David Vajda erzählt eine Familiengeschichte von balkanischer Robustheit, aber auch großer Zärtlichkeit.

Er nennt seine vier Kinder liebevoll Kätzchen, gelegentlich schimpft er sie aber auch Trottel. Immer sind sie für ihn jedoch Diamanten, und so hat David Vajda auch seinen Debütroman über einen Vater aus dem ehemaligen Jugoslawien genannt. Unangepasst wie er war, musste der besessene Filmemacher Titos Reich bald verlassen. Seither sprach er mit seinen Kindern „in einer Sprache, die er so lange geredet hat, dass seine eigene Muttersprache sperrig geworden ist.“ Die Kamera war immer dabei, aber die Fremde blieb dennoch fremd.

Fixsterne an diesem Firmament sind die Kinder – seine Diamanten – und seine Frau Anna.

Ihr langsames und für alle qualvolles Sterben steht im Mittelpunkt des Buchs: „Sie blickte mich mit Panik, mit noch mehr Panik in den Augen an, und sie schnaufte und schrie durch den halbgeöffneten Mund.“ Davon sucht man Ablenkung oder einfach nur Vergessen auf Partys in Wien, Besuchen in Belgrad („Das Lamm wird euch die Schuhe ausziehen“, verspricht der Vater) oder Hochzeiten in Griechenland.

Die Kinder taumeln durchs Leben wie neugeborene Kätzchen, die auf den Boden gepurzelt sind und das Laufen erst lernen müssen. Selbst in Momenten großer Tragik lässt Vajda Komik aufblitzen. Nach dem Tod der Mutter stellt sich heraus, dass der Aufzug zu klein für den Sarg ist. Sie muss in einem Sack zur Bestattung geschafft werden. Die bestürzten Kinder bleiben auf sich gestellt: „Ein Mann kam durch die soeben geschlossene Wohnungstür, den ich erst auf den zweiten Blick als meinen Vater erkannte.“ Für Szenen wie diese lohnt es sich, Vajdas Buch zu lesen.

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