An Heiligabend, dem 24. Dezember 2025, übernahm Marcus Mann das Amt des Geschäftsführer Sport beim FC Red Bull Salzburg. Damals lagen die Roten Bullen auf Platz eins der laufenden Bundesliga-Saison. Seither hat der Deutsche, der vom Zweitligisten Hannover 96 in die Mozartstadt kam, bereits einige Maßnahmen vorgenommen. Allen voran den Trainer-Wechsel mit Daniel Beichler für Thomas Letsch und den Verkauf von Petar Ratkov, der mit neun Treffern immer noch die interne Torschützenliste anführt, in die Serie A zu Lazio Rom. Am Sonntag war der 42-Jährige zu Gast beo Sky in der Sendung „Talk & Tore“ 

„Es zieht sich durch die gesamte Saison, dass wir vorne nicht abgezockt genug sind, zu viele Chancen brauchen und hinten zu leicht Torchancen zulassen“

Marcus Mann (Geschäftsführer Sport FC Red Bull Salzburg) über…

…die fehlende Souveränität bei Salzburg:

„Es zieht sich durch die gesamte Saison – auch wenn ich die Hinrunde nur aus der Ferne miterlebt habe –, dass wir vorne nicht abgezockt genug sind, zu viele Chancen brauchen und hinten zu leicht Torchancen zulassen. In letzter Zeit bekommen wir zudem zu viele Gegentore. Bei der Balance zwischen Spielkontrolle und unserem Gegenpressing fehlt uns sicherlich der eine oder andere Anker in der Mannschaft, der das Tempo bestimmt. Wir spielen mit einer extrem jungen Mannschaft, was keine Ausrede sein darf, da es der Weg ist, den wir gehen wollen.

Dennoch fehlen uns ein, zwei erfahrene Spieler auf dem Feld. Mit Alexander Schlager haben wir hinten einen erfahrenen Rückhalt, aber Stefan Lainer war lange verletzt und Karim Onisiwo spielt derzeit nicht von Beginn an. Dadurch ist Mads Bidstrup beinahe schon der erfahrenste Spieler, was man in der einen oder anderen Situation merkt. Ich will jedoch nicht alles darauf schieben. In Deutschland redet man gern vom „Bayern-Dusel“, doch es ist weder dort immer nur Glück noch bei uns immer nur Pech. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Ich warte auf den Dosenöffner; man hat das Gefühl, dass nicht viel fehlt, und trotzdem warten wir schon extrem lange darauf. Dafür gibt es sicherlich Gründe.“

„Fakt ist: Wir müssen die Qualität auf allen Ebenen wieder erhöhen“

…die zukünftige Kaderplanung und -zusammenstellung:

„Ich habe mir die Situation nun drei Monate lang in Ruhe angesehen, ohne voreilige Aussagen zu tätigen. Dabei habe ich viele Dinge erkannt, die ich bisher noch nicht alle ausgesprochen habe. Fakt ist: Wir müssen die Qualität auf allen Ebenen wieder erhöhen. Das beginnt bei der Mannschaft, betrifft aber auch das gesamte Umfeld. Wir brauchen eine andere Arbeitsmoral und müssen wieder mehr anschieben. Es ist offensichtlich, dass wir in der Vergangenheit viel Qualität verloren haben.

Red Bull Salzburg definiert sich zwar über Verkäufe, dennoch wurde in den letzten Jahren – auch wenn ich damals noch nicht hier war – vielleicht der eine oder andere Spieler zu viel abgegeben. Dadurch ging Substanz verloren, die man so nicht einfach wieder auffangen konnte. Die Qualität allein durch Verkäufe wieder zu erhöhen, ist nicht möglich; dessen müssen wir uns bewusst sein. Das ist ein Punkt, den ich deutlich ansprechen werde: Wir müssen uns im Klaren darüber sein, was wir erreichen wollen. Wenn wir wieder besser werden wollen, muss man vielleicht auch mal wieder etwas mehr investieren, als man es in den letzten Jahren getan hat.“

„Die Realität ist, dass man seit zwei Jahren keinen Titel geholt hat und im Moment auch noch weit davon entfernt ist“

…ob die kleineren Vereine in der Liga die „Großen“ gut kopiert haben:

„Ich glaube, wir in Salzburg spüren das am meisten, und deswegen müssen wir uns auch einfach weiterentwickeln. Ein Punkt ist sicherlich, dass wir noch sehr viel in der Vergangenheit leben. Wir reden natürlich gerne über die guten Zeiten, und das auch berechtigterweise, aber die Realität ist, dass man jetzt seit zwei Jahren keinen Titel geholt hat und im Moment auch noch weit davon entfernt ist.

