Nikon im All und Streetfotografie unter Druck – Fotonews der Woche 15/26

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Die spektakulärste Nachricht der Woche kommt aus einer Entfernung von rund 384.000 Kilometern: Die Crew der NASA-Mission Artemis II fotografiert den Mond und die Erde mit handelsüblichen Nikon-Kameras. Keine Spezialanfertigungen, keine Weltraum-Exklusivtechnik – eine Z9 und eine mittlerweile zehn Jahre alte D5 verrichten ihren Dienst im Mondorbit. Dazu ein 80-400mm f/4.5-5.6 Zoom, ebenfalls aus dem regulären Katalog.

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Das Titelbild der Ausgabe 01 2026 des Foto-Magazins c't Fotografie

(Bild: 

heise

)

Dass Nikon im Weltraum zu Hause ist, hat Tradition: Seit über 50 Jahren liefert das Unternehmen Kameras an die NASA, angefangen bei modifizierten Filmkameras für die Apollo-Missionen. Dass die D5 noch mitfliegen darf, liegt weniger an nostalgischer Zuneigung als an einem sehr irdischen Grund: Die NASA-Zertifizierung dauert offenbar Jahre, und die betagte DSLR war schlicht schon „mission ready“. Die Z9 hat es gerade noch rechtzeitig geschafft – offenbar eine Last-Minute-Entscheidung.

Wer sich die EXIF-Daten der veröffentlichten Aufnahmen auf der NASA-Flickr-Seite ansieht, findet durchgehend ISO 400 – sowohl für die atemberaubenden Bilder der Erde, die hinter dem Mond hervorlugt, als auch für die Detailaufnahmen der vernarbten Mondoberfläche. Bei Licht, das entweder gleißend hell oder pechschwarz ist, benötigt man eben einen Sensor, der mit extremen Kontrasten umgehen kann. Die D5 konnte das schon 2016 hervorragend, die Z9 kann es heute genauso.

Natürlich hat sich auch das iPhone 17 Pro an Bord geschlichen – in einem der größten Product-Placement-Coups der Raumfahrtgeschichte. Einige der eindrucksvollsten Selfies der Crew, silhouettiert vor der im Hintergrund schwindenden Erde, entstanden damit. Die Debatte „Systemkamera versus Smartphone“ hat es also bis in den Mondorbit geschafft. Manche Diskussionen sind wirklich universell.

World Press Photo 2026

Zurück auf der Erde, aber nicht weniger bewegend: Der World Press Photo Contest 2026 hat seine Gewinner bekanntgegeben. 3.747 Fotografinnen und Fotografen aus 141 Ländern reichten 57.376 Bilder ein – und nur 42 Projekte wurden ausgezeichnet. Die Themen sind so drängend wie eh und je: Konflikte, Klimakrise, Flucht, Widerstand, aber auch Überleben und verborgene Traditionen.

Die Bandbreite der prämierten Arbeiten ist bemerkenswert: Balletttänzerinnen in Südafrika, Reiterinnen in Marokko, Proteste in Guatemala und Kenia, Familien unter dem Druck der US-Einwanderungspolitik. Dazu Naturaufnahmen, die einem den Atem nehmen – ein Eisbär auf einem Pottwal, ein Panda in einem chinesischen Nationalpark, eine Elefantenkeulung in Simbabwe. Und eines der erschütterndsten Einzelbilder zeigt einen Mann in Hongkong, der schreit, während das Wohngebäude, in dem seine Frau eingeschlossen ist, in Flammen steht. Ihr letztes Telefonat hatten sie kurz zuvor geführt.

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„Dies ist ein entscheidender Moment – für die Demokratie, für die Wahrheit, für die Frage, was wir als Gesellschaft bereit sind zu sehen“, sagte die globale Juryvorsitzende Kira Pollack. Ein Satz, der in Zeiten von Desinformation und KI-generierten Bildern schwerer wiegt als je zuvor.

Das Foto des Jahres wird am 23. April in Amsterdam enthüllt. Der Gewinner erhält neben 10.000 Euro auch eine Fujifilm GFX100 II mit Objektiven – oder alternativ die neue GFX100RF. Für Pressefotografen, die sonst eher mit robusten Reportage-Bodys arbeiten, dürfte das ein interessanter Systemwechsel sein. Die Wanderausstellung wird in über 60 Städten weltweit zu sehen sein.

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Stirbt die Streetfotografie?

