Julia Freiberger

7. April 2026, 13:48 Uhr |
Lesezeit: 6 Minuten

Egal, ob es um Neujahrsvorsätze geht oder einfach um einen neuen Motivationsschub für ein gesundes Leben – viele Menschen achten darauf, nicht zu viel Alkohol zu trinken. Doch spielt es wirklich nur eine Rolle, wie viel man trinkt, oder auch, wie man trinkt? Gerade bei einer weitverbreiteten Lebererkrankung ist das bisher nicht eindeutig geklärt. Denn viele Betroffene trinken im Alltag eher wenig, dafür aber gelegentlich größere Mengen auf einmal. Eine große US-Studie ist deshalb der Frage nachgegangen, ob genau dieses Trinkmuster für die Leber riskanter ist als bisher gedacht.

Studie: Bestimmtes Trinkmuster verdreifacht Risiko für schwere Leberfibrose bei bestehender Fettleber

Das Team um den Leberspezialist Dr. Bian Lee von der Keck Medicine der University of Southern California wollte herausfinden, welchen Einfluss gelegentliches Rauschtrinken auf Menschen mit Fettleber hat. Ergebnis: schon einmaliges monatliches Übermaß verdreifacht das Risiko einer krankhaften Vernarbung der Leber, medizinisch Leberfibrose, nahezu. Und das sogar unabhängig davon, wie viel sie sonst insgesamt trinken. Die Ergebnisse der Studie wurden nun in der Fachzeitschrift „Clinical Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlicht.1

Um dieses Trinkmuster geht es

Bei dem untersuchten Trinkmuster handelt es sich um das sogenannte „Binge Drinking“, in der Fachliteratur auch als „episodisches starkes Trinken“ bezeichnet. Dieses Muster ist durch spezifische Grenzwerte definiert, die mindestens einmal pro Monat erreicht werden:

Frauen: Konsum von mindestens vier alkoholische Getränke an einem einzigen Tag

Männer: Konsum von mindestens fünf alkoholische Getränke an einem einzigen Tag

Dieses Verhalten tritt mindestens einmal pro Monat auf.

Blick in den Körper: So wurde die Leber untersucht

Für die Studie griff das Forschungsteam auf Daten von über 8.000 Erwachsenen der großen US-Gesundheitsstudie NHANES zurück, die zwischen 2017 und 2023 gesammelt wurden. Um den Einfluss dieses Trinkmusters möglichst genau zu bestimmen, berücksichtigten die Forscher außerdem Alter, Geschlecht und die durchschnittliche Trinkmenge.

Um den Zustand der Leber zu bestimmen, kam eine spezielle Ultraschalltechnik zum Einsatz. Sie misst die Steifigkeit des Lebergewebes. Je steifer das Gewebe, desto wahrscheinlicher sind Vernarbungen – Fachleute sprechen hier von einer sogenannten Fibrose. Diese entsteht, wenn die Leber über längere Zeit geschädigt wird und sich Narbengewebe bildet.

Ein zentraler Punkt der Studie war das Trinkverhalten. Dabei interessierte die Forscher nicht nur die Gesamtmenge an Alkohol, sondern vor allem ein bestimmtes Muster: große Mengen bei einzelnen Gelegenheiten. Dieses Verhalten wird auch als „Binge Drinking“ bezeichnet, also das Trinken vieler alkoholischer Getränke in kurzer Zeit.

Auch interessant: Nicht nur Alkohol! 8 Dinge, die schädlich für die Leber sind

Kernergebnisse der Studie

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Es macht einen Unterschied, wie Alkohol getrunken wird: Wer bei einer bestehenden Fettleber mindestens einmal im Monat exzessiv Alkohol trank, hatte ein fast dreimal so hohes Risiko für eine schwere Leberfibrose wie Betroffene ohne dieses Trinkmuster.

Anschaulich wird das bei den Zahlen: Rund 24 Prozent der „Viel-auf-einmal-Trinker“ hatten bereits eine deutlich geschädigte Leber. Bei Menschen mit Fettleber ohne dieses Trinkmuster waren es etwa 16 Prozent.

Rund 16 Prozent der Menschen mit Fettleber gaben an, regelmäßig größere Mengen auf einmal zu trinken.

Nicht nur wie viel – sondern wie jemand trinkt

Entscheidend ist: Dieser Unterschied lässt sich nicht durch die Gesamtmenge an Alkohol erklären. Selbst wenn Menschen insgesamt ähnlich viel trinken, ist das Risiko unterschiedlich hoch – je nachdem, ob sie den Alkohol über mehrere Tage verteilen oder in kurzer Zeit viel trinken.

