Bis zuletzt soll Donald Trump überlegt haben, ob er tatsächlich seinen Vizepräsidenten J.D. Vance nach Islamabad schicken soll, um mit dem Iran zu verhandeln. Einerseits gab es von US-Seite massive Sicherheitsbedenken. Andererseits stand die Frage im Raum, ob Washington wenige Tage nach Vereinbarung einer ohnehin wackeligen Waffenruhe dem Iran das höchstrangige diplomatische Treffen seit 1979 gewähren sollte.

Letztlich gaben das Weiße Haus und die Sicherheitsdienste grünes Licht und die Air Force Two hob am Freitag von Camp Springs im Bundesstaat Maryland in Richtung Islamabad ab – obwohl sich beide Seiten bereits einen Bruch der Feuerpause vorwarfen.

Gemeinsam mit dem Sondergesandten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner wird Vance bei den am Samstag beginnenden Verhandlungen die US-Positionen vertreten. Aus Teheran sollen sich unter anderem Außenminister Abbas Araqchi und Parlamentspräsident Mohammad-Bagher Ghalibaf in die pakistanische Hauptstadt aufgemacht haben. Zu den logistischen Details hielten sich beide Seiten ebenso bedeckt wie zu vielen inhaltlichen Fragen. 

Das Mullah-Regime zirkulierte im Vorfeld erneut seinen aus zehn Punkte bestehenden Plan, den die USA in dieser Form keinesfalls annehmen werden. Er umfasst unter anderem einen Abzug der US-Streitkräfte aus der Region, die Aufhebung aller Sanktionen, eine Waffenruhe im Libanon sowie die fortbestehende iranische Kontrolle über die Straße von Hormus. Vance wies die meisten iranischen Forderungen im Vorfeld zurück, betonte aber, dass die USA mit „ausgestreckten Händen in die Verhandlungen gehen”.

In der Tat sprechen bei derartigen Gesprächen beide Parteien im Vorfeld oft Maximalforderungen aus, um sich dann anzunähern. Laut Vance gibt „es mindestens drei verschiedene Zehnpunkte-Pläne des Iran”, wobei das Regime den extremsten veröffentlicht habe. Trump wiederum sprach zuletzt von einem US-Vorschlag, der 15 Punkte umfassen soll. Veröffentlicht hat das Weiße Haus diese Forderungen vor dem Treffen in Islamabad nicht.

Sowohl die USA als auch der Iran gaben sich nach außen hin überzeugt, dem Kriegsgegner Zugeständnisse abringen zu können. Hinter vorgehaltener Hand sind beide Länder daran interessiert, dass der Krieg ein Ende findet. Analysten zufolge könnte der Iran davon abrücken, einen Abzug der US-Truppen zu fordern und sich mit einem teilweisen Abbau der Sanktionen zufriedengeben. Washington wiederum übt bereits jetzt im Hintergrund Druck auf Israel aus, im Libanon einen Gang zurückzuschalten. Eine völlige Waffenruhe im Kampf gegen die Hisbollah-Miliz ist unwahrscheinlich. Das Regime in Teheran könnte sich jedoch mit einer Reduktion der Kampfhandlungen zufriedengeben.

Es bleiben die Straße von Hormus und das Thema der Urananreicherung als zentrale Streitpunkte. Obwohl Trump im Zuge der Waffenruhe angekündigt hatte, dass der Iran die Straße von Hormus „sofort und vollständig” öffnen werde, war davon bislang wenig zu sehen. Teheran lässt scheinbar nur ausgewählte Tanker passieren und soll eine Gebühr von zwei Millionen Dollar einheben. Trump kritisierte das scharf. „Iran macht einen sehr schlechten Job, unehrenhaft würden manche sagen, Öl durch die Straße von Hormus zu lassen. Das ist nicht die Vereinbarung, die wir hatten!”, schrieb der US-Präsident auf Truth Social.

Als Folge der Schließung der Straße kam es zu einem Ölpreisschock, der sich auch an den Benzinpreisen in den USA zeigt. Das setzt Trump politisch unter Druck, weshalb er unter Umständen auch einer Lösung, die eine Art Maut beinhaltet, zustimmen könnte. Kritiker verweisen darauf, dass die Straße vor Beginn des Krieges frei passierbar war. Das Weiße Haus könnte versuchen, jede Vereinbarung trotzdem als Erfolg zu verkaufen — mit dem Verweis darauf, dass die militärischen Kapazitäten Teherans durch die Raketenangriffe dezimiert wurden.

Unklar war zu Beginn der Verhandlungen, wie das Thema der Urananreicherung gelöst werden kann. Bei den US-Angriffen im vergangenen Jahr wurden die iranischen Atomanlagen zwar schwer beschädigt. Allerdings dürfte Teheran noch über 400 Kilogramm an angereichertem Uran verfügen, das es aller Voraussicht nach nicht aufgeben will. Trump wiederum spricht davon, dass dieses verbliebene Material, das den Iran möglicherweise innerhalb von Monaten nahe an eine Atombombe brächte, beseitigt werden würde.

Eine Friedensvereinbarung zwischen den USA und dem Iran ist in Islamabad nahezu ausgeschlossen. Beide Parteien räumen den Verhandlungen bis zu zwei Wochen ein, ehe der brüchige Waffenstillstand ausläuft.