Erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs vor fast sechs Wochen kommt der Fall Epstein wieder in die Schlagzeilen. Dabei hatte der US-Präsident die Epstein-Debatte schon vor zwei Monaten für beendet erklärt. Es sei „wirklich an der Zeit, dass sich das Land mit anderen Dingen beschäftige“, forderte Trump Anfang Februar. Dass es zunächst so kam, dafür sorgte er selbst, denn bald darauf begannen die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran.
Nun ist die für den Republikaner äußerst unangenehme Causa wieder auf der Tagesordnung. Nicht nur sprach Melania am Donnerstag in eigener Sache, sie rief überdies dazu auf, den Opfern von Epsteins Verbrechen auch vor dem US-Kongress Gehör zu verschaffen und deren Aussagen zu protokollieren: „Jede Frau sollte die Möglichkeit haben, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen, wenn sie das möchte“, sagte die First Lady. „Dann, und nur dann, werden wir die Wahrheit erfahren“, so Melania Trump.
Die Interessenvertreter der Epstein-Opfer zeigten sich jedoch empört über den Auftritt im Weißen Haus. Sie warfen Melania Trump die Opfer für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Die Last würde damit auf die Überlebenden der Epstein-Verbrechen abgewälzt, „um die Machthaber zu schützen“, sagten sie der „HuffPost“.
Der führende Demokrat im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, Robert Garcia, forderte dennoch „unverzüglich“ eine Anhörung der Opfer. Der Ausschuss hatte im Fall Epstein Ende Februar den früheren Präsidenten Bill Clinton und seine Frau Hillary angehört, nachdem Präsident Trump den Demokraten Clinton beschuldigt hatte, er habe viel mehr mit Epstein zu tun gehabt als er selbst. Im Juni ist Microsoft-Gründer Bill Gates vorgeladen. Gates und Bill Clinton waren in den jüngst veröffentlichten Epstein-Akten aufgetaucht, eine Verwicklung in den Skandal konnte ihnen jedoch nicht nachgewiesen werden.
Epstein hatte zahlreiche prominente Bekannte, unter ihnen den britischen Prinzen Andrew und Donald Trump. Der US-Präsident hatte den Epstein-Skandal als „Täuschungsmanöver“ der Demokraten bezeichnet und wiederholt gefordert, den Mantel des Schweigens darüber zu hüllen. Der Kongress erzwang dann aber nahezu einstimmig die Freigabe der Akten. Wegen zahlreicher geschwärzter Stellen gibt es Vorwürfe, das Ausmaß werde vertuscht und die wahren Täter geschützt.