Berichte über eine zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und Iran, die die Straße von Hormus nach mehr als einem Monat fast vollständiger Blockade wieder für Schiffe öffnen könnte, bringen Reedereien dazu, ihre Optionen gegen anhaltende Unsicherheiten abzuwägen.


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Der weltweit zweitgrößte Containerreeder Maersk reagiert dabei besonders schnell auf die neuen Signale.

„Die Waffenruhe könnte Transitmöglichkeiten schaffen, bietet aber noch keine vollständige Sicherheit auf See, und wir müssen alle möglichen Bedingungen genau kennen“, erklärte der dänische Konzern.

Maersk betonte zudem, man arbeite mit Hochdruck daran zu klären, wie Schiffe die Straße von Hormus nach Monaten strenger Beschränkungen konkret passieren können.

Über mögliche Durchfahrten entscheide das Unternehmen erst nach laufenden Risikoanalysen, genauer Beobachtung der Sicherheitslage sowie Rücksprache mit Behörden und Partnern.

Die deutsche Reederei Hapag-Lloyd äußert sich ähnlich zurückhaltend.

Vorstandschef Rolf Habben-Jansen sagte Kundinnen und Kunden in einer Telefonkonferenz am Mittwoch, es sei noch zu früh, um abzuschätzen, wie viel Verkehr tatsächlich durch die wichtige Wasserstraße laufen könne.

Er warnte, Hapag-Lloyd werde mindestens sechs Wochen brauchen, um wieder zu einem vollständig normalen Liniendienst zurückzukehren, selbst wenn einige Schiffe den Golf schon bald verlassen könnten.

Das Unternehmen schätzt, dass rund 1.000 Handelsschiffe weiterhin im Persischen Golf festliegen, darunter sechs Schiffe von Hapag-Lloyd.

Der hohe Rückstau erschwert die Steuerung jeder Wiederaufnahme des Verkehrs in der Straße von Hormus deutlich. Zugleich verursacht der Konflikt für Hapag-Lloyd weiterhin Kosten von rund 55 Millionen Dollar (47,5 Millionen Euro) pro Woche.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Wiederöffnung als zentrale Bedingung der Waffenruhe. Er forderte die „COMPLETE, IMMEDIATE, and SAFE OPENING“ der Straße von Hormus und sagte US-Unterstützung bei der Verkehrslenkung zu.

Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte, bei einem Ende der Angriffe auf Iran sei in dem zweiwöchigen Zeitraum eine sichere Passage möglich. Voraussetzung sei die Koordinierung mit den iranischen Streitkräften und die Berücksichtigung technischer Grenzen.

Regionale Vertreter gehen davon aus, dass sowohl Iran als auch Oman Transitgebühren für Schiffe erheben werden. Damit würde die bisher gebührenfreie Engstelle erstmals zur Mautstrecke.

Höhe und Modalitäten dieser Gebühren sind noch nicht öffentlich bestätigt.

Weitere Reedereien verfolgen Lage genau

Auch andere Konzerne wie die japanische Reederei und Logistikgruppe NYK Line erklären, sie beobachteten die Lage nach der Waffenruhe-Ankündigung sehr genau.

Hunderte Schiffe liegen seit Wochen untätig vor Anker. Dadurch steigen die Opportunitätskosten: entgangene Erlöse, höhere Versicherungsprämien und Liegegelder, die fällig werden, wenn ein Schiff länger als vereinbart im Hafen bleibt.

Schon begrenzte Durchfahrten in dem kurzen Zeitfenster könnten es einigen Schiffen ermöglichen, den Golf zu verlassen und andere Routen zu bedienen. So ließen sich die aufgelaufenen Verluste etwas mindern.

Die notwendige militärische Koordinierung und neue Gebühren schaffen jedoch zusätzliche Unsicherheit und Komplexität. Reedereien betonen, sie bräuchten in diesen Punkten Klarheit, bevor sie weitreichende operative Entscheidungen treffen können.

Die Lage bleibt in Bewegung. Am Freitag sollen in Islamabad umfassendere Gespräche beginnen, bei denen pakistanische Behörden als Vermittler auftreten.

Nach jetzigem Stand zeichnen sich eher streng regulierte Zugänge für einen Zeitraum von zwei Wochen ab, nicht aber eine sofortige Rückkehr zum Betrieb wie vor dem Konflikt.

Reedereien und Energiemärkte werden die weitere Entwicklung in den kommenden Tagen aufmerksam verfolgen und auf zusätzliche Signale warten.