischen Nashville und Norddeutschland, ohne Klischees.
Auf „Hotel“ richtet sich der Künstler behaglich ein: geschmackvoll möbliert, sauber produziert. Hinter der freundlich lächelnden Rezeption herrscht eine angenehme Ruhe, die den Songs Raum gibt. Sie kreisen um Gefühl und Selbstvergewisserung, ohne auszuufern. Es ist ein Album wie ein gut geführtes Haus: Man checkt ein, fühlt sich aufgehoben und nimmt mehr mit, als man zunächst vermutet.

Hotel
Johannes Oerding
Genre:
Pop
Label:
Columbia (Sony Music)
Veröffentlichung:
27. März 2026