Da war mächtig was los über Ostern in der Neckarhalle. Klar: „Easter Cross“ ist da fest gebucht. Aber 2500 Eintritte sind auch für das Oberndorfer Festival eine echte Hausnummer.
Und es gab einiges zu erleben – und nicht alles zur Freude aller. Doch das spielt eigentlich keine Rolle, sondern sorgte für angenehme Atmosphäre. So richtig drangvolle Enge gab es nie, vielmehr doch immer ein bisschen Wechsel.
„Samurai Pizza Cats“ setzen ein Ausrufezeichen
Dafür hatte das Programm gesorgt. Denn Metal hat bekanntermaßen viele Gesichter, und das Line-up bedient da ganz unterschiedliche Genres. Dieses Jahr auch Altersklassen. Wobei, das vorweg, vor allem eine Show auf ausgesprochen geteiltes Interesse stieß.
Zwischen Feiern und „na ja“ machten „J.B.O“ als kultiger Headliner am Samstagabend mit ihrem musikalischen Spektakel ihren Fans jede Menge Vergnügen. Sie zelebrierten, dass die „Country Roads“ an diesem Abend krachend nach Oberndorf geführt hatten. Die anderen hingen noch ein bisschen ihren Helden von „Rage“, die ziemlich knackig antraten, nach oder schwebten in den Szenarien, die die „Samurai Pizza Cats“ zuvor in die Neckarhalle gebrezelt hatten.
Deren Auftritt nötigte auch den Fans von „Necrotted“ und Co. einigen Respekt ab und wurde für viele zum – teilweise unerwarteten – Highlight des ersten Tages.
Der hatte mit „Defocus“ begonnen. Bestens bekannt beim „Easter Cross“ und als Opener am Samstag eine Wucht. Dass die Halle am helllichten Nachmittag schon gut gefüllt ist, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. So bekamen die Jungs aus Aalen ordentlich Feedback – und sie bedankten sich mit druckvollem Metalcore. „Stepfather Fred“ mit Melodic Death Metal aus der Nachbarschaft und „Parasite Inc.“ mit rauem Metal-Rock machten den Samstag rund.
Publikum ist vorbereitet
Kleines Festival, großes Programm galt auch für den Sonntag. Und den krönten die Könige des „Easter Cross“ 2026: Als „TBS“ die Bühne betraten, war die Halle außer Rand und Band. Nicht nur eingefleischte Fans hatten sich entsprechend vorbereitet. Textsicher und stilsicher ausgestattet, war das Publikum in Oberndorf ein würdiger Sparringspartner für die Mannheimer Metal-Crossover-Truppe mit Party-Nebeneffekt, die sich kein bisschen schonte.
Das taten auch „Ignite“ zuvor nicht. Druckvoll, rotzig, energiegeladen: Die Hardcore-Klassiker aus Orange County gönnten sich und dem Publikum keine Atempause. Dass sie dabei selbst jede Menge Spaß hatten, verbargen sie nicht – und sie zelebrierten nicht, sie gingen frontal ans und ins Publikum – und holten sich sogar Verstärkung auf die Bühne: In diesem Setup Bassist für zwei Takte zu sein – das machte zumindest einen happy!
Überhaupt war dieser Sonntag ’was für Gäste mit Kondition. Los ging’s mit „The Defect“. Electro, Handarbeit mit Nachdruck und einer gehörigen Portion dunkler Poesie – seit gut einem Jahr ist das Projekt präsent und wurde zurecht gefeiert. Übrigens: auch hier am helllichten Sommernachmittag von bereits vielen Besuchern in der Halle. Darunter waren sicher auch schon die „The Browning“-Fans, denn „Defect“ ist ein Nebenprojekt des „Browning“-Chefs, der später nochmal eine Schippe an Power drauflegte.
Heimspiel begeistert
Es gab noch mehr: „The Butcher Babies“ zum Beispiel – für die Fans von Frauenpower in Sachen Metal, und denen wurden von „Infected Rain“ noch einmal ordentlich eingeschenkt. „Stain the Canvas“ brachten Metalcore aus Italien an den Neckar. Und dann gab es noch ein besonderes Heimspiel: „Avralize“, frisch zurück aus Südostasien, wo die Rottweiler Band mit ihrem neuen Album gefeiert wurde, begeisterte in Oberndorf einmal mehr, mit einem knackigen Auftritt, Spielfreude, Intensität und der Erkenntnis, dass Schubladen nicht taugen, wenn man authentisch bleiben will.