Auf eine Seite verschoben
Die Analysen enthüllten: Das Magnetfeld des Saturn ist deutlich verschoben und asymmetrisch. „Die Beobachtungen der Cassini-Sonde enthüllen, dass sich die Kopfregionen des Saturn-Magnetfelds nicht gleichmäßig um den Tagespunkt verteilen, sondern in den Nachmittag verlagert sind“, berichten die Forschenden. Die Zonen, in denen die Magnetfeldlinien Richtung Oberfläche abknicken liegen demnach nicht wie bei der Erde einander gegenüber über den Polen, sondern sind beide in Richtung der Abendseite verschoben.
Die Folge: Das gesamte Saturn-Magnetfeld des Saturn bekommt dadurch eine Unwucht: Die Magnetfeldlinien sind auf einer Seite weiter ausgewölbt als auf der anderen, dadurch ist auch das Magnetfeld insgesamt asymmetrisch. „Dies zeigt, dass sich die Magnetosphäre des Saturn fundamental von der der Erde unterscheidet“, sagt Coates.
Beim Saturn sind die Kopfregionen beide zu einer Seite verschoben, dadurch ist die Magnetosphäre asymmetrisch. © SUSTech
Schnelle Rotation reißt Magnetfeld mit
Aber warum? Einer der Gründe für das verbeulte Magnetfeld des Ringplaneten ist seine schnelle Rotation: Obwohl der Saturn 9,5-mal größer ist als die Erde, benötigt er für Drehung nur 10,7 Stunden – sein Tag ist demnach sogar kürzer als der irdische. Die durch diese Rotation erzeugten Kräfte reißen auch die Magnetfeldlinien ei Stück mit und verschieben dadurch die Kopfregion, wie das Team erklärt. Ähnliches wurde auch schon beim Jupiter beobachtet.
„Unsere Studie liefert damit entscheidende Belege für eine seit langem bestehende Theorie“, sagt Coates. „Nach dieser löst die schnelle Drehung massereicher Planeten wie Saturn den Sonnenwind als dominanten Gestalter der Magnetosphäre ab.“ Während die irdische Magnethülle primär vom Sonnenwind verformt wird, ist bei Gasriesen wie Saturn und Jupiter die Rotation der prägende Faktor.
Plasma-Einstrom als zweiter Einflussfaktor
Zusätzlich kommt beim Saturn noch der Einfluss des Plasmas dazu, das von den Ringen und Monden aus in die Gashülle des Planeten strömt. Diese dichte Hülle aus geladenen Teilchen beeinflusst ebenfalls Form und Stärke des Magnetfelds. „Enceladus ist ein Hauptreiber dieses Faktors, denn er setzt enorme Mengen Wasser frei, die ionisiert werden und dann die Magnetosphäre des Saturn mit Plasma beladen“, erklärt Koautor Zhonghua Yao von der Universität Hongkong.
Beides zusammen sorgt dafür, dass die Magnetsphäre des Saturn anders reagiert und anders geformt ist als die irdische. „Solche Vergleiche zwischen Planeten verraten uns, welche grundlegenden Gesetzmäßigkeiten diese Prozesse steuern“, so Yao. „Diese helfen und dann dabei zu verstehen, wie die Magnetosphären auch extrasolarer Planeten funktionieren könnten. (Nature Communications, 2026; doi: 10.1038/s41467-026-69666-9)
Quelle: University College London
10. April 2026
– Nadja Podbregar