Der heimische Feuerwehrausrüster konnte im Vorjahr Umsatz und Gewinn steigern. Vorstand und Eigentümer sind neu.
Wien. Man kennt sie aus dem Stadtbild und von Flughäfen aus aller Welt: die Feuerwehrautos des oberösterreichischen Industrieunternehmens Rosenbauer. Nach durchwachsenen Jahren dürfte das Unternehmen nun ein gewisses Maß an Stabilität erreicht haben. Rosenbauer blickt nämlich auf ein Rekordjahr zurück – ein Ergebnis, das man sich erarbeitet habe und das das Resultat von viel Anstrengung gewesen sei, sagt Vorstand Robert Ottel am Freitag bei der Präsentation der Jahresergebnisse.
Unter dem Strich konnte Rosenbauer das Ergebnis um 82,2 Prozent auf 54,3 Mio. Euro steigern, der Umsatz kletterte um 9,4 Prozent auf 1,43 Mrd. Euro. Die Umsätze konnten dabei in allen Regionen zulegen. Das Unternehmen hat Produktionsstandorte auf der ganzen Welt, 53 Prozent des Geschäfts finden außerhalb Europas statt. Wobei der Großteil (78 Prozent) der Erlöse auf das Kernprodukt Feuerwehrauto entfällt. Jedes Stück sei individuell, kein Fahrzeug gleiche dem anderen, so Ottel. Im Vorjahr lieferte das Unternehmen 2107 Einheiten aus.
Seit April 2025 leitet Ottel die Geschicke des Unternehmens. Zuvor war er lange für die Finanzagenden des Stahlkonzerns Voest verantwortlich. Neben Änderungen im Vorstand gab es bei Rosenbauer im vergangenen Jahr auch grobe Verschiebungen in der Eigentümerstruktur. Befand sich das Unternehmen zuvor mehrheitlich im Familienbesitz, stieg zu Beginn 2025 das Robau-Konsortium über eine Kapitalerhöhung ein. Dieses besteht aus dem Red-Bull-Erben Mark Mateschitz, dem Industriellen Stefan Pierer und der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich – sie halten nun mit 55 Prozent die Mehrheit am Unternehmen. Der Anteil der Familie hat sich indes auf 17 Prozent reduziert, der Streubesitz ist ebenfalls gesunken, von 43 auf 24 Prozent.
Historisch hoch ist dagegen der Auftragsstand mit 2,35 Mrd. Euro. Doch führten die globalen Unsicherheiten zu einer Zurückhaltung bei den Kunden, da im Vorjahr etwas weniger Neuaufträge (1,57 Mrd. Euro für 2025, zuvor 1,7 Mrd. Euro) hereinkamen.
Auch der Iran-Krieg macht sich bei Rosenbauer bemerkbar. Der Nahe Osten ist traditionellerweise auch Abnehmer der Fahrzeuge. Man habe derzeit allerdings Schwierigkeiten, Produkte in die Golfstaaten zu liefern, insbesondere dort, wo man auf die Verschiffung durch die Straße von Hormus angewiesen sei. Ottel nennt dabei Länder wie Kuwait, Katar und auch die Vereinigten Arabischen Emirate. Man arbeite gerade an alternativen Liefermöglichkeiten, grundsätzlich sehe man jedoch, dass die Investitionen in den Zivilschutz in der Region steigen.
Dass Rosenbauer angesichts der globalen Krisenherde in den Rüstungssektor einsteigt, so wie das auch andere heimische Industrieunternehmen machen, schließt Ottel allerdings aus. „Schützen und Retten“ sei ein Kernwert von Rosenbauer – und davon werde man auch nicht abgehen.
Angesprochen auf die zuletzt gestiegenen Energiepreise und die Aussicht auf tendenziell höhere Inflationsraten – und damit möglicherweise höhere Lohnforderungen – wollte sich Ottel nur bedingt äußern. Zumal die Kollektivvertragsverhandlungen erst im Herbst starten. Doch gäbe es nur noch zwei Länder in Europa, eines davon Österreich, bei denen die Lohnanpassungen der Teuerungsrate folgen. Aus seiner Sicht würde es vor allem Sinn machen, strukturelle Probleme anzugehen. Etwa die Eigenheimquote heben und die Zukunftsvorsorge stärken. (nst)
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