Das bedeutet auch: Selbst wer sich an gängige Richtwerte hält (bis zu sieben Getränke pro Woche für Frauen, bis zu 14 für Männer), kann seiner Leber schaden, wenn diese Menge auf einmal konsumiert wird.

Zusätzlich zeigte sich, dass vor allem Männer und jüngere Erwachsene häufiger zu diesem Trinkverhalten neigen. Außerdem stieg das Risiko weiter an, je mehr Alkohol bei einzelnen Gelegenheiten konsumiert wurde.

Große Alkoholmengen auf einmal stressen Leber erheblich

Die Ergebnisse machen deutlich, dass das Trinkverhalten selbst ein entscheidender Faktor ist. Große Mengen Alkohol auf einmal setzen die Leber unter erheblichen Stress. Dabei wird das Organ kurzfristig überlastet, Entzündungen können zunehmen und langfristig kann sich schädliches Narbengewebe bilden.

Für Menschen mit metabolischer Fettleber ist das besonders kritisch. Ihre Leber ist bereits vorgeschädigt und reagiert empfindlicher auf zusätzliche Belastungen. Selbst gelegentliche Trink-Exzesse können daher dazu beitragen, dass sich die Erkrankung schneller verschlechtert.

Auch für die medizinische Praxis sind die Ergebnisse relevant. Bisher wird vor allem die durchschnittliche Trinkmenge betrachtet. Die Studie legt jedoch nahe, dass dadurch ein Teil des Risikos übersehen wird und das Trinkmuster stärker berücksichtigt werden sollte.

Fettleber – eine weitverbreitete, oft unbemerkte Erkrankung

Besonders betroffen von diesen Risiken sind Menschen mit einer metabolischen Fettleber (MASLD) – einer der häufigsten Lebererkrankungen weltweit. Dabei lagert sich Fett in der Leber ab, vor allem bei Menschen mit Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhten Blutfetten. Das Tückische: Die Krankheit bleibt lange unbemerkt, kann sich aber über Jahre verschlechtern und zu dauerhaften Schäden führen.

Schätzungen zufolge leiden etwa 25 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland an der Erkrankung.2 In den USA ist bereits etwa jeder dritte Erwachsene betroffen.3 Bei Menschen mit starkem Übergewicht oder Diabetes Typ 2 liegt der Anteil bei bis zu 85 Prozent. Hier erfahren Sie mehr zu den Anzeichen einer nicht-alkoholischen Fettleber und was dagegen hilft.

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Wie verlässlich sind die Ergebnisse?

Die Studie basiert auf einer großen und repräsentativen Datengrundlage und nutzt eine etablierte Methode zur Messung der Lebergesundheit. Das spricht für eine insgesamt hohe Aussagekraft der Ergebnisse.

Allerdings handelt es sich um eine Querschnittsstudie. Das bedeutet, dass die Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt erhoben wurden. Dadurch lässt sich nicht eindeutig beweisen, dass das Trinkmuster direkt die Ursache für die Leberschäden ist.

Hinzu kommt, dass der Alkoholkonsum auf Selbstauskünften basiert. Solche Angaben können ungenau sein, etwa durch Erinnerungsfehler oder bewusste Verzerrungen. Außerdem konzentrierte sich die Studie auf Menschen mit Fettleber. Ob die Ergebnisse genauso auf gesunde Personen übertragbar sind, ist noch nicht abschließend geklärt.

Die Studie wurde durch das US-amerikanische National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism gefördert, eine staatliche Einrichtung zur Erforschung von Alkoholfolgen. Hinweise auf kommerzielle Interessenkonflikte ergeben sich daraus nicht.

Fazit: Trinkmuster als unterschätzter Faktor beim Leberschutz

Die Studie zeigt klar: Für die Gesundheit der Leber reicht es nicht, nur auf die Gesamtmenge an Alkohol zu achten. Wer gelegentlich große Mengen auf einmal trinkt, erhöht sein Risiko für Leberschäden deutlich – insbesondere bei bestehender Fettleber. Selbst wenn insgesamt nicht viel Alkohol konsumiert wird, kann dieses Muster problematisch sein. Für den Alltag bedeutet das: Weniger ist wichtig – aber gleichmäßiger offenbar auch.