Was ist wichtig, wenn ein Familienunternehmen auf die nächste Generation übergeht? Die Antwort ist für Lukas Minichmayr klar: „Dass mit einer Stimme gesprochen wird.“ Der 34-Jährige weiß, wovon er spricht, denn er hat die Geschäftsführung des Logistik-Unternehmens Frachtmeister von seinem Vater übernommen. Beiden sei wichtig gewesen, dass „alle dieselben Ziele verfolgen, Verwirrung vermieden wird und die Kollegen immer gewusst haben, an wen sie sich wenden können“.
Oder anders gesagt: Trotz manchmal unterschiedlicher Meinungen, die sich allein schon aus dem Generationsunterschied zwischen seinem Vater und ihm ergeben haben, achteten die beiden stets darauf, nach außen hin geschlossen aufzutreten.
Vater Peter (63) und Sohn Lukas Minichmayr gelang dabei etwas, was nicht allen Familien gelingt: die langfristige Planung des Übergangs. „Es war ein schleichender Prozess, der sich über Jahre erstreckt hat“, sagt Lukas Minichmayr. Konkret war es 2022 geworden, als sein Vater anlässlich seines 60. Geburtstages, die Übergabe als logischen Schritt auch öffentlich kommunizierte und seinen Sohn zum Geschäftsführer machte. 2014 war Lukas Minichmayr in das Unternehmen eingestiegen, als sein Vater erkrankt war.
Erst im Controlling, später übersiedelte er als „Lückenfüller“ zur Kostenrechnung, danach durchlief er, sein Vater war in der Zwischenzeit wieder gesund, verschiedene Bereiche und gründete eine internationale Abteilung. Diese lange Einarbeitungszeit ermöglichte es ihm, sich intensiv mit den Prozessen und Abläufen des Unternehmens auseinanderzusetzen und einen fließenden Übergang zu gewährleisten. „Diese vielfältigen Erfahrungen haben mich auf meine heutige Rolle vorbereitet.“
»Diese vielfältigen Erfahrungen haben mich auf meine heutige Rolle vorbereitet.«
Lukas Minichmayr
Ursprünglich hatte er eine andere für sich vorgesehen gehabt und Technische Physik studiert. „Weil ich immer schon sehr analytisch war und immer wissen wollte, warum etwas passiert: Warum ein Flugzeug fliegt oder man einen Regenbogen sieht.“ Diese Art zu denken prägte seine Herangehensweise an Probleme, wie er sagt.
Die familiäre Bindung, sagt er, ermögliche dabei eine sehr kurzfristige und unkomplizierte Abstimmung – im privaten Rahmen: „Das ermöglicht es, unterschiedliche Ansätze und Meinungen zu diskutieren, ohne dass die Mitarbeiter Partei ergreifen müssen.“ Während es feste Termine mit den Abteilungsleitern gibt, erfolgt die Kommunikation mit dem Vater, der nun beratend im Hintergrund tätig ist, auf Zuruf.
Eine strikte Trennung von Privat- und Berufsleben hingegen sei in einem Familienunternehmen dieser Größe mit rund 100 Mitarbeitenden kaum möglich. „Ich bin mit dem Unternehmertum der Familie aufgewachsen und habe die persönliche Verflechtung von Anfang an miterlebt.“ Auch wenn in anderen Unternehmen eine klare Trennung praktiziert werde, sei es oft notwendig, dass private und berufliche Aspekte miteinander verbunden sind, um nah an den Mitarbeitenden und Prozessen zu bleiben, sagt Minichmayr.
Das sei möglicherweise auch einer der Gründe, warum die Fluktuation im Unternehmen gering sei und sich hauptsächlich auf die ersten zwei bis drei Monate der Einarbeitung beschränke. Um langjährigen Mitarbeitern, die körperlich anspruchsvolle Umzugsarbeit nicht mehr leisten können, eine Perspektive zu bieten, wurde ein zweites Standbein in der Kühllogistik aufgebaut.
Dieser Bereich erfordert noch höhere Qualitätsstandards und Prozessgenauigkeit und bietet gleichzeitig neue Einsatzmöglichkeiten für erfahrene Mitarbeiter. So können sie ihre Expertise weiterhin im Unternehmen einbringen, was ihre Wertschätzung und Bindung zum Haus stärke.
Zudem seien viele Mitarbeitende kontinuierlich entwickelt worden und würden heute Logistikprojekte planen. Für diese Projekte seien die Kundenanforderungen im Übrigen spürbar gestiegen: detaillierte Zeit- und Kostenplanung, Dokumentation und Kommunikation des Fortschritts mehr oder weniger in Echtzeit.
Zur Person
Lukas Minichmayr (34) ist Geschäftsführer des Logistikunternehmens Frachtmeister. Derzeit (noch) gemeinsam mit seinem Vater Peter (63). Ursprünglich hatte Lukas Minichmayr Technische Physik studiert, war dann aber 2014 in das Unternehmen eingestiegen und hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Abteilungen durchlaufen.