Israels Militär gibt bekannt, den Neffen des Hisbollah-Chefs getötet zu haben. Zunächst hieß es, Naim Qassem selbst sei getötet worden.

Israels Militär gibt bekannt, den Neffen des Führers der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon getötet zu haben. Ali Yusuf Harshi, Sekretär von Hisbollah-Chef Naim Qassem, sei bei einem Angriff auf die libanesische Hauptstadt Beirut in der Nacht getötet worden.

Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die vom Iran finanzierte Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei Raketen auf das Nachbarland ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Seit Beginn des Gazakriegs im Oktober 2023 hat Israel die Hisbollah durch eine Reihe von gezielten Tötungen stark geschwächt. Trotz einer 2024 mit Unterstützung der USA vereinbarten Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah setzte Israel regelmäßige Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Libanon fort. Die Terrormiliz weigerte sich gegen eine völlige Entwaffnung. Qassem hatte Israel direkt mit Vergeltung gedroht, sollte es seinen Krieg gegen Libanon fortsetzen.

Israel sieht den Libanon von einer zwischen den USA und dem Iran vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe ausgenommen. In einem überraschenden Großangriff am Mittwoch hatte Israel zahlreiche Ziele im Libanon bombardiert, darunter auch in der Hauptstadt Beirut. Nach jüngsten Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden mindestens 182 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten, und rund 900 Menschen verletzt.

Die Angriffe trafen nicht nur die südlichen Vororte Beiruts, die als Hochburg der Schiitenmiliz Hisbollah gelten, sondern auch Wohn- und Geschäftsviertel im Zentrum Beiruts, viele davon ohne Vorwarnung. Israels Militär begründete das Vorgehen damit, Kommandanten und militärische Infrastruktur der Hisbollah ins Visier genommen zu haben.

Am Donnerstag hielt das Land einen nationalen Trauertag ab. Alle öffentlichen Einrichtungen im Libanon waren am Donnerstag in der Früh geschlossen. Die sonst pulsierende Hauptstadt wirkte menschenleer, Bewohner blieben in ihren Häusern. In den getroffenen Vierteln räumten Kräne und schwere Maschinen den Schutt weg, eine Rauchwolke hing noch über Teilen der Stadt.

Die Menschen stehen teils unter Schock. „Ich habe mein Haus und mein Auto verloren, aber meinen Kindern geht es gut“, sagte Hiba, deren zehnstöckiges Wohnhaus im Zentrum Beiruts getroffen wurde, der Nachrichtenagentur dpa. (APA/dpa/red.)

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