Dafür gibt es Gründe, und dieser Realität müssen wir ins Auge schauen. In der Vergangenheit zu leben, bringt uns keine Punkte mehr. Wir müssen uns öffnen, um uns wieder weiterzuentwickeln, und diese Offenheit spüre ich beim FC Red Bull Salzburg noch nicht so ganz. Man hängt, wie gesagt, sehr in der Vergangenheit fest, aber da müssen wir weiterkommen. Denn das Spiel gegen den Ball, wie es gerade angesprochen wurde, das können die anderen Mannschaften jetzt auch. Wir müssen bessere Lösungen mit dem Ball finden und mehr Torchancen herausspielen. Sicherlich sind die Spiele auf europäischem Niveau dann wieder andere als in der Liga; auch darauf müssen wir vorbereitet sein, um beides spielen zu können. Deswegen haben wir schon noch ein Stück Arbeit vor uns.”

Der serbische Stürmer Petar Ratkov führt nach seinem Abgang Anfang Jänner (für 13 Mio. Euro Ablöse) zu Lazio Rom in die Serie A immer noch mit neun Treffern die interne Torschützenliste der Roten Bullen an und ist auch nachwievor unter den Top-Ten der Liga – siehe hier.

„Von dem Angebot bin ich damals ein bisschen überrumpelt worden; der Anruf kam bereits an meinem zweiten Tag hier“

…den Abgang von Toptorjäger Petar Ratkov:

„Von dem Angebot bin ich damals ein bisschen überrumpelt worden; der Anruf kam bereits an meinem zweiten Tag hier. Es gab dabei eine wirtschaftliche und eine sportliche Seite. Aus sportlicher Sicht ist es immer schwierig, den besten Torjäger zu verkaufen, das war mir bereits damals bewusst. Dem gegenüber stand die wirtschaftliche Entscheidung, für die wir uns letztlich entschieden haben. Sicherlich denkt man manchmal darüber nach, was gewesen wäre, wenn.

Nichtsdestotrotz kam Karim Konate aus seiner Verletzungspause zurück und war wie ein gefühlter Neuzugang, weshalb wir nominell gleich aufgestellt waren. Es wäre zu einfach, den Verkauf als Entschuldigung dafür zu nutzen, dass wir im Moment zu wenige Tore schießen. Dennoch hätte uns Petar mit seiner Kopfballstärke in der einen oder anderen Situation sicher gutgetan.“

„Es gibt ein paar Sachen, die ich jetzt erkannt habe und die ich im Vorfeld so nicht auf dem Schirm hatte“

…seine bisherige Zeit bei Red Bull Salzburg:

„Ja, ich habe versucht, das in der Vergangenheit zu verfolgen – Red Bull Salzburg verfolgt man ja allgemein auch ein bisschen aus Deutschland heraus. Deswegen wusste ich schon um die Entwicklung in den letzten Jahren. Ich wusste auch, dass selbst der letzte Meistertitel nicht mehr ganz so souverän war, wie das davor der Fall gewesen ist, und in den letzten zwei Jahren ist es sicherlich nicht besser geworden. Deswegen war mir bewusst, dass es hier anzupacken gilt und dass es einiges zu tun gibt. Ich bin aber auch ganz ehrlich: Es gibt ein paar Sachen, die ich jetzt erkannt habe und die ich im Vorfeld so nicht auf dem Schirm hatte.

Es ist vielleicht doch etwas mehr zu tun, als einem lieb ist oder als ich im Vorfeld erwartet hatte. Aber das ist keine Sache, die mir schlaflose Nächte bereitet. Sicherlich braucht man ein bisschen Geduld. Viele Änderungen greifen nicht direkt von heute auf morgen oder können im Laufe einer Saison nicht immer sofort umgesetzt werden. Ich habe zwar immer eine gewisse Ungeduld in mir, Dinge ändern oder schneller vorankommen zu wollen, aber trotzdem bin ich optimistisch, dass wir die Aufgaben lösen können. Mir ist jedoch bewusst, und davor habe ich auch Respekt, dass die Aufgabe nicht ganz einfach ist.“

„Wir bekommen nirgends den roten Teppich ausgerollt, nur wegen der Vergangenheit“