Apropos Hinschauen: Darf man das eigentlich noch? Diese Frage stellt sich die Streetfotografie gerade mit zunehmender Dringlichkeit. Ein ausführlicher Essay auf Fstoppers hat diese Woche eine lebhafte Debatte ausgelöst – und die Kernthese ist unbequem: In einer Welt, in der jedes Gesicht per Reverse-Image-Search identifizierbar ist, wird die FFotografie im öffentlichen Raum von zwei Seiten in die Zange genommen.

Von der einen Seite drückt die Regulierung: Sobald ein Gesicht als „personenbezogene Daten“ gilt – und in der EU ist das unter der DSGVO der Fall –, wird die Veröffentlichung zum Risiko. Nicht weil massenhaft geklagt wird, sondern weil die Bedingungen der Publikation sich verändert haben. Ein Bild auf Instagram ist kein Abzug in einer Galerie mehr; es ist ein durchsuchbarer Datenpunkt in einem globalen Netzwerk.

Von der anderen Seite drückt die KI: Warum sich dem Unbehagen einer echten Begegnung aussetzen, wenn ein Prompt eine perfekte Straßenszene generieren kann? Die Ironie: Je authentischer ein Straßenfoto ist, desto mehr zeigt es ein identifizierbares Gesicht – und genau das wird rechtlich immer heikler.

Die Kommentarspalte unter dem Artikel liest sich wie ein Mikrokosmos der gesamten Debatte. „Street photographers are not wimps“, schreibt einer trotzig. Ein anderer kontert nüchtern, dass Fotografen längst aufgehört hätten, fremde Kinder zu fotografieren – nicht wegen eines Gerichtsurteils, sondern weil sich die Normen verschoben haben. Und ein Kommentator aus Finnland weist darauf hin, dass die DSGVO für Privatpersonen gar nicht gilt und Ausnahmen für künstlerische Fotografie vorsieht.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen: Die Fotografie auf der Straße stirbt nicht, aber sie verändert sich. Weniger Gesichter, mehr Rücken. Mehr Distanz, weniger Konfrontation. Ob das noch die Steetfotografie ist, die Winogrand und Gilden prägten, ist eine andere Frage. Passend dazu erklärt ein Video von Liam Giuliani (7th Era), wie die Objektivwahl die Geschichte bestimmt, die ein Straßenfoto erzählt – und warum ein 40mm-Objektiv mehr Mut erfordert als ein 70-200mm Zoom.

Speicherkarten: Sony pausiert, Lexar feiert

Weniger philosophisch, aber für den Arbeitsalltag nicht minder relevant: Sony hat vorübergehend die Bestellannahme für seine Speicherkarten ausgesetzt – betroffen sind CFexpress- und SD-Karten. Der Grund ist die globale Halbleiterknappheit, die offenbar auch vor Speichermedien nicht haltmacht. Wer gerade neue Sony-Karten braucht, muss sich also gedulden oder auf Alternativen ausweichen.

Apropos Alternativen: Lexar feiert gerade sein 30-jähriges Bestehen und hat aus diesem Anlass Journalisten durch seine Forschungs- und Produktionsstätten in China geführt. Der Bericht liest sich streckenweise wie ein Werbetext – was er im Grunde auch ist –, enthält aber durchaus interessante Einblicke in die Speicherkartenproduktion. Etwa, dass ein einzelner Speicherchip nur 30 Mikrometer dünn ist, dünner als ein menschliches Haar, und dass diese Chips vertikal gestapelt werden, um die enormen Kapazitäten moderner Karten zu erreichen. Oder dass die Karten systematischen Stresstests unterzogen werden: wiederholter Stromverlust, extreme Temperaturen, Stürze.

Die eigentlich spannende Erkenntnis: Nicht alle Speicherchips sind gleich, und der Unterschied zwischen einer Billigkarte und einer Profikarte zeigt sich oft erst im Moment des Versagens. Wer schon einmal bei einem Hochzeitsshooting eine defekte Karte in der Hand hielt, weiß, wovon die Rede ist.

Empfehlung der Woche

Wer nach all den Nachrichten Lust auf visuelles Staunen hat, dem seien die Artemis-II-Aufnahmen auf der NASA-Flickr-Seite ans Herz gelegt. Die Bilder der Erde, die hinter dem Mondrand hervorlugt, gehören zum Eindrucksvollsten, was die Raumfahrtfotografie je hervorgebracht hat – und sie wurden mit einer Kamera gemacht, die man für knapp 5.500 Euro im Fachhandel kaufen kann. Manchmal braucht es eben kein Spezialwerkzeug. Manchmal reicht es, am richtigen Ort zu sein. Selbst wenn dieser Ort 384.000 Kilometer entfernt ist.

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(tho)

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