…was ihn vom Wechsel nach Salzburg überzeugt hat:

„Ja, also ich muss an allererster Stelle sagen: Ich war wirklich sehr gerne in Hannover. Ich war am Ende viereinhalb Jahre dort und wir haben auch letzten Sommer nochmal einen großen Umbruch mit 18 neuen Spielern gehabt. Das hat mit dem neuen Trainer wirklich sehr schnell gegriffen. Ich bin auch nach wie vor davon überzeugt, dass Hannover 96 dieses Jahr aufsteigen kann. Dadurch, dass ich mich wirklich wohlgefühlt hatte, war es nie so, dass ich auf dem Sprung war oder unbedingt eine neue Herausforderung gebraucht habe. Es gab sicherlich immer mal die eine oder andere Anfrage, die für mich so nicht infrage kam.

Bei Red Bull Salzburg habe ich mir dann in der Tat ernsthaft Gedanken gemacht, weil ich – wie schon angesprochen wurde – wirklich sehr gerne mit jungen Spielern zusammenarbeite und versuche, sie mitzuentwickeln. Ich war ja auch mal Akademieleiter in Hoffenheim. Deswegen macht es einfach Spaß, Ziele mit jungen Spielern zu haben, aber auch das Ziel zu verfolgen, Titel zu gewinnen und den Klub durch internationale Spiele wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Das hat mich einfach gereizt und in den Gesprächen überzeugt.

Es ist einfach noch ein bisschen was zu tun, bis wir wieder da sind, wo der Klub sich selbst sieht. Aber wie gesagt: Für die Vergangenheit kriegen wir keine Punkte mehr geschenkt. Wir bekommen nirgends den roten Teppich ausgerollt, nur wegen der Vergangenheit. Das ist, glaube ich, der Punkt, den wir uns verinnerlichen müssen: Dass wir zwar nicht bei Null anfangen, aber einiges zu tun haben, um wieder besser zu werden.“

„Trainer gab es in den letzten Jahren genug, Sportverantwortliche gab es genug – und es ist trotzdem nicht besser geworden“

…ob er die Entscheidung zur Entlassung von Thomas Letsch jetzt noch immer so treffen würde, trotz der Ergebnisse unter Daniel Beichler:

„Ja, trotzdem muss man das aus meiner Sicht etwas losgelöster von den reinen Ergebnissen sehen. Wir müssen uns in Salzburg bewusst sein: Trainer gab es in den letzten Jahren genug, Sportverantwortliche gab es genug – und es ist trotzdem nicht besser geworden. Deswegen müssen wir auch mal über den Tellerrand hinausschauen. Es gibt einfach andere Themen, die in den Sport hineinwirken; auch daran müssen wir arbeiten und sicherlich die eine oder andere Sache ändern. Es liegt nicht immer nur an der Person an sich.

Wer auch immer auf der Trainerbank sitzt – wir haben ja heute gesehen, dass wir wieder genug Chancen hatten. Da kann draußen sitzen, wer will: Den Ball über die Linie schießen muss letztlich der Spieler. Deswegen gilt es in allererster Linie, die Qualität in der Mannschaft zu erhöhen. Wie ich vorhin schon erwähnt habe, haben wir auch drumherum Themen, bei denen wir besser werden müssen. Wir müssen wieder eine andere Arbeitsmoral an den Tag legen. Ich mag das Wort Wohlfühloase überhaupt nicht, und trotzdem sind da in den letzten Jahren wohl ein paar Dinge entstanden – Freundschaften vielleicht –, bei denen man die letzte Konsequenz in der täglichen Arbeit hat vermissen lassen.

Auch da müssen wir wieder einen Gang zulegen. Wir haben diese Themen, und deshalb müssen wir sie im Moment losgelöst von einzelnen Personen oder vom Trainer sehen. Daniel Beichler macht seine Sache gut, er macht einen sehr aufgeräumten Eindruck und stellt die Mannschaft gut ein. Klar ist es nicht von der Hand zu weisen, dass wir jetzt nicht alle Spiele gewonnen haben, aber es wäre zu einfach, den Blick nur darauf zu richten. Das hat die Vergangenheit gezeigt.“

„Wir reden viel über Dinge, die heute nicht funktionieren, und das entspricht auch absolut der Wahrheit“

…ob RB Salzburg die klare Philosophie verloren hat:

„Sicherlich hat es Salzburg in der Vergangenheit ausgezeichnet, dass sie einen klaren Weg und eine klare Philosophie hatten und da auch nicht nach links oder rechts ausgeschert sind. Aus meiner Sicht ist es jetzt unsere Aufgabe, diesen neuen Weg zu definieren, ihn an die jetzigen Gegebenheiten anzupassen und dann wieder mit Überzeugung zu verfolgen. Dann bin ich auch davon überzeugt, dass wir wieder in die Erfolgsspur zurückkehren. Trotzdem möchte ich noch eines sagen: Wir reden viel über Dinge, die heute nicht funktionieren, und das entspricht auch absolut der Wahrheit.

Trotzdem müssen wir für den Moment festhalten, dass wir aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz stehen. Wir dürfen die Saison jetzt noch nicht abhaken. Ich kann heute nicht sagen, wo wir am Ende landen, weil es jede Woche eine Überraschung ist, wie wir tatsächlich spielen. Wir hoffen auf diesen Dosenöffner und dann bin ich davon überzeugt, dass wir in dieser Saison noch erfolgreich sein können. Wir haben die Saison noch nicht abgehakt, wissen aber, dass wir eine Schippe drauflegen müssen, um die anderen da vorne noch abzufangen.“

„Wir müssen dazulernen, bessere Lösungen gegen tief stehende Gegner zu finden“

…wie der mittelfristige Weg für die Zukunft aussehen soll:

„Zuerst müssen wir den Fußball von heute verbessern, dann können wir wieder in die Zukunft denken. Wie ich gerade gesagt habe: Wir müssen wieder wissen, wofür wir stehen und wie wir spielen wollen. Damit ist auch klar, dass wir danach auf dem Transfermarkt tätig werden können. Wir wollen weiterhin mit einer jungen Mannschaft spielen. Wir haben eine Akademie mit herausragenden Bedingungen und wollen auch dort weiter Spieler fördern und nach oben ziehen.

Mit Johannes Moser kommt im Sommer sicherlich das nächste Talent dazu. Er muss jetzt erst noch mal richtig fit werden, aber dann bin ich davon überzeugt, dass er uns Freude bereiten wird. Wir wollen weiter aktiv sein, mit einer jungen Truppe spielen und sehr intensiv agieren. Was wir aber dazulernen müssen, ist, bessere Lösungen gegen tief stehende Gegner zu finden. Wir müssen Schritt für Schritt in diese Richtung gehen, dann werden sich auch die Ergebnisse wieder einstellen.“

„Wenn wir wieder erfolgreicher werden wollen, gehört es auch dazu, zu investieren und nicht nur zu verkaufen“

…verpasste Spielerverkäufe in der Vergangenheit und wie das in Zukunft verhindert werden soll:

„Ich habe keine Glaskugel, aber sicherlich gibt es immer den Punkt, an dem ein Spieler einfach den nächsten Schritt machen muss. Diesen Zeitpunkt muss man treffen. Sicherlich gab es den einen oder anderen Fall, in dem man diesen Moment verpasst hat. Nichtsdestotrotz bin ich zum Beispiel bei Maurits Kjaergaard heilfroh, dass er jetzt noch da ist und heute wieder gespielt hat, weil er uns einfach helfen kann. In der mittel- und langfristigen Planung muss man aber den richtigen Zeitpunkt finden, die Spieler ziehen zu lassen, bevor die Entwicklung wieder in die andere Richtung geht.

Ich kann heute nicht versprechen, dass wir das in Zukunft immer richtig treffen, weil so eine Entwicklung nicht zu 100 Prozent vorhersehbar ist. Dass in Salzburg immer ein gewisser Austausch an Spielern stattfindet, wird es sicher auch in Zukunft geben. Da muss man dann eben den Moment finden und Entscheidungen treffen. Wir müssen wissen, wo wir hinwollen. Wenn wir wieder erfolgreicher werden wollen, gehört es auch dazu, zu investieren und nicht nur zu verkaufen. Diese Waage muss gesund ausbalanciert sein. Wir sind jetzt aber an einem Punkt, an dem man sicherlich auch mal eher investieren muss, als zu verkaufen.“

Siehe auch:

FC Red Bull Salzburg feiert gegen TSV Hartberg ersten Meistergruppen-Erfolg

Stimmen des FC Red Bull Salzburg zum „Arbeitssieg“ gegen den TSV Hartberg

Fotocredit: FC Red Bull Salzburg by Getty und Gepa-Admiral